Imperialismus und Arbeiterklasse heute

Posted on 7. April 2011 von

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von Renate Münder

EDITORIAL

Das vorliegende Heft befasst sich mit der realen Bewusstseinslage und den politischen Möglichkeiten der Arbeiterklasse in Deutschland. Mit den Politischen Thesen des vorherigen PV-Sekretariats soll der DKP nahe gebracht werden, sich von der Konzeption der Arbeiterklasse als revolutionärem Subjekt zu verabschieden, indem eine diffuse Orientierung auf andere Bewegungen als Motor zur Veränderung der Gesellschaft als modern angepriesen wird. Wer die Arbeiterklasse nach wie vor im Zentrum unserer Agitation und Propaganda und unseres politischen Handelns sieht, muss Wege dorthin aufzeigen, die in der Praxis zu erproben sind. Dazu soll dieses Heft einen Beitrag leisten.

Die Grundlage der Analyse liefert Stephan Müller mit der Untersuchung der Produktivkräfte, deren Entwicklung die Klassendifferenzierung vorantreibt. Die Arbeiterklasse ist in der Defensive — ergibt sich aber daraus, dass ihre Niederlagen unausweichlich sind? Achim Bigus hat Faktoren untersucht, die Einfluss auf das Bewusstsein der deutschen Arbeiterklasse hatten und haben. Die Frage, ob sie sich — wieder — zu einer revolutionären Klasse entwickeln wird, bleibt dabei offen. Denn die Entstehung von Klassenbewusstsein hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, z. B. vom Handeln der Gewerkschaftsführung. Mit ihrer Strategie der Standortsicherung, der Klassenzusammenarbeit entfällt eine wesentliche Schule des Klassenkampfs für das Proletariat. Die Haupttendenz der Orientierung durch die gewerkschaftlichen Führungsgremien ist Desorientierung und damit Entwaffnung der Arbeiterklasse, wie Ludwig Jost anhand von Beispielen aus dem Bereich der IG Metall ausführt. Renate Münder versucht schließlich, die Aufgaben der Kommunistinnen und Kommunisten anzureißen, d. h. Ansatzpunkte für die Entwicklung von Klassenbewusstsein zu finden. Mit ihren Thesen möchten wir die Diskussion darüber in Gang bringen.

Zur Debatte über die EU setzt Corell drei Eckpunkte, u. a. die wichtige Unterscheidung von Unterdrückernation und unterdrückter Nation. Zu den Ursachen der Krise der Linken in Italien nimmt Gerhard Feldbauer kenntnisreich und präzise Stellung. Die fehlende Auseinandersetzung mit dem Revisionismus hält er für eine Hauptursache der negativen Entwicklung — ein Hinweis, der auch bei der aktuellen Auseinandersetzung innerhalb der DKP von Bedeutung sein kann.

Eine heftige Diskussion über die Frage Macht und Moral im Sozialismus wurde in der jungen Welt geführt zwischen Hans Heinz Holz und seinen Kontrahenten Nina Hager, Robert Steigerwald und Hans Peter Brenner. Wir veröffentlichen dazu einen Leserbrief von Fritz Dittmar. Indirekt setzen wir die Diskussion fort mit einem Beitrag von Hans Heinz Holz zur Pariser Commune, wo die Unterschätzung der Brutalität des Klassengegners eine Ursache ihrer Niederlage war. „Solange der Mensch des Menschen Wolf ist, bedeutet der Verzicht auf Gewalt zugleich Unterwerfung“, resümiert Hans Heinz Holz.

Weiter veröffentlichen wir zu diesem Thema einen Leserbrief von HansPeter Brenner, der bei kommunisten.de, dem Internetportal der DKP, nicht erscheinen konnte. Obwohl er Holz scharf kritisiert, fordert Brenner einen „sachlichen Klärungsprozess“ statt eines „inquisitorischen Verdammungsurteils, das jede Diskussion unmöglich macht und erübrigt“. Es geht dabei um die Art der Auseinandersetzung innerhalb der Partei. Zu dieser Frage, wie die Auseinandersetzung innerhalb der DKP geführt wird, die ja Fragen der linken und kommunistischen Bewegung insgesamt widerspiegelt, nimmt auch Sepp Aigner Stellung.

Der Literaturtipp beschäftigt sich mit „Portugal im April — Chronist der Nelkenrevolution“. Hans Günter Szalkiewicz interviewt dazu den Autor und Beteiligten Klaus Steiniger. Und in der Rubrik, wie sich die DKP verändern muss, kommt Männe Grüß zu Wort, der die Teilnahme der DKP-Berlin zum Volksentscheid „Unser Wasser“ untersucht und zur Frage Stellung nimmt, wie sich Kommunisten zu Bürgerbegehren, Volksentscheiden etc. verhalten sollen.

 

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