Die Lehre aus der Novemberrevolution bleibt aktuell

Posted on 30. Oktober 2013 von

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nrvon Anton Latzo

Der Kampf gegen den Imperialismus erfordert eine revolutionäre Partei auf marxistisch-leninistischer Basis

Im Herbst 1918 hat die revolutionäre Gärung das ganze Deutsche Reich erfasst. Anfang Oktober war eine revolutionäre Situation in Deutschland herangereift, die durch die reaktionären gesellschaftlichen Kräfte nicht mehr einzudämmen bzw. unter Kontrolle zu halten war. Der militärische Zusammenbruch an der Front und die Pläne der Militaristen, den Krieg weiter zu führen, erzeugten eine drastische Zuspitzung der Gegensätze zwischen den Massen der Bevölkerung und der Kriegspartei. Dieser Widerspruch entfaltete sich als Teil der internationalen revolutionären Bewegung gegen den Imperialismus und für Frieden. Unter dem Einfluss der Oktoberrevolution in Russland und des erfolgreichen Kampfes der Bolschewiki beschritt die Spartakusgruppe den Weg der endgültigen Trennung vom Opportunismus und der Entwicklung einer eigenständigen marxistisch-leninistischen Plattform.

Gekämpft

In zahlreichen Städten wurden Institutionen der Macht auf lokaler und Länderebene zum Teil gestürzt bzw. standen vor dem Sturz. Begonnen hatte die revolutionäre Erhebung mit dem Aufstand der Matrosen in Kiel, der sich gegen die Fortführung des imperialistischen Krieges richtete (30. Oktober 1918). Die revolutionäre Bewegung wuchs sprunghaft an und wurde erfolgreich als am 3. November 1918 die Arbeiter Kiels an die Seite der Matrosen traten. Die revolutionäre Welle breitete sich schnell entlang der Ost- und Nordwestküste aus und erfasste dann West-, Mittel- und Süddeutschland. Es wurden Arbeiter-, Matrosen-, Soldaten- und vereinzelt Bauernräte gebildet. In Berlin war der gesamte staatliche Zwangsapparat konzentriert. Sein Widerstand wurde durch die Politik der opportunistischen Führer, die sich als Hindernis für die revolutionäre Bewegung erwiesen, wesentlich verstärkt. Die revolutionäre und mobilisierende Kraft in diesen Monaten war die Spartakusgruppe. Am 7. Oktober 1918 beschloss sie auf ihrer Reichskonferenz, an der auch die Bremer Linken teilnahmen, ein Revolutionsprogramm, in dessen Mittelpunkt die sofortige Beendigung des Krieges, die revolutionäre Erkämpfung demokratischer Rechte und Freiheiten und der Sturz des deutschen Imperialismus als Voraussetzung für den Übergang zur sozialistischen Revolution standen. Die Spartakusgruppe wies die Revolutionäre darauf hin, dass die „Erreichung dieser Ziele“ noch nicht „die Erreichung eures Zieles (bedeutet), sie sind der Prüfstein dafür, ob die Demokratisierung, die die herrschenden Klassen und deren Agenten euch vorflunkern, echt ist. Der Kampf um die wirkliche Demokratisierung geht nicht um Parlament, Wahlrecht oder Abgeordnetenminister und anderen Schwindel; er gilt den realen Grundlagen aller Feinde des Volkes: Besitz an Grund und Boden und Kapital, Herrschaft über die bewaffnete Macht und über die Justiz. Das alte Gebäude der Kapitalistenherrschaft ist morsch geworden.“ (Spartakus spricht, Kampfdokumente der Spartakusgruppe, Berlin 1961, S. 120) Am 8. November 1918 hat die Spartakusgruppe gemeinsam mit den revolutionären Obleuten die Berliner Arbeiter zum Generalstreik und zum bewaffneten Aufstand aufgerufen. Am nächsten Tag waren die Straßen der Hauptstadt von revolutionären Arbeitern und Soldaten überschwemmt. Prinz Max von Baden trat als Kanzler zurück, Friedrich Ebert wurde zum Reichskanzler ernannt, der Kaiser floh nach Holland.

Verraten

Im Vorfeld fanden Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und Friedrich Ebert statt, in deren Verlauf der Reichskanzler Max von Baden an Friedrich Ebert die Frage stellte: „Wenn es mir gelingt, den Kaiser zu überzeugen, habe ich Sie dann an meiner Seite im Kampf gegen die soziale Revolution?” Eberts Antwort erfolgte ohne Zögern und unzweideutig: Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich aber will sie nicht, ja, ich hasse sie wie die Sünde“. (Prinz Max von Baden, Erinnerungen und Dokumente, Berlin 1927, S. 624) Auf Abwürgen der Revolution und auf ihre Niederlage waren auch die Handlungen der rechten Sozialdemokratie insgesamt und auf allen Ebenen ausgerichtet. Friedrich Ebert und seinen Verbündeten ging es um die Erhaltung der Klassenherrschaft der Kapitalisten. Reformen sollten schon damals in diesem Rahmen durchgeführt werden. Während Karl Liebknecht und Genossen auf den Straßen für die Weiterführung der Revolution kämpften, suchten Ebert und Konsorten ihre Verbündeten in den Reihen der damals reaktionärsten Kreise. Dazu gehörte auch das Paktieren mit dem Ludendorf-Nachfolger, General Wilhelm Groener. Der Ebert-Regierung wurde von den Militärs militärische Hilfe angeboten, wenn diese bereit sei, das „Offizierskorps bei der Aufrechterhaltung der Disziplin und der straffen Ordnung im Heer“ zu unterstützen. General Groener stellte dazu fest: „Der Zweck unseres Bündnisses, das wir am 10. November abends geschlossen hatten, war die restlose Bekämpfung der Revolution“ (zitiert nach: Norbert Podewin, Ebert und Ebert, Berlin 1999, S. 214). Ebert und seine Gefährten stellten sich diesem Ziel zur Verfügung. Sie wurden dafür praktisch aktiv und missbrauchten die gesamte Sozialdemokratie dafür. Das geht auch aus den weiteren Bekenntnissen von Groener hervor. „Von da ab besprachen wir uns täglich abends … über die notwendigen Maßnahmen. Das Bündnis hat sich bewährt.“ Eindeutig bekannte er: „wir haben gemeinsam von Anfang an die Revolution bekämpft und zwar nach meiner Initiative und mit meiner Zielsetzung und mit allen Mitteln, die ich zur Bekämpfung der Revolution für geeignet hielt“ (ebenda). Das Bündnis Eberts, Noskes & Co mit dem Generalstab hat nicht nur der Erhaltung der kapitalistischen Ordnung gedient und die revolutionäre Bewegung zerschlagen. Gemeinsam mit dem Generalstab, dem Zentrum des deutschen Militarismus und der Reaktion, sicherten sie auch die Grundlagen für das Überleben, das Weiterbestehen des deutschen Militarismus. Förderlich für eine solche Politik war schon damals der langjährige Einfluss des Opportunismus in der deutschen Arbeiterbewegung. Die Arbeiterschaft wollte den Sozialismus, sie wollte auf jeden Fall etwas Anderes als das Weiterbestehen des Kapitalismus. Aber die Vorstellungen vom Kampf um die Eroberung der politischen Macht, vom Wesen des Sozialismus, von den Mitteln und Methoden seiner Erkämpfung waren doch zu unklar. Unter diesen Bedingungen konnten die konterrevolutionären Kräfte ihre konterrevolutionären Angriffe erfolgreich gestalten, die rechten sozialdemokratischen Führer die Macht des deutschen Imperialismus und Militarismus vor dem revolutionären Ansturm der Volksmassen retten.

Gelernt

Verlauf und Ergebnisse der Novemberrevolution von 1918 zeigen, dass eine revolutionäre Partei nicht zu ersetzen ist. Zugleich erfordert die erfolgreiche Verwirklichung der Interessen der Arbeiterklasse, dass ihre Strategie und Taktik die opportunistischen und revisionistischen Einflüsse entschieden bekämpft und ständig zurückdrängt. Davon ausgehend und unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Kommunisten in Russland kam auch der Spartakusbund zu der Erkenntnis, das die endgültige Trennung von der USPD und die Schaffung einer revolutionären marxistischen Partei zur dringendsten Aufgabe geworden war, um künftig einen erfolgreichen Kampf führen zu können. Verlauf und Ergebnisse der Novemberrevolution zeigten schon damals, dass der Kampf gegen den Imperialismus nur dann erfolgreich sein kann, wenn zugleich der Opportunismus in all seinen Erscheinungsformen – politisch, organisatorisch und ideologisch – bekämpft wird.

Quelle: news.dkp.de

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