Ziele der MASCH Hamburg

Posted on 10. August 2011 von

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von Inge Humburg

Dieser Bericht über die Marxistische Abendschule gibt die Sicht von MASCH-Mitgliedern wieder, die auch in der DKP organisiert sind. Vor der Gründung 2007 haben wir folgende Überlegungen angestellt: Vor den Kommunisten steht heute die Aufgabe des Aufbaus der Partei bzw. der Gewinnung der Avantgarde durch

  • ideologischen und organisatorischen Zusammenschluss der zersplitterten kommunistischen Kräfte und
  • Herstellung der Verbindung zur Arbeiterklasse durch Gewinnung ihrer fortgeschrittenen Vertreter.

Die Arbeiterklasse lernt vor allem im Kampf. An diese Erfahrungen müssen die Kommunisten anknüpfen und versuchen Einfluss zu nehmen. Für den Parteiaufbau aber kommt der ideologischen, theoretischen und propagandistischen Arbeit und der Kaderentwicklung eine besondere Bedeutung zu. Die Avantgarde kann nur ideologisch gewonnen werden. Die Kollegen, die anfangen, den Kapitalismus in Frage zu stellen, müssen davon überzeugt werden, dass

  • ihre Interessen nicht nur in einzelnen Punkten, sondern grundsätzlich im Widerspruch zum Kapitalismus stehen,
  •  der Kapitalismus nicht linkskeynesianisch reformierbar und
  • die Herrschaft der Arbeiterklasse machbar ist.

Auch bei der ideologischen Zusammenführung der zersplitterten kommunistischen Kräfte (seien sie unorganisiert oder Mitglieder in der PdL, der DKP, antiimperialistischen, antifaschistischen Jugendorganisationen oder Organisationen links von der DKP) geht es im Kern um die gleichen Fragen. Außerdem müssen unterschiedliche sektiererische Tendenzen in allen Gruppen überwunden werden. Erschwert werden diese Prozesse dadurch, dass es kaum noch Schulungsarbeit gibt. Auch erfahrene Genossen haben viele wissenschaftliche Erkenntnisse vergessen und haben bestenfalls noch die Einschätzung historischer Ereignisse in der jeweils organisationsspezifischen Verabsolutierung im Kopf.

Die MASCH, so wie wir sie konzipiert haben, kann bei der Bewältigung dieser Aufgaben eine wichtige Rolle spielen. Hier ein kurzer Bericht über unsere Erfahrungen.

Überparteilicher Charakter

Wir haben von Anfang an großen Wert auf den überparteilichen Charakter der MASCH gelegt. Die Gründungsmitglieder wurden durch gezielte persönliche Ansprache für das Projekt interessiert. Die etwa 40 Mitglieder kommen aus folgendem politischen Spektrum: 50 Prozent sind nicht organisiert (meist frühere Mitglieder der DKP und von K-Gruppen, WASGler, die nicht zur PdL gegangen sind, Gewerkschafter, die an unseren Kursen teilgenommen haben), 50 Prozent sind Mitglieder der DKP oder der PdL, der Kommunistischen Plattform Clara Zetkin und der Sozialistischen Linken/SoL. Die letztere gehört zu den Organisationen, die die in dieser Nummer der T&P vorgestellte Broschüre „Krieg, Krise, Kapitalismus“ unterzeichnet haben. Dieses Spektrum ist auch im Vorstand vertreten.

Die MASCH hat sich eine doppelte Aufgabe gestellt:

  • Verbreitung von Grundlagenkenntnissen des Marxismus-Leninismus insbesondere unter Betriebskolleginnen und -kollegen sowie Jugendlichen, die anfangen, den Kapitalismus in Frage zu stellen.
  • Organisierung von Diskussionen zu programmatischen und strategischen Fragen, die sich Revolutionäre heute stellen müssen, unter Einbeziehung marxistisch-leninistischer Originaltexte.

Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus

1. Es ist nicht einfach, Kolleginnen und Kollegen für das Studium des Marxismus zu gewinnen. Der beste Weg ist natürlich, Menschen anzusprechen, zu denen persönliche Kontakte bestehen. Daneben haben wir gute Erfahrungen mit selbstbewusst angekündigten Lesungen des kommunistischen Manifests gemacht (mit Rolf Becker ist das ein kultureller Genuss). 550 Teilnehmer an drei Lesungen in verschiedenen Stadtteilen konnten wir so auf unsere Kurse und Themenabende ansprechen.

a. Für Kolleginnen und Kollegen aus Betrieben gibt es einen Einstiegskurs in die Politische Ökonomie an sechs bis sieben Abenden. Textabschnitte aus „Lohnarbeit und Kapital“ und „Lohn, Preis, Profit“ werden um aktuelle Beispiele ergänzt. Auszüge aus diesen Schriften werden auch als Wochenendkurs mit dem Thema „Wert und Preis der Ware Arbeitskraft — Grundsätzliches und Aktuelles“ oder als Abendveranstaltung „Arbeitszeitverkürzung — eine gewerkschaftspolitische Betrachtung aus marxistischer Sicht“ angeboten. Erfolgreich waren wir in einem Großbetrieb mit einem kämpferischen gewerkschaftlichen Vertrauensleutekörper. Insgesamt 15 Kollegen haben am Grundkurs teilgenommen und 20 an einem Tageskurs dieses Gremiums mit der MASCH.

Inzwischen gibt es als zartes Pflänzchen einen „AK Betrieb und Gewerkschaft“, in dem Kollegen aus drei großen und mehreren kleinen Betrieben vertreten sind. Er trifft sich sporadisch und soll das Angebot für den Betriebsbereich vorbereiten und steuern.

Unsere Erfahrung ist, dass relativ viele Kollegen, bis hin zu sozialdemokratisch orientierten, solche Kurse gut finden. Das Problem ist „nur“, die erste Kontakthürde zu nehmen. Dies ist auch für die MASCH nicht leicht, aber sehr viel leichter als für eine Partei.

b. Die MASCH bemüht sich darum, die politische, kulturelle und altersmäßige Barriere zur Sozialistischen Linken/SoL zu überwinden. Es gab gemeinsame Schulungen und es gibt einen gemeinsamen Kapital-Lesekreis. Eine Diskussionsveranstaltung über ein bei SoL verbreitetes Papier zur Gewerkschaftspolitik ist geplant. Basis für die Zusammenarbeit ist das wirklich bemerkenswerte Interesse an marxistischer Bildung und die Bereitschaft, offen über grundsätzliche Fragen zu diskutieren. Gemeinsam mit den Jugendgenossen wollen wir jetzt stärker in die Breite gehen. In Arbeit ist eine Konzeption für eine jugendgemäße Veranstaltungsreihe zum „Manifest“, zu der vor Berufsschulen eingeladen werden soll. Wir sind sehr gespannt, was wir dabei für Erfahrungen machen.

Diskussion programmatischer und strategischer Fragen

2. Für die zweite Aufgabe hat die MASCH ein „Forum zur Diskussion von grundsätzlichen Fragen der marxistischen Linken“ ins Leben gerufen. Es soll eine offene, solidarische, überparteiliche Diskussion von programmatischen und strategischen Fragen ermöglichen. Mit etwa 15 Leuten ist die Teilnehmerzahl bescheiden. Das politische Spektrum und die Qualität der Diskussion lassen aber eine Ausweitung erhoffen. Auseinandergesetzt haben wir uns z. B. mit dem Programmentwurf der PdL, konfrontiert mit Ausschnitten aus Luxemburgs „Reform und Revolution“ und dem „Memorandum zur linken Programmdebatte“ von Mitgliedern aus PdL und DKP (jw 22. 11. 2010). Geplant sind: „Ist Lenins Imperialismustheorie noch aktuell?“; „Wie stehen Marxisten zur EU?“; das Papier der KKE zum Sozialismus.

Ob das Forum eine längerfristige Bedeutung haben wird, wissen wir nicht. Klar ist aber, dass vor Ort nur die MASCH ein so breites linkes Spektrum zu solchen Debatten zusammenführen kann. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand in der PdL organisiert ist und revolutionäre Positionen vertritt“, so formulierte ein Teilnehmer seine Erfahrungen bei diesen Diskussionen.

Daneben organisiert die MASCH Veranstaltungen, die theoretische Grundlagen für die Einschätzung aktueller Themen liefern sollen. Drei Beispiele: Zur Wirtschaftskrise hatten wir größere Veranstaltungen mit Winfried Wolf und Lucas Zeise und kleinere speziell zur marxistischen Krisentheorie. In Abgrenzung zu Positionen, die nur mit den Besonderheiten des Neoliberalismus argumentieren, wurden die Krisen aus dem Grundwiderspruch des Kapitalismus erklärt. Der Frage nach dem revolutionären Subjekt sind wir mit Werner Seppmann unter dem Titel „Arbeiterklasse — das war gestern?“ nachgegangen. Besonders an Mitglieder der PdL gerichtet war ein Lese-und Diskussionszirkel zu Luxemburgs „Reform und Revolution“.

Erstes Fazit

Eine überparteiliche MASCH erleichtert den Zugang von Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben und Jugendlichen zu marxistischen Grundlagenkenntnissen und hilft, erste Erfahrungen in politischen Bewegungen marxistisch zu verarbeiten. Sie bietet bisher Unorganisierten ein Betätigungsfeld. Sie kann eine Brücke für eine solidarische und grundsätzliche Debatte zwischen den in verschiedenen kommunistischen Gruppen und von diesen zu den in der PdL organisierten Genossen bauen. Sie kann deshalb einen wichtigen indirekten Beitrag zum Parteiaufbau leisten.

Mehr bei www.marxistische-abendschule.de

Kontakt: inge.humburg[ät]marxistische-abendschule.de

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