Heft 15 – Armut

Posted on 22. Juni 2008 von

0


von Hans-Günter Szalkiewicz

EDITORIAL

Alles, was dieser späte Kapitalismus, dieser Imperialismus, hervorzubringen in der Lage ist -Macht- und Reichtumskonzentration, Ausbeutung, Unterdrückung, Krisen, Kriege, Massenelend – praktiziert er zunehmend brutaler und umfassender. Die menschliche Existenz – nicht nur in den Kriegsgebieten – ist millionenfach bedroht. Viele Themen drängen, behandelt zu werden. Für dieses Heft haben wir die grassierende Armut herausgegriffen und um vorliegende Beiträge zu anderen aktuellen Problemen bringen zu können, die Seitenzahl ausnahmsweise erhöht.

Armutserscheinungen haben den DGB-Vorsitzenden Michael Sommer in den heißen Julitagen veranlasst, die Obrigkeit und die zuständigen Konzerne auf den Winter aufmerksam zu machen, in dem möglicherweise seit den Kriegs- und Nachkriegsjahren erstmals wieder „zehntausende Deutsche frieren müssen“. Die Dimension dieses „Hungerns und Frierens“ könnte allein schon deshalb etwas niedrig angesetzt sein, weil heute bereits 800.000 Haushalten aufgrund von Zahlungsrückständen Strom und Gas abgeschaltet werden. Sommers Appell an die Energieversorger, sich mit entsprechenden Tarifen sozial zu verhalten, beeindruckt besonders durch die Konsequenz, mit der ein Gewerkschaftsführer an den erkennbaren Ursachen der Verschlechterung der sozialen Lage der Arbeiter und Angestellten vorbei handelt. Sie entspricht der „Konsequenz“, mit der z. B. vor fünf Jahren der damalige IG-Metall-Vorsitzende Peters und dessen Vorgänger Zwickel zur Niederlage der ostdeutschen Metaller im Kampf um die 35-Stunden-Woche beigetragen haben. Almosen sollten Angelegenheit karitativer Vereine, nicht der Gewerkschaften sein.

Wenn es um Armut geht, nicht in der Welt, sondern in der reichen Bundesrepublik, muss eine erste Hürde überwunden werden, die mit dem Geschwätz über deren Ursachen aufgestellt wurde. Die Erkenntnis ist verschüttet, dass es die

kapitalistische Art des Produktions- und Produktivitätsfortschritts ist, welche mit Unterbrechungen auf wachsender Stufenleiter Arbeitskraft freisetzt, den Arbeiter und gleich ihm alle anderen, die vom Verkauf ihrer Arbeitskraft leben, aus der Produktion drängt. Das, was Marx als Gesetz der kapitalistischen Akkumulation definiert hat wirkt, allen apologetischen und Modernisierungserklärungen zum Trotz, gleich ob sie als soziale Marktwirtschaft, als finanzmarktgetriebener Kapitalismus, Neoliberalismus oder als Globalisierung ins Feld geführt werden. Diesen Zusammenhang beleuchtet Renate Münder in ihrem Beitrag. Mit Erscheinungen der Armut und ihren Folgen beschäftigen sich Siw Mammitzsch und Patrik Köbele. Ludwig Jost verbindet diese Thematik mit den Aufgaben der Arbeiterklasse und der Gewerkschaften.

Rainer Rupp analysiert internationale Dimensionen des Hungers. Dem dringenden Bedürfnis, marxistisch-leninistische Positionen in der nationalen Frage wiederzugewinnen, folgt Thomas Lühr mit seinem Beitrag. Wahlen stehen im kommenden Jahr an und damit Fragen, wie sich die kommunistischen Kräfte positionieren sollen. Hierzu äußern sich Patrik Köbele und Helmut Dunkhase. Und – last not least – führen wir die dringende Diskussion zu ideologischen Problemen mit Beiträgen von Hans Kölsch und Dogan Göcmen weiter.

Sportbeiträge haben wir nicht im Repertoire, aber aus gegebenem Anlass verurteilen wir entschieden die antikommunistische Kampagne gegen die VR China im Zusammenhang mit den XXDC Olympischen Spielen in Peking. Wir wünschen diesen Spielen einen erfolgreichen und friedlichen Verlauf.

Wir danken allen Lesern, die mit ihren Spenden die Herausgabe der Zeitschrift ermöglicht haben und unterstreichen erneut, dass wir weiterhin darauf angewiesen sind.

Advertisements