60. Gründungstag der DDR

Posted on 9. Dezember 2009 von

0


von Hans-Günter Szalkiewicz

Editorial

Es wäre ein großer und uns ideologisch entwaffnender Fehler, würden wir die Wirkung dessen unterschätzen, was die Medien an Lügen, Häme, Geschmacklosigkeit, Primitivität und organisierter Servilität im Zusammenhang mit der DDR und dem 60. Jahrestag ihrer Gründung über die Menschen ausschütten. Das wird auch nicht durch die begründete Vermutung korrigiert, dass die Reaktion in Deutschland offensichtlich noch ernsthafte Probleme mit der DDR hat. Joseph Goebbels handelte nach der Maxime, man müsse eine Lüge nur oft genug wiederholen, damit sie geglaubt werde. Das hat sich durchgesetzt.

Das festzustellen, wirft mindestens zwei Fragen auf, die nach dem „tiefe-ren“ Sinn dieser Kampagne, und wie ihr zu begegnen ist. Erschöpfende Antworten zu geben, kann eine Schrift wie diese nicht leisten. Was aber getan werden kann und muss ist, die Stimme zu erheben zur Verteidigung des gesellschaftlichen Fortschritts, zu der der Kampf um die Verbreitung der historischen Wahrheit gehört. Dabei wird zu vermitteln sein, dass es den Akteuren dieser geradezu hysterischen Attacken weder um die Rettung der Demokratie, also den Interessen des Volkes, noch um Menschenrechte und Menschenwürde geht. Im Gegenteil — die Wirtschaftskrise leistet dabei Nachhilfeunterricht —, die Menschen sollen sich den Interessen und Zielen des deutschen Großkapitals und ihrer Politiker fügen. Sie sollen ein stabiles Hinterland bilden bei der Kriegsführung, sie sollen die sich verschärfende Ausbeutung und die Verschlechterung ihrer sozialen Lage kritisch begleiten — wie die Gewerkschaftsführungen das demonstrieren — letzten Endes aber duldend ertragen.

Wenn es gelingt, diese Absichten deutlich zu machen und im Zusammenhang damit die Funktion, die der Antikommunismus dabei spielt, wird sowohl die Hetze gegen die DDR entlarvt als auch den Menschen geholfen, sich ihrer Lage bewusst zu werden. Unser Heft zeigt einen kleinen Ausschnitt der Kräfte, die in diese Richtung wirken: so den Förderverein „Rotfuchs“ mit seiner gleichnamigen Zeitschrift, dessen Vorsitzender Rolf Berthold am 26. September auf einer Festveranstaltung den Jahrestag der Gründung der DDR in bester marxistischer Tradition gewürdigt hat und das ebenso durch den Chefredakteur Dr. Klaus Steiniger in dieser Ausgabe erfolgt.

In diese Reihe gehört das Ostdeutsche Kuratorium der Verbände, das hier von seinem Vorsitzenden, Professor Dr. Siegfried Mechler, vorgestellt wird. Auf einer von dem Kuratorium organisierten Protestkundgebung gegen die Einheits-Jubelfeiern trat der renommierte Jurist Professor Erich Buchholz auf, der seinen Vortrag mit den Worten schloss: „Wessen sollten wir uns rühmen, wenn nicht unserer DDR!“ In seinem Beitrag seziert er das Unrechtsstaats-Monster.

Dem schließen sich Wolfram Triller an mit dem Beitrag „Deutsche Einheit aus ostdeutscher Sicht“ und Anton Latzo zu den Gründen und der Bedeutung der Sicherung der Staatsgrenze der DDR.

Im zweiten Teil unseres Heftes kommen Autoren zu Wort, die sich mit den sozialen Kämpfen dieser Zeit beschäftigen: Horst Eigen zur Situation von Arbeitslosen, Florian Meyer zum Widerstand der Schüler und Studenten und Renate Münder zu theoretischen Aspekten von Reaktionen auf die Wirtschaftskrise.

Internationale Themen werden behandelt durch Paul Karlmann mit einer Würdigung des jüngsten Parteitags der Kommunistischen Partei Griechenlands, Hermann Glaser-Baur schreibt zur Europäischen Linken aus der Sicht der irischen Kommunisten, und Gerhard Feldbauer zur faschistischen Gefahr in Italien.

Eine besondere Problematik bildet die aktuelle Wahlpolitik der DKP, zu der sich Dietmar Koschmieder äußert und die uns auch künftig noch beschäftigen wird.

Advertisements
Posted in: Heft 19 - 2009