Ein Grusswort von Margot Honecker

Posted on 16. Oktober 2013 von

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mhGrußwort von Margot Honecker an die Teilnehmer einer Festveranstaltung zum 64. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 5. Oktober 2013 in Bochum

Margot Honecker lebt heute in Chile. In dem Land, aus dem so viele nach dem Sturz der Regierung der Unidad Popular vor den Bluthunden fliehen mussten, bleibt die Aufnahme der Exilanten in der DDR unvergessen. In diesem Land fand Margot Honecker dann selbst ein Asyl. Was denkt sie heute über die DDR, über die Zeit, in der wir heute leben ? – In einem Grusswort an die Teilnehmer einer Festveranstaltung zum 64. Jahrestag der Gründung der DDR schreibt sie:

Ich grüße Sie, liebe Freunde und Genossen, die Teilnehmer dieser Zusammenkunft herzlich auch im Namen meiner chilenischen Freunde von denen viele nach dem Militärputsch Pinochets eine zweite Heimat in der DDR gefunden hatten.

Dieses Treffen steht im Zeichen der Erinnerung an die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik, des ersten sozialistischen Staates auf deutschen Boden. In das Buch der wechselvollen Geschichte Deutschlands hat sich die Gründung und vierzigjährige Existenz mit nicht auszulöschenden Lettern eingetragen. Markiert doch der 7. Oktober einen Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Volkes. Nicht mehr die Monopolherren hatten das Sagen, sondern die Arbeiter und Bauern. Die Existenz der DDR hat den Beweis erbracht das ein anderes Deutschland möglich ist ein Deutschland in dem des Volkes eigen ist, was durch seine Arbeit geschaffen wird, ein Deutschland das in Frieden und Solidarität mit anderen Völkern lebt.

Der 7. Oktober bleibt ein denkwürdiger Tag in der Geschichte, er ist auch unvergessen in meinem persönlichen Leben. Als jüngste Abgeordnete der provisorischen Volkskammer konnte ich Wilhelm Pieck zu seiner Wahl zum Präsidenten der Republik beglückwünschen. Es war eine bewegende Stunde. An der Wiege dieser Republik stand gewissermaßen symbolisch für den Charakter dieses Staates ein Präsident der schon in jungen Jahren für die Rechte der arbeitenden Menschen eintrat, ein Mann der an der Seite Ernst Thälmanns gegen Faschismus und Krieg kämpfte, ein Mann der nicht müde wurde für die Einheit Deutschlands auf demokratischer Grundlage zu wirken.
Es war ein langer Weg durch die Geschichte bis diese demokratische Republik gegründet werden konnte. Sie hatte ihre Wurzeln in den von Siegen und Niederlagen gezeichneten Kämpfen der Arbeiterklasse. Sie entstand auf den Trümmern des faschistischen Krieges auf den Hinterlassenschaften der faschistischen Ideologie. Und sie wurde geboren aus dem Willen der Menschen, nie wieder Krieg und Faschismus zuzulassen. Von diesem Wollen getragen kämpften nach 1945 Kommunisten und Sozialisten vereint, gemeinsam mit aufrechten demokratisch gesinnten Menschen in Ost und West für ein einheitliches demokratisches Deutschland. Wir damals Jungen organisiert in der Freien Deutschen Jugend waren dabei, wir demonstrierten und protestierten gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands, gegen die Spalter auf den Petersberg, die, unterstützt von den westlichen Großmächten, die Spaltung Deutschlands voran trieben.

Wir wollten das ganze Deutschland als ein demokratisches und antifaschistisches Deutschland. Der deutsche Imperialismus und seine willfähigen Politiker wollten es nie. Sie waren sich einig, mit den westlichen Großmächten in Europa ein Bollwerk gegen die sozialistische Sowjetunion, gegen die “Gefahr“ des Sozialismus zu errichten. Die DDR hat es gewagt, im Herzen Europas einen friedliebenden Staat zu schaffen, in dem durch die Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Wurzeln für Kriege ausgetilgt wurden.

Die 40 Jahre Aufbau einer neuen Gesellschaft, das war kein Spaziergang, das war harte Arbeit, Aufgaben in Wirtschaft und Staat mussten gelöst werden, für die es keine Modelle gab. Wir hatten an unserer Seite Freunde und gegen uns Feinde. In den 40 Jahren, die ein sehr kurzer Zeitraum in der Geschichte der Menschheit sind, vollzog sich im Osten Deutschlands ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel. Wir haben nicht alles erreicht was wir wollten, manche Hausaufgaben haben wir nicht gut gelöst, aus eigenen Unvermögen oder weil man uns dabei behindert hat. Achtung der Menschenwürde, soziale Sicherheit, das Recht auf Arbeit, gleicher Lohn für gleiche Leistung für Mann und Frau, Sorge um die Jüngsten, Sorge um die Alten, ein solidarisches Miteinander das waren Selbstverständlichkeiten in der DDR. Heute in dem großen reichen Deutschland, in dem Unsummen für die Rüstung ausgegeben werden, müssen solche elementaren Menschenrechte nun wieder erkämpft werden.

Derzeit leben wir in einer Welt voller Gefahren für die Menschheit, einer Zeit wachsender Widersprüche zwischen arm und reich, in einer Zeit in der die Mächtigen dieser Welt, um ihren Profithunger zu stillen, keinen Völkermord scheuen. Sie inszenieren Kriege für Öl und neue Absatzmärkte. Als Erich Honecker im Jahre 1992 unter Hinweis darauf, dass die Niederlage des Sozialismus das Kräfteverhältnis in der Welt zerstört hat, sagte: “ Wir befinden uns in einer Periode, in der wie zu keinem Zeitpunkt nach dem zweiten Weltkrieg, die Welt am Kreuzweg zwischen Krieg und Frieden steht“ , glaubten ihm das nur wenige. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Aggressivität des USA-Imperialismus, auf die Krisenherde in vielen Regionen in der Welt, darunter im Nahen und Mittleren Osten, auf Hunger und Armut in der Welt, „das alles wirkt als Sprengstoff“. Heute erweist sich das leider als nur zu wahr. Der Imperialismus in einer tiefen Krise sucht den Ausweg im Krieg der Mächtigen, die sich ihrer Herrschaft nicht mehr sicher sind, rufen Faschisten auf den Plan. Antikommunismus wird angeheizt, Nazis auf den Straßen sind schon alltäglich geworden.

Klarer denn je ist heute, was das Ziel der Kalten Krieger war, warum das sozialistische Lager bekämpft und schließlich niedergerungen wurde. Der Imperialismus brauchte freie Bahn. Das sozialistische Lager garantierte Frieden, die DDR im Herzen Europas mit ihrer Friedenspolitik hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Heute ist Widerstand der Völker gegen die Kriegstreiber im Weißen Haus nötig. Wenn die USA und ihre Vasallen nicht durch den Widerstand der Völker gehindert werden, einen Krieg gegen das Syrische Volk zu führen, birgt das große Gefahren für die Völker.

Die Regierungen aller Länder stehen in der Verantwortung, die Kriegstreiber zu hindern. Deutschland, das schon einmal einen Weltbrand verursacht hat, steht in besonderer Verantwortung. Es muss sich ohne Wenn und Aber gegen den Krieg, gegen jegliche Unterstützung von Krieg wenden. Wie sich schon jetzt in eindrucksvollen Protesten gegen die USA-Krieger zeigt, wollen die Völker Frieden. Sie zeigen, dass die Bäume der USA nicht in den Himmel wachsen.

Die friedliebende DDR ist Geschichte. Aber sie wird in den heutigen und künftigen Kämpfen für ein anderes besseres Deutschland lebendig bleiben.

Margot Honecker
Santiago dé Chile, Oktober 2013

Quelle: DDR-Kabinett-Bochum via news.dkp.de

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