Zukunft Sozialismus

Posted on 2. November 2011 von

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von Björn Blach

Seit 20 Jahren machen die Arbeiterklasse und vor allem die Völker der unterdrückten Nationen die bittere Erfahrung der Dominanz des Imperialismus, dem kein mächtiges sozialistisches Lager mehr Einhalt gebietet. Seit dem Wegfall des sozialistischen Gegengewichts kann der Imperialismus ungehindert die nationalen Abteilungen der Arbeiterklasse gegeneinander ausspielen. So werden die Absichten der Herrschenden von der Medienmaschinerie der Monopole hinter einem abscheulichen Menschenrechtsgetue verborgen. Mit Hilfe eines aggressiven Antikommunismus und geschickter Geschichtsfälschungen soll in Vergessenheit geraten, dass mit der Niederlage des Sozialismus weltweit auch dem Humanismus ein schwerer Stoß versetzt wurde: dem Streben nach einer Gesellschaft, wo — wie Marx es für den Kommunismus formulierte — „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

Trotz aller Fehler und Verfehlungen waren beim Aufbau und der Verteidigung der sozialistischen Staaten die Ideen des Humanismus lange Zeit im dialektischen Sinn aufgehoben. Allerdings müssen wir uns bewusst sein, dass es im Sozialismus erst um die allmähliche Emanzipation des Menschen geht, um den Prozess seiner Befreiung — noch nicht um das Stadium der Freiheit.

Dialektik im Klassenkampf

Die Aufhebung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist nicht nur die Grundbedingung des Sozialismus, sondern auch die Grundlage für den Humanismus. In den drei Feldern des Klassenkampfs — der Ökonomie, der Politik und der Ideologie — wird die Arbeiterklasse sie umsetzen müssen, wenn sie Produktion, Gesellschaft, Staat und Zusammenleben auf eine höhere Stufe führen will.

Unsere Intention für diese Antwort bleibt dieselbe wie für unseren Artikel in der T&P: Wir wollen über die Frage der Übergänge zum Sozialismus und die „Antimonopolistische Demokratie“ in unserer Partei neu und breit diskutieren, weil wir meinen, dass sie mit zu den umstrittenen programmatischen Fragen der KommunistInnen in Deutschland gehört.

Dabei stehen die Bereiche in einem engen Wechselverhältnis, durchdringen und bedingen sich gegenseitig. Die Entwicklung der Produktivkräfte, deren bedeutendste der Mensch ist, spielt die entscheidende Rolle für die gesellschaftliche Entwicklung und ist damit auch die Basis einer humanistischen Entwicklung der Produktionsverhältnisse. Das bestimmende Moment kann in bestimmten Entwicklungsetappen im Sozialismus vom Überbau ausgehen, dem Handeln der Menschen. Arbeiterklasse und die Kommunistische Partei stehen dann vor der gewaltigen Aufgabe, die Produktionsverhältnisse vermittels des bewussten Eingreifens der Menschen zu entwickeln.

Ökonomische Aspekte

Ziel der sozialistischen Gesellschaft ist die Beseitigung von Hunger und Armut, die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen, zugleich aber auch die Beachtung und Berücksichtigung der Eingriffe in die Natur, die mit der Produktion verbundenen sind. Das allein schon würde ausreichen, die Notwendigkeit eines großen staatlichen Sektors mit zentraler Planung zu begründen. Daneben hat sich das genossenschaftliche Eigentum beim Aufbau des Sozialismus, insbesondere im Bereich der Landwirtschaft, bewährt und wird vermutlich noch längere Zeit beizubehalten sein. Selbst privates Eigentum wird möglicherweise noch in einer Übergangsphase bestehen, bis die Produktivkräfte entsprechend entwickelt sind.

Es muss den Kommunisten aber bewusst sein, dass das Kleineigentum prinzipiell eine Grundlage für die Restauration des Kapitalismus ist, da die bürgerliche Ideologie noch sehr lange in den Köpfen der Menschen nachwirkt. Die Formen kollektiven Eigentums müssen daher die bestimmenden sein. Durch den Kampf um die Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse wird das bewusste Handeln der Menschen in Richtung Kommunismus gelenkt und ihr Bewusstsein verändert. Denn: Indem der Mensch auf die Natur einwirkt, verändert er zugleich seine eigene Natur.

Durch die Aufhebung der Konkurrenz zwischen den Produzenten, sowohl der Organisationen als auch der produzierenden Individuen, entsteht die Grundlage auch für die Weiterentwicklung der Produktionsverhältnisse. So muss die Trennung zwischen Hand-und Kopfarbeit und die geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung zwischen Frau und Mann überwunden werden. Darüber hinaus gilt es, die Trennung zwischen Stadt und Land zu überwinden, die in den unterentwickelt gehaltenen Ländern immer noch eine immense Rolle spielt — ein großes kulturelles und ökonomisches Gefälle muss hier überwunden werden.

Die Einbeziehung der Produzenten in die Leitung und Planung der Produktion wird den Prozess befördern, dass die Arbeit von ihrem Wesen als Zwang und Qual befreit wird und Arbeit als erstes Lebensbedürfnis des Menschen sich entwickeln kann. Die materielle Produktion wird so das Potenzial für die sozialistische Demokratie und die Schaffung eines neuen Menschen hervorbringen.

Politische Aspekte

Der sozialistische Aufbau wird aller Voraussicht nach erneut in einem Umfeld schärfster Klassenauseinandersetzungen stattfinden, sowohl durch Angriffe und Interventionen der noch existierenden imperialistischen Staaten als auch durch die Kräfte der inneren Konterrevolution. Deshalb bedarf es zur Sicherung gegen die Angriffe des Imperialismus eines militärischen sowie eines geheimdienstlichen Apparates. Zur Bekämpfung der inneren Konterrevolution müssen neue Formen der Gesetzlichkeit und Justiz aufgebaut werden, die parteiisch und politisch sein müssen — sie werden Klassenjustiz sein müssen, so wie umgekehrt heute die Bourgeoisie ihre Klassenjustiz ausübt.

Weitaus schwieriger wird zu unterscheiden sein, wo die Massen noch ein rückständiges Bewusstsein haben, das durch geduldige Überzeugungsarbeit überwunden werden kann, und wo reaktionäre Ideologien wirken, die auf die Zersetzung und Beseitigung des Sozialismus zielen, die notwendigerweise zu unterdrücken sind. Klar ist, dass uns ideologische Überreste des Kapitalismus wie Rassismus oder Sexismus, aber auch „alte“ Einstellungen zur Arbeit noch lange im Sozialismus begleiten werden. Es bedarf deshalb vieler Menschen, sowohl in der kommunistischen Partei als auch außerhalb, die die alten Ideologien ebenso wie Karrierismus und Bürokratismus durch ihr persönliches Vorbild überwinden helfen.

Fehler werden auch im nächsten Anlauf nicht vermieden werden können

— der offene Umgang mit Fehlern und die Bekämpfung von Schönfärberei werden (auch) darüber entscheiden, ob der nächste Anlauf zu einer sozialistischen Gesellschaft gelingt.

Ideologische Aspekte

Im ideologischen Kampf stellt sich die Aufgabe, unsere wissenschaftliche Weltanschauung zu verbreiten und zu vertiefen — auch und gerade unter sozialistischen Gesellschaftsbedingungen. Damit stehen wir vor dem alten Dilemma, popularisieren zu müssen als auch gleichzeitig fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu verbreiten. Es muss gelingen, dass die Ideologie des wissenschaftlichen Sozialismus zur Gewalt wird, die die Massen ergreift, und nicht lediglich zum Dogma wird.

Im Kampf um die politische Macht entstehen die Regeln und Normen des Zusammenlebens und Kämpfens. Keimzelle dieser neuen Moral muss die Kommunistische Partei sein, ihre Inhalte ergeben sich aus der wissenschaftlichen Weltanschauung und müssen am Klassenstandpunkt überprüft und weiter entwickelt werden. Dazu gehört ein humanistisches Weltbild, das den Menschen aus seiner Entwicklung betrachtet, ihm Veränderungsmöglichkeiten zugesteht und die Gleichwertigkeit der Menschen voraussetzt. Das Ziel wird sein, Arbeit als Voraussetzung für die eigene und gesellschaftliche Entwicklung zu begreifen, persönliche Interessen kollektiven Interessen unterzuordnen, Kritik und Selbstkritik zu üben und sich einer bewussten Disziplin zu unterstellen. Die Entwicklung neuer gesellschaftlicher Beziehungen wird jedoch nur gelingen, wenn die Arbeiterklasse diese aktiv mitgestalten will und sich dabei selbst erzieht.

 

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