Leserbrief: Wissenschaftlicher Sozialismus, nicht kleinbürgerlicher Sozialismus

Posted on 19. Oktober 2012 von

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von Ingo Wagner

In medias res. Das letzte Heft von Theorie und Praxis (Ausgabe 29) habe ich mit großem Interesse gelesen. Die Beiträge von Jörg Högemann und Daniel Bratanovic zu Leo Mayers Texte über Gramsci treffen den Nagel auf den Kopf. Sie sind ein Beitrag dafür, „wie die DKP sich entwickeln muss, will sie langsam an Einfluss in der Arbeiterklasse gewinnen.“ (R. Münder). Die Parteitheorie Lenins muss sicherlich mit Blick auf das 21. Jahrhundert weitergedacht werden. Die neuen Fragen heute sind aber nach wie vor durch das Prisma der Erkenntnis Lenins zu betrachten und zu beantworten – in Abgrenzung zu allen Spielarten des kleinbürgerlichen Sozialismus.

Das tat Lenin bereits in seiner Zeit. Er monierte aber zugleich, „’den Sozialismus als das Klasseninteresse des Proletariats’“ zu betrachten. Eine solche Gleichsetzung bezeichnete er als äußerst ungenau, zweideutig und gefährlich. „Eine solche Identifizierung ist aber völlig falsch. … Das ‚Klasseninteresse’ zwingt die Proletarier, sich zu vereinigen, gegen die Kapitalisten zu kämpfen, über die Bedingungen ihrer Befreiung nachzudenken. Das ‚Klasseninteresse’ macht sie für den Sozialismus empfänglich. Aber der Sozialismus, als Ideologie des proletarischen Klassenkampfes, ist den allgemeinen Bedingungen der Entstehung, Entwicklung und Festigung einer Ideologie untergeordnet, d. h., er fußt auf dem gesamten Rüstzeug des menschlichen Wissens, setzt eine hohe Entwicklung der Wissenschaft voraus, erfordert wissenschaftliche Arbeit usw. usf. In den Klassenkampf des Proletariats, der sich auf dem Boden der kapitalistischen Verhältnisse spontan entwickelt, wird der Sozialismus von den Ideologen hineingetragen.“ (Lenin, Werke, Bd. 6, S. 155)

In meiner Sicht gilt dies wie eh und je. Unter den heutigen Bedingungen gewinnt die Verteidigung, Pflege des wissenschaftlichen Sozialismus, seine Weiterentwicklung – und damit ebenfalls die Aufnahme und Verarbeitung der von der Bewegung selbst aufgeworfenen theoretischen Fragen – besondere Bedeutung. Also nicht kleinbürgerlicher Sozialismus, sondern wissenschaftlicher Sozialismus ist das Gebot der Stunde!

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