Zu Hegels Geburtstag: Philosophische Bewältigung der Wirklichkeit

Posted on 27. August 2013 von

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hevon Hans Heinz Holz (1927 – 2011)

Im Durchgang durch Hegels Philosophie wird die Blickrichtung gewonnen, in der das Wesentliche in den Verhältnissen zu ihrer revolutionären Veränderung erfaßt wird.

Unter den klassischen deutschen Philosophen war Georg Wilhelm Friedrich Hegel (27.8.1770-14.11.1831) schon immer der umstrittenste. Blieb Gottfried Wilhelm Leibniz stets halb verdrängt, strahlte Immanuel Kants Ruhm eh und je gleichmäßig hell, so gibt es in der Geschichte des von Hegel ausgehenden Einflusses periodisches Schwanken. Auf Zeiten absoluter Höhe, in denen er als Vollender der Philosophie überhaupt galt, folgten Jahrzehnte der Mißachtung, in denen man Hegel „wie einen toten Hund“ behandelte.

Doch Hegel war, darf man mit einigem Grund sagen, ein weltgeschichtliches Ereignis. Nicht nur, daß er die philosophische Wahrheit zum erstenmal bewußt als geschichtliche begriff: „Philosophie ist ihre Zeit in Gedanken gefaßt“; nicht nur, daß er den Entwicklungsgang der Weltgeschichte – die Abfolge der „weltgeschichtlichen Reiche“ – als eine Einheit beschrieb, die ihr bewegendes Prinzip im materiellen Prozeß der Arbeit zur Befriedigung der Bedürfnisse und in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit hat. Ein weltgeschichtliches Ereignis ist Hegel vor allem auch durch die praktischen Folgen, auf die sein Denken hinauslief – ein Denken, von dem der russische Philosoph Alexander Herzen sagte, es sei »die Algebra der Revolution«, und das bei Marx, Engels und Lenin sich zur Triebkraft der Revolution wandelte und in der Oktoberrevolution zur weltverändernden Aktion wurde.

Wer sich vom Idealismus seiner Geistmetaphysik verwirren läßt, dem sei Lenins Satz aus der Programmschrift „Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus“ in Erinnerung gerufen: „Gestützt auf die Marxsche Anwendung der materialistisch aufgefaßten Dialektik Hegels können und müssen wir diese Dialektik nach allen Seiten hin ausarbeiten. […] Die Redakteure und Mitarbeiter der Zeitschrift Unter dem Banner des Marxismus sollten nach meiner Meinung eine Art ‚Gesellschaft materialistischer Freunde der Hegelschen Dialektik‘ sein“. In merkwürdigem Kontrast zu dieser enthusiastischen Wertschätzung Lenins steht es, daß Hegel auch unter Marxisten nur eine zwiespältige Resonanz fand. So wurde zum Beispiel die erste große ideologische Auseinandersetzung in der DDR unter dem Vorzeichen Hegels geführt, in einer Debatte, die aus einer scharfen und parteioffiziell gebilligten Kritik an dem sogenannten „Hegelianismus“ von Georg Lukács und Ernst Bloch hervorging. Erst später war es der sorgfältigen philosophiegeschichtlichen Arbeit am Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR unter der Leitung von Manfred Buhr zu verdanken, daß die Leninschen Anregungen wirksam wurden und Hegel einen wichtigen Platz im Philosophieverständnis der deutschen Marxisten einnahm.

Kontinentaleuropäische Wirkung

Bis heute blieb Hegel ein kontinentaleuropäischer Orientierungspunkt; der angelsächsische Kulturraum schloß sich aus und weiß mit Hegel nicht viel anzufangen. Innerhalb des kontinentaleuropäischen Rahmens wurde Hegel auf schwerwiegende Weise folgenreich. Am ungebrochensten verläuft die Tradition in Italien, wo es seit der neapolitanischen Schule im 19. Jahrhundert und mit dem Höhepunkt Benedetto Croce in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen selbständigen Hegelianismus gibt. Franco Lombardi konnte dort ernsthaft die Frage stellen, ob nach Hegel eine Philosophie noch möglich sei. Mit den Auseinandersetzungen des gegenwärtigen Philosophierens in Frankreich ist die Hegel-Tradition aufs engste verknüpft; kaum einer der großen französischen Philosophen blieb vom Einfluß Hegels unberührt, und die Zahl der hervorragenden Hegel-Interpreten – von Jean Hyppolite über Alexandre Kojève, Jean Wahl bis zu dem Jesuiten Gaston Fessard ? ist dort wohl noch größer als in Deutschland. In Dänemark gibt es eine Beschäftigung mit Hegel, die durch Søren Kierkegaard gefiltert ist. In der russischen Philosophiegeschichte ist das Erbe Hegels in einer Doppellinie rezipiert worden, die über Alexander Herzen und Wissarion G. Belinski einerseits, über Marx und Engels andererseits zu Lenin führte – dann aber im Soziologismus Nikolai I. Bucharins und im Vulgärmaterialismus Andrei A. Shdanows versandete.

Im Heimatland Hegels, in Deutschland, hat vollends sein Denken vielfältige und gegensätzliche Wirkungen gezeitigt – die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den Richtungsbezeichnungen „Linkshegelianismus“ und „Rechtshegelianismus“ versehen worden sind. Charakteristisch hierfür ist es, daß sich von Deutschland ausgehend drei internationale Hegel-Gesellschaften um dieses Erbe bemühen – die 1956 von Wilhelm R. Beyer als Begegnungsort des „linken und des rechten“ Hegelianismus gegründete Internationale Hegel-Gesellschaft, die daraufhin von Universitätsphilosophen ins Leben gerufene Internationale Hegel-Vereinigung und schließlich die Internationale Gesellschaft Hegel-Marx für dialektisches Denken (anfänglich mit dem Untertitel Societas Hegeliana). Die Nuancen zeigen, daß die Hegel-Aneignung sich nicht außerhalb eines politischen Koordinatensystems vollzieht, weil Hegels Philosophie als geschichtsbewußte eben nicht unpolitisch gelesen werden kann.

Damit hängt auch zusammen, daß man in dem von politischen Umbrüchen erfüllten 20. Jahrhundert eine Art „Hegel-Renaissance“ erlebte, und in gewisser Weise ist dies die Folge der Ausbreitung des Marxismus. Sobald dieser nicht nur eine philosophische und ökonomische Lehre blieb, sondern eine weltgeschichtliche Macht wurde, gab es alle Veranlassung, sich mit seinen Wurzeln zu befassen. Eine dieser Wurzeln ist, wie Engels und im Anschluß an ihn Lenin formulierten, die klassische deutsche Philosophie und von dieser wiederum in besonderem Maße Hegels Philosophie. Für das Verständnis des Marxismus und die Auseinandersetzung mit ihm wurde mithin gerade die Aneignung des Hegelschen Denkens wichtig, und die Auseinandersetzung mit Hegel gab einen bevorzugten Tummelplatz für die Gegner des Marxismus ab. Andererseits mußte die theoretische Fundierung der marxistischen Philosophie die Klärung ihres Verhältnisses zu Hegel suchen. So begegneten sich auf dem Boden Hegels die großen philosophischen Strömungen unserer Zeit.

Dies bedeutet jedoch, daß Hegel mehr ist als ein philosophiehistorisches Faktum. Von seiner Philosophie gingen die meisten großen Denkbewegungen des 20. Jahrhunderts aus, mit Hilfe seines begrifflichen Instrumentariums konnten Erklärungsmuster für die Erschütterungen der Gegenwart entworfen werden. Hegel gibt die systematischen Denkmittel an die Hand, um Ereignisse und Bewußtseinsgestalten der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur zu beschreiben, sondern ihre kategoriale Struktur durchsichtig zu machen. Hegels Philosophie ist in ausgezeichneter Weise die Philosophie der Moderne. Sie enthält Erfahrungen des Denkens, die solche der Wirklichkeit spiegeln.

Das besagt zweierlei: Einmal verarbeitete Hegel Erfahrungen einer Wirklichkeit, die in ihrer Allgemeinheit auch noch die unseren sind – das hat Georg Lukács klar herausgearbeitet -; zum anderen stellt jedoch die Hegelsche spekulative Methode selbst eine Denkerfahrung dar, mit deren Hilfe die Erfahrungen unserer geschichtlichen Situation gedeutet und erschlossen werden können. Denn ohne die Theorie, die den Blick auf das Wesentliche richtet, bleibt die Erfahrung stumm und bedeutungslos. Im Durchgang durch Hegels Philosophie gewinnen wir die Blickrichtung, in der wir das Wesentliche in den Erscheinungen wahrnehmen.

Einheit von System und Methode

In diesem zweiten Sinne sprach Theodor W. Adorno von „Vergegenwärtigung“, die in einer Philosophie aufzeigt, was sie uns heute an Erfahrungsgehalten der Wirklichkeit eröffnet. Das heißt aber: im spekulativen Kern der Hegelschen Philosophie das Medium der philosophische Bewältigung der heutigen Wirklichkeit erfassen und ihn damit zum Mittel des Selbstverständnisses unserer Epoche zu machen. Adorno wehrte sich mit Recht dagegen, daß man das spekulative Moment bei Hegel als „lästige Zutat“ von seinen empirischen Einsichten absondere. Diese sind, wie Adorno betonte, das Ergebnis der Spekulation und verlieren ohne sie ihre Substanz. Die Metaphysik kann nicht wie ein oberstes Stockwerk von dem Unterbau der historischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit abgetragen werden. Sie ist vielmehr die Form des Bewußtseins von dieser historischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit, welche durch die metaphysische Theorie dem verstehend planenden Subjekt erst in den Griff kommt. Daß dieser Zugriff Adorno durch die Beschränkung auf die Negativität der Dialektik wieder entgleitet, geht zu Lasten seiner eigenen Philosophie und entwertet seine Einsicht in die Positivität des spekulativen Verfahrens bei Hegel nicht.

Hegels Philosophie leistet als erste überhaupt in der Geschichte des Denkens die gedankliche Bewältigung von Geschichte und Gesellschaft aus überempirischen, wenn auch empirisch aufweisbaren Formgesetzlichkeiten und schafft damit die Voraussetzungen für ein planvolles Eingreifen in die Geschichte auf der Grundlage einer umgreifenden Theorie. Der revolutionäre historische Materialismus hat daraus die Konsequenzen gezogen und das theoretische Konstrukt in eine Handlungsanweisung überführt. Der spekulative Begriff liefert das Schema des Verstehens, so wie etwa der Begriff des „Umschlags“ die Einheit von Kontinuität und Diskontinuität begreift, oder der Terminus „Geist“ die vermittelte Einheit von Subjekt und Objekt. Die Erfahrungsgehalte des Hegelschen Denkens liegen einer Analyse seiner Begriffe offen, wenn diese ernst, angestrengt und weit genug getrieben wird. Keineswegs darf man meinen, vertraute Wörter bedeuteten bei Hegel dasselbe wie im Alltagsgebrauch.

Jeder Begriff ist aus seiner Stellung und Funktion im Ganzen des Systems zu entwickeln. Und da der spekulative Begriff nicht aus dem System ablösbar ist, in dem er seinen Ort hat, muß auf die beliebte Trennung von System und Methode, mit der man oft genug operierte, um Hegel zu „retten“, verzichtet werden. Während lange Jahre hindurch das Ganze des Hegelschen Systems als ein Monstrum idealistischer Konstruktion beiseite geworfen wurde, worauf man dann munter die isolierten Teile, insbesondere die dialektische Methode – so wie sie dann verstanden wurde – ausschlachtete und damit gerade den von Hegel gemeinten Sinn verfehlte, spricht man jetzt wieder von der Integrität des gesamten philosophischen Gebäudes. Hegels Methode erweist sich von seiner Systematik als unabtrennbar.

In der Tat ist gerade im Hinblick auf die Durchdringung der Geschichte die Frage, ob Hegels dialektische Methode mit seinem System eine unlösbare Einheit bildet, von entscheidender Bedeutung. Der systematische Gedanke, die Weltgeschichte als stufenweise Entfaltung des absoluten Geistes auf dem Wege seiner Selbstverwirklichung zu begreifen, erweist sich vordergründig dem historischen Stoff gegenüber oft als Zwang. Die dialektische Methode, die diese Selbstentfaltung des Geistes als eine Produktion von Widersprüchen und deren Aufhebung in einer höheren, aber ebenfalls widersprüchlichen Einheit beschreibt, ist hingegen unbegrenzt anwendbar. Ob man bei diesem Gebrauch der Dialektik als eines technischen Hilfsmittels beim Denken nicht einem leeren und toten Schematismus verfalle, erhebt sich nun, dank der Rückwendung zum spekulativen Gehalt des Hegelschen Systems, zum Problem. Nur eine Dialektik, die aus dem systematischen Grundgedanken als Methode notwendig hervorwächst und ihn durchführt, kann sich letzten Endes als philosophisch zulängliche Verfahrensweise beweisen. Dies ist der Sinn der Einheit des Logischen und Historischen, auf der Marx als dem Wesen seiner Theorie bestanden hat und aus der die widerspiegelungstheoretische materialistische Lesart Hegels, die Lenin programmierte, abgeleitet werden kann.

Offenes und geschlossenes System

Das spekulative System entwirft mittels seiner Methode eine Ordnung von Kategorien, die die Erfahrung einfangen und in einen Sinnzusammenhang gliedern. Wo also in der Aneignung der Hegelschen Philosophie die Kategorien ernst genommen, nicht mehr „rückübersetzt“, sondern als Spiegelungen der Wirklichkeit in ihrer Spiegelverkehrung dechiffriert werden, beginnt die eigentliche Stufe der Vergegenwärtigung, die das System in Bewegung versetzt. Diese Bewegung ist dann zugleich die des Systems und nicht die des Systems, sie ist der Mitvollzug der Geschichte, die ja immer ein Anderswerden ist. Das Denken Hegels wird dann als Wirken, nicht als Werk erfahren – und es sei daran erinnert, daß mit „wirklich“ im Deutschen ein Wirkendes, nicht ein Faktum gemeint ist. Dann öffnet sich das System im Vollzug seiner eigenen Methode, aus der Geschlossenheit einer Systemarchitektur wird die Offenheit eines Systemprozesses.

Das System Hegels, nach seiner eigenen Metapher als ein Kreis aus Kreisen und also abgeschlossen gedacht, bezeichnet in dieser Gestalt den Sinn jeder Philosophie, das Ganze, die Welt, vorzustellen. Als abgeschlossenes Ganzes aber steht das System im Widerspruch zur Dialektik als der Bewegung ins Offene. Doch das Offene ist nicht minder hegelisch als das Geschlossene. Das Ganze aber kann nichts anderes als es sebst werden – also ist jeder Zustand in der Zeit noch nicht das Ganze, sondern unfertig, ein Noch-nicht-Sein enthaltend. Diese Folgerung hat Ernst Bloch gezogen. Die Welt im Ganzen kann nur als infinitesimaler Prozeß gedacht werden. Nur als Begriff des Ganzen kann eine Philosophie System sein, denn alle Erfahrungen sind solche endlicher Teilaspekte der Welt und unabgeschlossen. Darum ist Hegels Philosophie notwendig eine Philosophie des Geistes, der Selbstbewegung des Geistes im Fortschreiten des Begreifens. Man muß Hegels Sätze „Das Wahre ist das Ganze“ und „Jede wahre Philosophie ist Idealismus“ zusammenlesen und ganz ernst nehmen, um die Schwere des hier sich stellenden Problems begreifen zu können. Marx hat darum vom „Tod der Philosophie“ gesprochen, nicht weil es keiner Philosophie mehr bedurfte, sondern weil sie als idealistische Philosophie aufgehoben werden muß, um als materialistische Tat wirklich zu werden. Die Unvereinbarkeit der geschlossenen universalen Systematik Hegels mit der offenen, noch keineswegs zum Ganzen gewordenen Wirklichkeit führt den Tod der Philosophie herbei, und es bleibt die Frage bestehen, wie ihre Wiederauferstehung aufgrund der Erfahrungen Hegels und mit Hegel möglich sein kann. Hegel selbst stellt uns vor die Aufgabe, eine philosophische Systematik der Totalität der Welt neu zu entwerfen, und zwar mit Mitteln zu entwerfen, die er selbst bereitgestellt hat. Denn andere Mittel sind (für Marxisten) weder gegeben noch auch eigentlich denkbar – so wenig wie etwa eine andere formale Logik als die auf der Grundlage der aristotelischen denkbar ist. Der Widerspruch zwischen geschlossenem System und prinzipiell offener dialektischer Methode führt uns vor die Frage, wie das scheinbare Paradox eines „offenen Systems“ zu konstruieren sei, also wie die Hegelsche Intention, die Einheit des Seienden im Ganzen des Prozesses zu bewahren, mit der unaufhörlichen Negation dieser Einheit im Fluß des Werdens verbunden werden könne.

Die Erfahrung, die uns die Hegelsche Philosophie erschließt, ist die des Komplexen. Das Einzelne reichert sich im System der Vermittlungen mit der Fülle seiner welthaften Beziehungen unendlich an. Der Zusammenhang ist auf den ersten Blick unübersichtlich. Darum hebt im alltäglichen Denken der Verstand jeweils einen Aspekt heraus und wir neigen simplifizierend dazu, diesen Aspekt für das Ganze zu nehmen.

Sich das Erkennen schwerer zu machen, ist die Anweisung, die wir aus Hegels Philosophie entnehmen müssen. Das Einfache, leicht Verständliche ist nie das Wesentliche. Die schrecklichen Vereinfachungen sind es, in denen uns die konkrete Wirklichkeit verlorengeht. Denn diese ist mannigfach erfüllt mit Verschiedenem, mit Anderssein, sie ist nie Einheit im Sinne einer unterschiedslosen Identität, sondern synthetische Einheit des Unterschiedenen.

Diese Einheit verstehen heißt, die Vermittlungen aufdecken, die das Unterschiedene zusammenbringen und kraft deren die Gegensätze miteinander verbunden sind. In Hegels Worten: Identität ist übergreifende Identität von Identität und Nichtidentität Das ist der Inhalt des spekulativen Begriffs.

Dialektik denkt stets gegen den Augenschein. Sie hält Ausschau nach dem, worin die augenscheinliche Vielfalt als Eines zu begreifen ist. Das kann nicht die Wahrnehmung sein; der Begriff ist der Spiegel, in dem sich das philosophische wahrgenommene Viele zur Einheit des Spiegelbildes zusammenfügt. Das ist der Sinn des Wortes „Spekulation“. Die spekulative Form der Dialektik steht jedoch nicht kontrovers zu ihrem Realgehalt (wie die Empiristen meinen). Weil die Wirklichkeit eine prozessual vermittelte Ganzheit von Einzelnen ist, gibt es eine Realdialektik. Sie ist der Inhalt einer „Logik als positiver Wissenschaft“ (Galvano della Volpe), die ihrerseits wieder als „entmythologisierte Dialektik Hegels“ auftritt, das heißt, die den Prozeß der Dechiffrierung der spekulativen Logik als Methode entwirft. Das ist, wie Mario Rossi sagte, der Tod der Philosophie Hegels, in dem sie lebendig ist.

Quelle: kominform.at

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