Vor 75 Jahren: Abschied der Internationalen Brigaden

Posted on 17. Oktober 2013 von

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ibHeute vor 75 Jahren wurden mit einer riesigen Demonstration in Barcelona die Internationalen Brigaden verabschiedet. Sie kämpften entschlossen gegen Faschismus und Krieg! Aus diesem Anlaß dokumentieren wir an dieser Stelle die Abschiedsbotschaft von Dolores Ibárruri (PCE, 1895-1989), genannt La Pasionaria (dt. die Leidenschaftliche) an die Internationalen Brigarden.

Es fällt sehr schwer, einige Worte des Abschieds an die Helden der Internationalen Brigaden zu richten, schwierig aufgrund dessen, was sie sind und was sie repräsentieren. Ein Gefühl der Betrübnis, des unendlichen Schmerzes packt unsere Kehlen – Betrübnis wegen derer, die weggehen: Soldaten des höchsten Ideals menschlicher Erlösung, aus ihrer Heimat vertrieben, verfolgt von der Tyrannei aller Völker; Schmerz wegen derer, die für immer hier bleiben indem sie mit unserer Erde verschmelzen und im Innersten unseres Herzens weiterleben, verherrlicht durch unser Gefühl ewiger Dankbarkeit.

Aus allen Völkern und allen Rassen kamt ihr zu uns als unsere Brüder, als Söhne des unsterblichen Spanien, und in den härtesten Tagen unseres Krieges, als die Hauptstadt der Spanischen Republik bedroht war, wart ihr es, tapfere Kameraden der Internationalen Brigaden, die ihr dazu beigetragen habt, sie mit eurem Kampfeseifer und eurem Heldenmut und eurem Geist der Opferbereitschaft zu retten. Und Jarama, und Guadalajara, und Brunete, und Belchite, und die Levante, und der Ebro, sie besingen mit unsterblichen Strophen den Mut, die Opferbereitschaft, die Tapferkeit, die Disziplin der Männer der Internationalen Brigaden.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Kampfes der Völker gab es das Schauspiel, atemberaubend ob seiner Großartigkeit, der Formierung der Internationalen Brigaden, um die Freiheit und die Unabhängigkeit eines bedrohten Landes, unseres Spanien zu retten.

Kommunisten, Sozialisen, Anarchisten, Republikaner, Männer unterschiedlicher Farbe, verschiedener Weltanschauung, antagonistischer Religionen, aber alle in tiefer Liebe zu Freiheit und Gerechtigkeit, kamen um sich uns bedingungslos anzubieten.

Sie gaben uns alles: ihre Jugend oder ihre Reife; ihr Wissen oder ihre Erfahrung; ihr Blut und ihr Leben; ihre Hoffnungen und ihre Sehnsüchte – und sie baten uns um nichts. Das heißt – um eines doch: Sie wollten einen Platz im Kampf, sie erstrebten die Ehre, für uns zu sterben.

Fahnen Spaniens! Grüßt die so zahlreichen Helden, verneigt euch vor so vielen Märtyrern!

Frauen! Mütter! Wenn die Jahre vergehen und die Wunden des Krieges allmählich heilen; wenn die Erinnerung an die schmerzreichen und blutigen Tage in einer Gegenwart der Freiheit, des Friedens und des Wohlergehens vergehen wird; wenn der Groll sich mildert und der Stolz auf das freie Vaterland von allen Spaniern gleichermaßen empfunden wird, dann sprecht zu euren Kindern: erzählt ihnen von diesen Männern der Internationalen Brigaden.

Erzählt ihnen, wie sie, Meere und Berge durchquerend, Grenzen aus aufgerichteten Bajonetten überschreitend, bewacht von tollwütigen Hunden die danach lechzten, ihre Zähne in sie zu schlagen, erzählt ihnen, wie sie in unsere Heimat gekommen sind als Kreuzritter der Freiheit, um zu kämpfen und zu sterben für Spaniens Freiheit und Unabhängigkeit, die vom deutschen und italienischen Faschismus bedroht wurden. Sie gaben alles auf: ihre Sehnsucht, ihre Heimat, ihr Heim, ihr Vermögen, ihre Mütter, ihre Frauen, Geschwister, Kinder – und kamen zu uns, um uns zu sagen: »Hier sind wir! Eure Sache, die Sache Spaniens ist unsere Sache, es ist die gemeinsame Sache der gesamten fortgeschrittenen und fortschrittlichen Menschheit.«

Heute reisen viele ab, Tausende bleiben, die Spaniens Erde zum Leichentuch haben und die an tiefen Empfindungen reiche Erinnerung aller Spanier.

Kameraden der Internationalen Brigaden! Politische Gründe, die Staatsräson, das Schicksal eben jener Sache, der ihr euer Blut in unendlicher Großmut angeboten habt, schicken einige von euch in die Heimat und andere in die erzwungene Emigration. Ihr könnt stolz von dannen gehen. Ihr seid die Geschichte, ihr seid die Legende, ihr seid das heldenhafte Beispiel der Solidarität und der Universalität der Demokratie angesichts der niederträchtigen und opportunistischen Geisteshaltung derjenigen, die die demokratischen Prinzipien interpretieren, indem sie ihre Blicke auf die Schatztruhen oder die Industrieaktien richten, die sie aus jeder Gefahr erretten möchten.

Wir werten euch nicht vergessen; und wenn der Olivenbaum des Friedens blüht, durchflochten mit den Lorbeeren des Sieges der Spanischen Republik – dann kommt wieder! Kommt an unsere Seite, denn hier werdet ihr, die ihr keine Heimat habt, eine Heimat finden; hier werdet ihr, die ihr fern von Freundschaft leben müsst, Freunde finden; und ihr alle, alle werdet die Zuneigung und den Dank des gesamten spanischen Volkes finden, das heute und morgen mit Begeisterung rufen wird:

Lang leben die Helden der Internationalen Brigaden!

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