Betriebsgruppentreffen in Hamburg

Posted on 22. Mai 2008 von

0


Jörg Pflüger, Renate Münder

Am 2. Februar fand im Magda-Thürey-Zentrum in Hamburg ein Treffen von DKP-Betriebsgruppen (BG) und Betriebsaktiven aus Hamburg, Niedersachsen, Ruhr-Westfalen und Südbayern statt. Eingeladen hatte die Sammelbetriebsgruppe Öffentlicher Dienst aus Hamburg.

Im Eingangsreferat betonte Renate Münder die Bedeutung der Betriebsarbeit für Kommunisten, was auch in der Partei unumstritten ist, jedoch kaum umgesetzt wird. Eine Folge ist, dass der Anteil an Genossinnen und Genossen aus dem Kern der Arbeiterklasse zu gering ist. Betriebsgruppen sollten das Fundament einer kommunistischen Partei sein, sie sind die wichtigsten Gliederungen, um als Teil der Arbeiterklasse in selbiger zu arbeiten.

Unser Bündnispartner „Die Linke“ konzentriert sich auf Stellvertreterpolitik, auf parlamentarische Vertretung, baut keine Betriebsgruppen auf. Wir dagegen orientieren die Kollegen darauf, selbst aktiv zu werden.

Die Rolle von Betriebszeitungen

Die entscheidende Bedingung für die Existenz einer BG ist das Erstellen einer Betriebszeitung. Diese Betriebszeitung muss eine Massenzeitung sein für einen oder mehrere Betriebe. Ihre Aufgabe es ist, Schweinereien des betreffenden Betriebs zu enthüllen, die Verantwortlichen dafür klar zu benennen und Probleme der Belegschaft zu artikulieren. Diese Schweinereien müssen im Zentrum der Agitation stehen, ohne dies wird das Interesse der großen Masse der Kollegen nicht geweckt.

In der Diskussion wurde es als hilfreich betrachtet, wenn zentral vom jeweiligen Bezirk eine Rahmenbetriebszeitung erstellt würde (4-6 Seiten) und etwa zwei Seiten von der Betriebsgruppe selber.

So müssten wir nicht ständig das Rad neu erfinden und könnten einen festen Erscheinungsrhythmus garantieren, der wichtig ist für das Auftreten vor dem Betrieb. Auch könnte das journalistische und gestalterische Niveau der Zeitungen steigen.

Die Existenz von Betriebsgruppen ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, wenn wir die Gewerkschaften zu Kampforganisationen machen wollen. Die Änderung der Kräfteverhältnisse in den Gewerkschaften – weg von der sozialpartnerschaftlich, opportunistisch ausgerichteten Politik – werden wir nur mit der aktiven Unterstützung der Kollegen im Betrieb erreichen. Die Arbeit im gewerkschaftlichen Vertrauenskörper (VK) des Betriebs – wenn es einen solchen gibt – bzw. die Frage, wie er aufzubauen sein könnte – muss in einer Betriebsgruppe eine wesentliche Rolle spielen, wurde festgestellt. Im VK Einfluss zu gewinnen, heißt Multiplikatoren für die gemeinsame Arbeit finden, kann bedeuten, ein Korrektiv zum Betriebsrat zu gewinnen. Dennoch dürfen wir uns nie allein auf die Arbeit in den gewerkschaftlichen Gremien verlassen. Betriebsarbeit ist mehr als Kritik an gewerkschaftlichen Positionen. Und in der Gewerkschaft werden wir so lange nicht die Kräfteverhältnisse ändern können, solange wir keine Bastionen im Betrieb aufgebaut haben.

Wie kommen wir voran?

Um den Betriebsgruppenaufbau voranzutreiben, diskutierten wir zwei mögliche Ansätze:

• Einzelne Genossen in verschiedenen Betrieben werden in branchenspezifischen Sammelbetriebsgruppen zusammengefasst. Ihre Aufgabe ist die Erstellung einer Betriebszeitung für einen Schwerpunktbetrieb oder für mehrere Betriebe und der regelmäßige Kontakt mit Kollegen aus diesen Betrieben. Wenn wir keine Genossen im Betrieb haben, ist es natürlich mühsam, an Mitstreiter heranzukommen. Möglichkeiten, Kontakte zu Kollegen aufzubauen, bieten sich z. B. bei Streikversammlungen. Oder die Sammelbetriebsgruppe kann versuchen, über Kontakte zu befreundeten Organisationen wie DIDF, KKE, PRC und anderen Unterstützer für eine Betriebszeitung zu gewinnen.

Für die Sammlung von relevantem Material über die Kapitalseite – Verflechtungen, Strategien, Bilanzanalysen usw. – und natürlich für die Verteilung können Genossen der Wohngebietsgruppen hinzu gezogen werden.

• Die Genossen in den Betrieben konzentrieren sich auf den Aufbau von Vertrauensleutestrukturen und gewerkschaftlichen Betriebsgruppen.

Über diese „Zwischenstufen“ könnten dann auch Betriebsgruppen der DKP entstehen.

Und die Wohngebietsgruppen?

Um auch in den Wohngebietsgruppen das Verständnis für Betriebsarbeit zu stärken, sollte es Bestandteil der Gruppenabende werden, dass die Genossinnen und Genossen von ihrer Arbeitssituation berichten. In der Sammel-BG Öffentlicher Dienst Hamburg waren wir überrascht, wie wichtig das für uns ist.

Wir stellten fest, dass wir in der DKP unbedingt zu einer Feststellung des Ist-Zustands der Betriebsarbeit kommen müssen. Offensichtlich steht die Betriebsarbeit in unserer Partei zurzeit auf schwachen Füßen. Woran liegt das? An der momentanen Schwäche unserer Partei? An der Altersstruktur in der DKP? An der weit fortgeschrittenen Individualisierung der Arbeit? (Wo gibt es noch Werkstore, wo zum Schichtbeginn hunderte Arbeiter durchströmen?) Am Verlust der beispielgebenden sozialistischen realen Alternative? An zu wenigen Parteimitgliedern, die zum Kern der Arbeiterklasse zu rechnen sind?

Wir müssen uns dringend darauf verständigen, wo wir unsere Schwerpunkte setzen wollen. Unsere momentane Stärke lässt nicht mehr die Arbeit auf allen notwendigen Feldern zu. Es kann nicht mehr darum gehen, was wir alles müssten, sondern um das, was wir noch können. Wir waren uns auf unserer Konferenz einig, dass ein Schwerpunkt die Neugründung und Wiederbelebung von Betriebsgruppen sein muss, dem ureigensten Feld einer kommunistischen Partei. Wir wollen den Dialog, wie wir das anpacken, fortsetzen.

Deshalb begrüßen wir sehr, dass der PV diese Initiative aufgegriffen hat und ein Treffen von Betriebsgruppen und Betriebsaktiven im Herbst plant.

Advertisements