Symposium für Hans Heinz Holz: In Kampf für eine starke kommunistische Partei

Posted on 15. März 2012 von

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von Wolfram Triller

Vortrag (gekürzt) auf einer Veranstaltung für Hans Heinz Holz, Berlin 25.1.12
Die Einheit von Politik und Philosophie im Kampf für den Kommunismus

Werte Gäste,
Liebe Genossinnen und Genossen

Um das Wirkung von Hans Heinz Holz auf das Denken der Kommunisten in Ost- und Westdeutschland zu verstehen, müssen wir deren unterschiedlichen Klassenkampferfahrungen berücksichtigen
Sie wirken bis in die Gegenwart nach und führen zu manchen Verständigungsschwierigkeiten. Ich selbst halte die Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen und Positionen von Hans Heinz Holz für eine Möglichkeit zur Annäherung der DKP-Mitglieder in Ost und West und für die Verstärkung der gesellschaftlichen Wirksamkeit der Partei.
Wie schwierig eine Verständigung unter den Kommunisten in Deutschland war und ist, zeigt auch die Entwicklung der Zeitschrift „Rotfuchs“, die inzwischen zur meistverbreiteten marxistischen Monatszeitschrift in Deutschland geworden ist. Ihr theoretisches Konzept ließ sich leider nicht innerhalb der DKP umsetzen.
Hans Heinz Holz trat konsequent für  die Verteidigung ihres kommunistischen Charakters und die Weiterentwicklung ihres theoretischen Fundaments. Meiner Meinung nach verdienen fünf Schwerpunkt in seiner Arbeit besonders hervorgehoben zu werden.

1. Die Formulierung der Grundpositionen der Kommunistischen Bewegung

Als ein Ergebnis der Konterrevolution analysiert er:
„Die Sieger besetzen nicht nur die Positionen politischer Macht, sondern infiltrieren auch das Bewußtsein der Geschlagenen, um ihre Herrschaft dauerhafter zu machen. Soll der Kampf weitergeführt werden, so müssen Resignation und Anpassung bekämpft werden, das heißt, die Zweifel an der Richtigkeit der eigenen revolutionären Ziele müssen ausgeräumt, die theoretische Grundlage des eigenen Handelns muß konsequent ausgearbeitet und gegen Kompromisse und Verbiegungen verteidigt werden. Gerade nach einer Niederlage bekommt die ideologische Auseinandersetzung um die richtigen weltanschaulichen Erkenntnisse eine zentrale Funktion für die Reorganisation der Kräfte.“
Mit seiner Broschüre „Niederlage und Zukunft des Sozialismus“  und den dort formulierten 10 Thesen zur marxistisch-leninistischen Theorie hat Hans Heinz Holz gegen diesen Treibsand der ideologischen Konfusion Barrieren errichtet, die eine wissenschaftliche begründetes Nachdenken über den Marxismus-Leninismus heute ermöglicht.
Worin das Wesen dieser Theorie besteht, legt er dann thesenhaft im Einzelnen dar und verweist darauf, daß der „Marxismus-Leninismus seinem Wesen nach kein Dogma (ist), sondern eine Theorie, die die geschichtlichen Veränderungen in sich verarbeitet.“
Sein Credo lautet: Kommunisten müssen ihre politische Strategie auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Weltanschauung erarbeiten. All jene, die seinem Rat nicht gefolgt sind, sind befinden sich heute bestenfalls in der Rolle des Arztes am Krankenbett des Kapitalismus, wenn sie nicht vollständig zum Klassenfeind übergelaufen sind.

2. Das dialektischen Prinzip des Gesamtzusammenhangs und der Historizität

Das Kernproblem für das Geschichtsverständnis ist die konsequente Anwendung der marxistischen, dialektischen Methode.
Zur Rechtfertigung seiner Herrschaft benutzt der Klassenfein allgemeine Moralkategorien als Maßstab für die Beurteilung gesellschaftlicher Erscheinungen. Mit den „Menschenrechten“, der „Demokratie und der Freiheitsverteidigung“ werden heute die imperialistischen Kriege begründet. Häufig werden die „Moralkategorien mit der Forderung kombiniert, nicht ideologisch sondern sachbezogen zu argumentieren.
Holz knüpft jedoch an Marx an.
„Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, …
Der Kopf dieser Emanzipation (des Menschen) ist die Philosophie, ihr Herz das Proletariat. Die Philosophie kann sich nicht verwirklichen ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie.“
Von dieser Position aus hat auch Lenin Immer wieder  – z.T. mit sehr scharfen Formulierungen – den Mangel im dialektischen Herangehen an die Wirklichkeit seiner Kampfgefährten kritisiert.
Schon in den 10 Thesen hatte Holz festgestellt: „Unverzichtbar ist für den Marxismus-Leninsmus auch die Dialektik in ihrem Doppelaspekt als universelles Prinzip des Zusammenhangs der Wirklichkeit in den Bewegungsformen von Widersprüchen und als Methode der Darstellung dieser widersprüchlichen Bewegungsformen.“
Bei den Debatten geht es um die Aufdeckung des Wesens der gesellschaftlichen Erscheinungen. Es genügt nicht den Zusammenhang zwischen den historischen Tatsachen festzustellen. Holz bleibt nicht dabei stehen, dass im Geschichtsverlauf auch Verbrechen begangen wurden. Er fragt danach, ob es neben des subjektiven auch objektive Gründe gibt, die zu bestimmten gesellschaftlichen Erscheinungen geführt haben.
Holz hat sich  nicht an Spekulationen beteiligt, „was wäre geschehen wenn“. Für ihn ist entscheidend, die objektive Handlungsbedingungen der Klassen und Personen aufzudecken.
Diese Suche nach den tieferen Ursachen der Geschichte ist das, was Holz meiner Meinung nach mit seiner Auffassung vom Gesamtzusammenhang und der Historizität meint.

3. Debatte um den marxistischen Charakter der DKP

Robert Steigerwand kommt bei der Einschätzung der Geschichte von KPD und DKP seit 1950 zu dem Ergebnis:
„Unsere Partei ist heute klein, aber sie ist die Partei einer ruhmreichen Tradition und steht in Verantwortung ihr gegenüber. Sie ist die Kommunistische Partei im Zentrum Europas, im Zentrum seiner imperialistischen Führungsmacht und als solche mit einer besonderen Verantwortung ausgestattet. Wir sind verpflichtet, so gut wir nur immer können unseren Beitrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung von Theorie und Praxis des Kommunismus zu leisten.“
Diese Aufgabe musste vor allem bei der Diskussion über das neue Programm der DKP gelöst werden.
„Hans Heinz hat mit dafür gekämpft, dass dieses Programm verabschiedet wurde. Genauso vehement und temperamentvoll wie er auch sonst streitet und seine Meinung verteidigt,“ schrieb Nina Hager
Das Ergebnis der Programmdiskussion  beurteilt Holz wie folgt:
•    „Die DKP hat den Anspruch eingelöst, Politik auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus zu machen.“
•    „Klar und an mehreren Stellen heißt es: Die Partei ist „die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse“, die „als politisch bewußter und ständig weitertreibender Teil der Bewegung“ wirkt. Sie hat ihr „wissenschaftliches Fundament in der Theorie von Marx, Engels und Lenin“. Ihr Ziel ist der Sozialismus/Kommunismus, bzw. der Sozialismus als erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation.“
•    „Das Programm bestimmt nun den Boden, auf dem Richtungsdifferenzen ausgetragen werden müssen; und es bestimmt ihn so, dass revisionistischen Tendenzen ein Riegel vorgeschoben wird.“
Hans Heinz Holz hat auf den Versuch einer Verfälschung des Programms energisch reagiert
„Den Genossinnen und Genossen dieser Partei eine solche Tagung als theoretische Konferenz zu offerieren, ist eine Provokation. Die Antwort kann nur sein, nun erst recht zur Konferenz zu fahren, die eigenen theoretischen Positionen einzubringen und eine echte Theoriearbeit einzufordern. Diese ist eine ständige Aufgabe von Kommunisten und gehört zu ihrem Selbstverständnis als einer revolutionären Partei.“
In seinen Überlegungen geht er jedoch noch weiter:
„(Wir müssen) … von vorn anfangen. Die DKP hat 1990 als funktionsfähige Organisation nicht überlebt.“
Und damit kommen wir zu einem weiteren Aktionsfeld vom Hans Heinz Holz:

4. Einheit der Kommunisten.

Die Prinzipien der Einheit der Kommunisten hat Lenin klar bestimmt:
„Die Einheit ist eine große Sache und eine große Losung! Doch die Arbeitersache braucht die Einheit unter den Marxisten, nicht aber die Einheit der Marxisten mit den Gegnern und Verfälschern des Marxismus. Und wir müssen jeden, der von der Einheit spricht, fragen: Einheit mit wem? Mit den Liquidatoren? Dann haben wir nichts miteinander zu schaffen.
Wenn aber von einer tatsächlich marxistischen Einheit die Rede ist, so werden wir sagen: Seit dem Bestehen der prawdistischen Zeitungen rufen wir zum Zusammenschluß aller Kräfte des Marxismus auf, zur Einheit von unten, zur Einheit in der praktischen Arbeit.“
Hans Heinz Holz hat in seiner propagandistischen Arbeit unermüdlich auf Konferenzen, mit Presseveröffentlichungen und auf unzähligen Veranstaltungen mit Genossen und verbündeten Marxisten für die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse, für die Stärkung der DKP und eine Politik der Vertretung der Interessen der Arbeiterklasse geworben.
Viele empfinden schmerzlich die Spaltung der Kommunistischen Bewegung. An verschiedenen Stellen gibt es Versuche, die Kommunisten zusammen zu führen. Dieser Prozeß ist sehr widersprüchlich und beinhaltet z.T. neue Spaltungstendenzen.
Die Strategie der verschiedenen Initiativen, daß die „Einheit von unten“ wachsen muß, beinhaltet gegenwärtig kein wirksames Konzept für konkrete „praktische Arbeit“, mit dem die Kommunisten aktiv in die Klassenauseinandersetzungen eingreifen und sich wieder stärker in der Arbeiterklasse verankern können.
Sicher würde es auch durch das „gemeinsame Flagge zeigen“ gelingen, eine neue Generation von Kommunisten zu entwickeln. Eine neue Generation muß verwirklichen, was Hans Heinz Holz fordert: Wir müssen „von vorn anfangen“.
Schließlich darf eine entscheidende Bedingung für den erfolgreichen Kampf der Kommunisten nicht vernachlässigt werden, die Hans Heinz Holz uns vorgelebt hat:

5. Vertrauen und Solidarität unter Kommunisten

Dieser Anspruch wird an vielen Stellen erhoben. Jeder erlebt ihn in unterschiedlicher Weise und kann ihm entsprechen. Menschliche Verletzungen heilen sehr schwer. Appelle nach einer sachlichen Debatte helfen da wenig, denn immer sind Interessen im Spiel.
Hilfreich kann sein, wenn wir uns auf eine gemeinsame Ausgangsposition verständigen, um uns dann bei Details zu einigen. Eine solche Position könnte die Feststellung des Manifest sein:
Kommunisten „haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen.“  In Grunde geht es also um die Fähigkeit, die persönlichen Interessen den Interessen der Klasse – denen des Proletariats – unterzuordnen.
Als mir einmal ein politisches Mißgeschick passierte, das er nicht rechtfertigte, trat er aber für mich ein und hat noch an seinem Todestag ein Buch für mich signiert.
Menschliche Größe ist eine unverzichtbare Eigenschaft für einen Kommunisten. Bemühen wir uns darum.

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