Zur Buchbesprechung von „Kapital, Reichswehr und NSDAP“ durch Sebastian Carlens

Posted on 31. Juli 2012 von

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von Kurt Gossweiler

(…) insgesamt gesehen, habe ich Grund dafür, dem Genossen Sebastian Carlens für seine Besprechung des Buches Dank zu sagen.

Mein Hauptanliegen in diesem Buch war es, die weit, auch bei Linken, verbreitete falsche Kennzeichnung des Klassencharakters des Faschismus als Bewegung des radikalisierten Kleinbürgertums, für die sich die Großbourgeoisie erst Ende der 20er Jahre interessiert habe, nachdem sie zu einer Massenbewegung geworden war, zu widerlegen.

Der Fehler einer solchen Einschätzung liegt darin, den Klassencharakter des Faschismus nach seinem Massenanhang zu bestimmen, statt danach, das Instrument welcher Klasse er ist.

Ich weise demgegenüber nach, dass die deutsche Monopolbourgeoisie schon im ersten Weltkrieg nach Mitteln und Wegen suchte, große Teile der Arbeiterklasse zu „nationalisieren“, also mit nationalistischem und chauvinistischem Geist zu erfüllen, um eine konterrevolutionäre Massenbasis auch in der Arbeiterschaft zu finden.

Ein solches Bemühen konnte aber nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn man dem in der Masse der Arbeiter verankerten Streben nach einer gerechten Sozialordnung, nach Sozialismus eben, Rechnung trug.

Ein solches Bestreben, eine zum Sozialismus strebende Arbeiterschaft zu „nationalisieren“, führte geradezu zwangsläufig dazu, der Arbeiterschaft eine Bewegung anzubieten, die beides, Sozialismus und Nationalismus, vereinte. Den Anfang dazu machte im ersten Weltkrieg bereits der „Alldeutsche Verband“.

Die Niederlage und die Novemberrevolution haben diese Bemühungen verstärkt und vervielfältigt und zur Gründung der NSDAP, der „Nationalsozialistischen Arbeiter-Partei“ geführt.

Das heißt, die Bewegung eines „Nationalen Sozialismus“ war keine spontane Bewegung eines radikalisierten Kleinbürgertums, sondern verdankt ihre Entstehung dem Bemühen der reaktionärsten Elemente der Monopolbourgeoisie, zur Sicherung ihrer Herrschaft auch in der Arbeiterschaft eine Massenbasis zu gewinnen.

Das ist in den Jahren der Weimarer Republik insofern misslungen, als die auf die Arbeiterklasse zielende Losung eines „nationalen Sozialismus“ und die zum Einbruch in die Arbeiterbewegung geschaffene NSDAP dort die gewünschte Wirkung verfehlte, und die Nazipartei statt dessen durch die Ruinierung großer Teile des Kleinbürgertums in der Weltwirtschaftskrise dort eine große Anziehungskraft entfaltete und ihren Massenanhang im durch seine Existenzkrise radikalisierten Kleinbürgertum fand.

Soviel zu dem, was ich mir in der Rezension gerne deutlicher herausgestellt gesehen hätte.

Direkt falsch ist die folgende Aussage in der Rezension:

„Ließe sich nur eine Schlussfolgerung aus dem Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei ziehen, dann diese: die einzige Ideologie des Faschismus ist der Pragmatismus.“ (Anstoß, S.13)

Das ist eine Verharmlosung der faschistischen Ideologie.

Die Ideologie des Faschismus – das ist die äußerste Zuspitzung der Ideologie der reaktionärsten Elemente des Monopolkapitals:

Nach Innen:

 – Antikommunismus; brutalste Unterdrückung jeglicher Opposition und jeden Widerstandes bis zur physischen Vernichtung im Innern;

Nach Außen:

– Nationalismus, Chauvinismus, Herrenvolksideologie: Wir sind das Herrenvolk, die anderen sind minderwertig und dazu da, uns zu dienen;

– Rassismus und extreme Fremdenfeindlichkeit;

– Verherrlichung des Krieges, Expansionismus bis hin zum Streben nach Weltmacht und Weltherrschaft – um nur das Wichtigste zu nennen.

Einseitig und darum unrichtig ist auch das Folgende: „Ausschließlich ihre Fähigkeit, eine möglichst große Massenbasis in den Dienst der herrschenden Klasse zu stellen, ist für die Gunst der Bourgeoisie entscheidend.“ (Ebenda).

Hier wird völlig außer Acht gelassen, dass es nicht nur die auf eine Massenpartei gestützten faschistischen Regimes gibt, sondern auch faschistische Diktaturen, die sich auf das Militär stützen, dass es also verschiedene Spielarten der faschistischen Regime gibt, worauf bereits Dimitroff hinwies, und was ich im ersten Kapitel (S.18 ff.) zitiere.

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