Krieg Krise Kapitalismus

Posted on 10. August 2011 von

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von Thomas Eipeldauer

Während in Griechenland Massenproteste und Generalstreiks daran erinnern, welche Kraft die Arbeiterklasse entfalten kann, wenn sie zu einem Bewusstsein ihrer Lage gelangt, in Frankreich Arbeiter Raffinerien besetzen und sie gegen die intervenierende Staatsmacht verteidigen und in Spanien in diesen Tagen Jugendliche gegen Perspektiv-und Erwerbslosigkeit aufstehen, scheinen sich hierzulande Krise und Verschlechterungen der Lebensbedingungen, wenn überhaupt, nur sehr zögerlich in Widerstand umzusetzen. Das liegt zwar einerseits an der besonderen ökonomischen Lage, in der sich Deutschland als der (neben Frankreich) stärkste europäische Imperialismus befindet, hat aber auch mit der praktischen Schwäche und theoretischen Desorientierung linker und kommunistischer Bewegungen zu tun.Ergebnis eines kollektiven DiskussionsprozessesErfreulich sind da Publikationen wie die Broschüre „Krieg — Krise — Kapitalismus“ des Antimilitaristischen/Antifaschistischen Aktionsbündnisses (3a). Sie enthält drei Aufsätze, die Ergebnis eines kollektiven Aneignungs- und Diskussionsprozesses sind: Eine zwar kurze, aber pointierte Analyse der jüngsten Krise; eine Darstellung der gegenwärtigen imperialistischen Kriegspolitik, überschrieben mit jenem berühmten Zitat des französischen Antimilitaristen Jean Jaurés, der dem Kapitalismus attestierte, den Krieg in sich zu tragen wie die Wolke den Regen; und eine Einschätzung der inneren Aufrüstung und Repression, mittels derer der bürgerliche Staat widerständige Praxis bekämpft.Das eigentlich Bemerkenswerte an der Broschüre ist, dass insgesamt zwölf Gruppen daran mitgewirkt haben, die teils in durchaus unterschiedlichen Theorietraditionen stehen: Von der Marxistischen Aktion Tübingen(MAT) und der Revolutionären Aktion Stuttgart (RAS) über die Sozialistische Linke Hamburg (SoL) bis zur Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB).Ihnen ist gelungen, sich auf etwas Gemeinsames zu einigen, ohne schale Kompromisse einzugehen. So wird bei der Krisenanalyse nicht bei moralisierender Empörung und Oberflächenphänomenen stehen geblieben. Auch der linkskeynesianische Unterton, der bei vielen linken Arbeiten zu diesem Thema in der jüngeren Zeit mitschwingt, ist hier nicht vorhanden. Der Zusammenhang von tendenziellem Fall der Profitrate und Krisenhaftigkeit des Kapitalismus wird festgehalten, die veränderte Rolle von Krediten analysiert, die Europäische Union zutreffend als „zwischenstaatliches imperialistisches Zweckbündnis“ eingeschätzt.Auch handwerklich kann sich diese Publikation durchaus sehen lassen: In den Haupttext eingeflochten finden sich Kästen, in denen Grundbegriffe (etwa Mehrwert und Profit) erklärt, empirische Daten zusammengefasst und Beispiele aufbereitet werden. Gerade für junge Leser sicher eine brauchbare Lektürehilfe.Die formelhaft starre Sprache, mittels derer so manche kommunistische Veröffentlichung den Mangel an Gedanken durch den Schein von Linientreue zu verdecken sucht, fehlt hier völlig. Und das ohne in jene weit verbreitete postmoderne Beliebigkeit abzudriften, die meint, man müsse das Rad alle Tage neu erfinden und jeder Mode der Wissenschaftscommunity hinterherhecheln.Einheit von Theorie und Praxis angestrebtDem im Selbstverständnis des Bündnisses festgehaltenen Credo, dass „reine Theorie (…) abstrakte Kritik, reine Praxis (…) ziellos“ bleibt, entsprechend verfasst 3a nicht nur Texte, sondern will „eine klassenkämpferische und revolutionäre Theorie und Praxis entwickeln“. Schwerpunktmäßig arbeiten die Gruppen im Moment zum Thema Antimilitarismus und haben hier auch schon einige Erfolge zu verzeichnen: Gemeinsam mobilisierten die Gruppen zu den Protesten gegen die Münchener „Sicherheitskonferenz“, organisierten Demonstrationen und Kundgebungen gegen die Verlängerung des Bundestagsmandats für den Kriegseinsatz in Afghanistan und beteiligten sich in vielen Städten an der Ausrichtung des revolutionären 1. Mai.Als Ziel formuliert das Selbstverständnis einen „revolutionären Aufbauprozess“. Dieser ist tatsächlich notwendig und längst überfällig. Wenn die Linke in die kommenden sozialen Konflikte eingreifen will, braucht sie Strukturen, die das auch können. Solche zu schaffen, wird nur möglich sein, wenn die Zersplitterung der kommunistischen Kräfte überwunden wird. Das Antifaschistische/Antimilitaristische Aktionsbündnis hat einen ersten Schritt auf dem langen Marsch dorthin getan.

Antifaschistisches/Antimilitaristisches Aktionsbündnis: „Krieg — Krise — Kapitalismus“.

Download und Informationen unter 3a.blogsport.de

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