Gramsci für die Bolschewisierung der KP

Posted on 24. Juli 2012 von

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… und was wir aus der Debatte lernen können

Vortrag und Diskussion mit Dr. Hans-Peter Brenner am 14.7.12 in Stuttgart
(Die UZ hat es abgelehnt, diesen Veranstaltungsbericht zu veröffentlichen.)

35 GenossInnen und FreundInnen konnten bei einer Veranstaltung der DKP Stuttgart und der DKP Baden-Württemberg einen hochspannenden (Bildungs-)Nachmittag über die Anforderungen an eine kommunistische Partei heute erleben, der allen Teilnehmenden viel Stoff zum Weiterdenken und eine gute Grundlage für die Vorbereitung unseres nächsten Parteitags gegeben hat.

Hans-Peter Brenner arbeitete in einem faktenreichen und durch zahlreiche Quellen unterfütterten Referat heraus, dass die DKP sich in einem existentiellen Kampf gegen ihre Enttheoretisierung und Entideologisierung befindet und dass Antonio Gramsci für diesen Zweck missbraucht wird.

Praktische Politik statt Grundsatzdebatte?

Für KommunistInnen ist es nicht gleichgültig, mit welcher Weltanschauung sie etwas tun, denn unsere Ideologie ist eine Wissenschaft und eine Waffe. Sie gibt uns ein Ziel und einen Kompass, ohne den jede (Reform-)Plackerei sinnlos wird.

Hans-Peter Brenner erwies sich als Gramsci-Kenner und wies anhand von Zitaten nach, dass Gramsci (wie zuvor schon Rosa Luxemburg) unzulässigerweise gegen Lenin in Stellung gebracht wird, z.B. in dem Aufsatz „Krise, Hegemonie und Transformation bei Antonio Gramsci“ von Leo Mayer in der gleichlautenden Broschüre der DKP Südbayern. Bestimmte Aussagen aus seinen Gefängnisheften, die im Widerspruch zu früheren Positionen Gramscis (vor seiner Verhaftung) stehen, werden benutzt, um unsere theoretischen Fundamente in Frage zu stellen. Leo Mayer behauptet darin z.B.: „Im Rahmen eines solchen Paradigmas lässt sich auch nicht mehr das traditionelle, sozialdemokratische, von Lenin im Hinblick auf die rückständigen Verhältnisse Russlands sogar radikalisierte Bild einer kommunistischen Partei aufrechterhalten, deren Funktion es sei, durch Agitation, Propaganda und Organisation einer unaufgeklärten Masse das sozialistische Bewusstsein ‚von außen’ (bei)zubringen. Folgt man dagegen Gramsci, dann ist es die Funktion der kommunistischen Partei und der ihr verbundenen Intellektuellen, zur Organisierung und Systematisierung eines in den Massen bereits vorhandenen Wissens beizutragen, …“ Leo unterschlägt, dass Gramsci als Mitbegründer der IKP explizit für die Bolschewisierung der Kommunistischen Partei eingetreten ist!

Egal, ob die Katze schwarz oder grau ist?

Hauptsache sie fängt Mäuse!?  Eine solche Orientierung (von Deng-Hsiao-Ping) führt zur Entideologisierung (wie in China) und zum Praktizismus//Pragmatismus. Es ist auch nicht egal, ob wir der Definition des Finanzkapitals von Hilferding oder Lenin folgen, aus der unsere antimonopolistische Strategie der revolutionären Überwindung des Kapitalismus abgeleitet ist.

Parteiprogramm wichtige Grundlage

Der Bezugspunkt, der immer wieder von Hans-Peter herausgearbeitet wurde, ist unser Parteiprogramm, so z.B. in der Frage der antimonopolistischen Demokratie: „Die DKP ist stets davon ausgegangen, dass die antimonopolistische und die sozialistische Umwälzung miteinander verbundene Entwicklungsstadien in dem einheitlichen revolutionären Prozess des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus sind.“

Es ist unmöglich, die Fülle und Differenziertheit sowie den zu einer lebendigen Veranstaltung gehörenden Meinungsstreit angemessen wiederzugeben.

Hans-Peter plädierte leidenschaftlich dafür, unsere theoretischen Fragen zu klären, unsere Organisation zu stärken und als Partei zusammenzuhalten.

KL, Stuttgart

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