Revisionistische Wende eine Legende?

Posted on 22. Oktober 2008 von

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Erklärung der T&P-Redaktion

In Heft 56 der Publikationsreihe des Marxistischen Forums in der PdL wurde unter dem Titel „Die Legende von der revisionistischen Wende“ von Ingo Wagner und Ekkehard Lieberam eine in vielen Teilen unsachliche und entstellende Polemik gegen Hans Heinz Holz, Kurt Gossweiler u. a. geführt. Darüber berichtete die UZ auf einer halben Zeitungsseite mit dem Titel „Für eine zukunftsfähige kommunistische Politik“ offensichtlich zustimmend. Eine die Entstellungen zurückweisende Entgegnung von Holz wurde von der Redaktion der UZ abgelehnt und – gerade um die Auseinandersetzung gekürzt – in die Leserbriefspalte abgeschoben.

Eine ausführliche Antwort von Holz lehnte die Redaktion der Marxistischen Blätter ebenfalls ab. Auch die Marx-Engels-Stiftung, deren Vorstand Ekkehard Lieberam angehört, hat eine korrigierende öffentliche Stellungnahme nicht für nötig gehalten. In einem Brief vom 25. August 2008 an den Vorsitzenden schrieb Hans Heinz Holz ausdrücklich, dass er vom Vorstand der MES „keine Parteinahme für meine Positionen erwarte, wohl aber eine Zurückweisung der Angriffe, die gegen mich und meine kommunistische Haltung gerichtet sind“. Nach mehr als vierzigjähriger aktiver Mitarbeit in der Stiftung ist das wohl nicht unberechtigt.

Wagner und Lieberam sind nicht Mitglieder der DKP, wirken aber in sie hinein. Sie werfen einem Genossen – der immerhin maßgebendes Mitglied der Programmkommission war – vor, seine Auffassungen seien „politisch falsch, theoretisch absurd und strategisch verheerend“! Und dem Gescholtenen wird von den Parteiorganen verwehrt, darauf zu reagieren! Deshalb dokumentieren wir nun nach dieser Einleitung eine Stellungnahme von Wolfram Triller, die auf der Website von T&P bereits veröffentlicht wurde.

Was ist das Marxistische Forum?

Das Marxistische Forum entstand als Antwort auf die Sozialdemokratisierung der PDS. Es wurde am 3. Juli 1995 innerhalb der PDS gegründet und will „mit wissenschaftlichen Arbeiten der einzelnen Mitglieder und als Ganzes die Politik der PDS begleiten und marxistisches Gedankengut verbreiten (…). Das Marxistische Forum will so wirken, dass auch als Maßstab an die Politik der PDS die marxistische Theorie sowie die Interessen und der Willen der Mitglieder und ihrer Wähler angelegt wird.“ (Aus: Vorwort zum Heft 3 der Schriftenreihe des Marxistischen Forums vom November 1995). Es konnte im Laufe der Jahre bis zu 100 Unterstützer gewinnen.

Seine Mitglieder kritisierten mit Recht, dass die PDS sich vom Klassenkampf verabschiede, die Eigentumsfrage zugunsten eines Gesellschaftsvertrags ausklammere und SED und DDR in Gestalt des Stalinismusverdikts eine Absage erteile. Sie warnte, der Weg der Anpassung würde die Existenzgrundlagen der Partei untergraben. Von einer Arbeitsgruppe des Marxistischen Forums wurde deshalb im Jahr 2000 ein alternativer Programmentwurf vorgelegt. Es gelang jedoch nicht, eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Plattform zu erreichen.

Mit dem Heft 56 greift nun das Marxistische Forum massiv in eine Debatte innerhalb der DKP um die Ursachen der Niederlage des Sozialismus ein, die – da die Parteiorgane für sie nicht geöffnet wurden – in der Jungen Welt geführt wurde. Da Lieberam in dieser Debatte nicht vor offener Diffamierung zurückschreckt, muss man vermuten, er fühle sich wohl selbst betroffen.

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