DKP: Arbeitszeitverkürzung ist bezahlbar!

Posted on 11. November 2013 von

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cover-avzIn den letzten Ausgaben der Auf Draht haben wir über die dramatischen gesundheitlichen Folgen der immer schärferen Ausbeutungsverhältnisse geschrieben. Die absolute Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen wäre mit einer Verkürzung der Arbeitszeit einverstanden, wenn da nicht die Kosten wären. Arbeitszeitverkürzung sei nicht finanzierbar, so schreien die Unternehmer und denken die Kolleginnen und Kollegen.

Sehen wir uns einmal drei Betriebe aus dem Großraum München mit unterschiedlichen Voraussetzungen an. Ein Betrieb ist aus der Automobilindustrie, ein sogenannter Global Player. Die beiden anderen Betriebe aus der Bauwirtschaft und dem Großhandel sind kleiner.

Der Umsatz des Automobilbauer beträgt 76,8 Milliarden Euro. Um diesen zu erzie len, beschäftigt er knapp 106.000 Mitarbeiter, nicht ausschließlich in der Produktion, sondern auch in Forschung und Entwicklung, der Verwaltung und nicht zuletzt in der Sparte Finanzdienstleistungen. Löhne und Gehälter werden im Geschäftsbericht mit 8,535 Milliarden Euro in der Summe angegeben, dass Ergebnis vor Steuern (also der Gewinn, bevor Steuern an das Finanzamt abgeführt werden) liegt bei 7,8 Milliarden. Die Arbeitszeit beträgt nach Tarifvertrag 35 Stunden in der Woche.

Würde die 30-Stunden-Woche bei vollen Lohn- und Personalausgleich umgesetzt, würden statt 106.000 Beschäftigten dann132.000 Menschen dort arbeiten, die Personalkosten wären dann knapp fünfzehn Prozent höher und bei 9,815 Milliarden Euro. Der Gewinn würde um 1,28 Milliarden zurück gehen auf dann 6,52 Milliarden. Dem Autobauer und seinen durch großzügige Spenden an die CDU bekannten Mehrheitsaktionären geht es noch immer prächtig. Wir sehen: Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist finanzierbar!

Kommen wir zum Großhandel und sehen uns die Bilanz des Jahres 2011 an, da die von 2012 bis dato nicht im Bundesanzeiger veröffentlicht ist. Der Umsatz dieses Betriebes liegt bei 110,3 Mio. Euro. Der Betrieb beschäftigt 262 Menschen. Löhne und Gehälter werden im Geschäftsbericht mit 28,9 Mio. Euro angegeben, dass Ergebnis vor der Steuerberechnung liegt bei 6,62 Millionen. Die Arbeitszeit beträgt nach Tarifvertrag 38,5 Stunden in der Woche. Würde die 30-Stunden-Woche bei vollen Lohn- und Personalausgleich umgesetzt werden, würden einer Arbeitszeitverkürzung um 22,1 Prozent entsprechend dann statt 262 Kolleginnen und Kollegen 320 Menschen dort arbeiten, eben jene 22,1 Prozent mehr. Die Personalkosten würden dann 22,1 Prozent höher bei nunmehr 35,8 Mio. Euro liegen, also 5,8 Mio. Euro höher als vor der Arbeitszeitverkürzung. Das Ergebnis vor Steuern würde entsprechend zurückgehen auf 0,78 Mio. Euro. Übrigens: Das Jahresgrundgehalt der elf obersten Führungskräfte liegt in der Summe bei 2,6 Mio. Euro jährlich, im Schnitt also bei guten 240.000 Euro. Dazu kommen für die Damen und Herren dann auch noch Boni von knapp 20 Prozent, die in den gesamten obig genannten Personalkosten in Höhe von 28,9 Mio. Euro auch enthalten sind. Gute drei Millionen gehen auf deren Konto. Wir sehen: Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist finanzierbar!

Auf dem Bau sind nach Tarifvertrag noch immer 40 Stunden zu arbeiten, eine Verkürzung der Arbeitszeit würde höhere Auswirkungen haben als in den beiden anderen Beispielen mit jetzt bereits kürzeren Arbeitszeiten. Unser ausgewählter Betrieb ist ein alt eingesessener Münchner Baubetrieb und beschäftigt 107 Beschäftigte. Vermutlich sind auch der Inhaber und seine beiden Söhne, die als Anteilseigner in der Bilanz genannt werden, in dieser Zahl enthalten, d.h. sie bekommen ein Gehalt wie der Maurer oder die Buchhalterin. Die Lohnsumme betrug dann insgesamt 6,405 Mio. Euro. 39,5 Mio. Euro Umsatz machte der Betrieb und erzielte damit 1,43 Mio. Euro, bevor der Steuerberater an die Berechnung der fälligen Steuern ging. Nun kürzen wir die Arbeitszeit um 25 Prozent! Von 40 auf 30 Stunden. 25 Prozent Arbeitszeitverkürzung ergibt einen Personalmehrbedarf von 27 zusätzlichen Kolleginnen bzw. Kollegen, und entsprechend unserer Forderung nach vollem Lohnausgleich würde auch die Gehaltssumme um 25 Prozent auf nunmehr 8,006 Mio. Euro steigen, ca. 1,6 Mio. mehr als vor der Arbeitszeitverkürzung. Gute 0,2 Mio. mehr als der Gewinn! Doch ein genauerer Blick in die Bilanz lohnt sich, denn der Gewinn wurde durch verschiedene Maß- nahmen schon geringer gerechnet. Das Anlagevermögen wurde um 118.500 Euro und das Eigenkapital um 500.000 Euro erhöht. Ganz locker werden auch Darlehen gewährt an ebenfalls in Familienhand befindlichen Unternehmen, nämlich 1,7 Mio. Euro an eine Verwaltungsgesellschaft und eine Wohnbaugesellschaft. Dies war nur durch die Arbeit der Maurer, Stahlbetonbauer, Zimmerer und Poliere und natürlich auch des Buchhalters möglich. Und schon sehen wir: Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist finanzierbar!

Auch aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung VGR lässt sich die Finanzierbarkeit der Arbeitszeitverkürzung nachweisen. 1.377,29 Milliarden betrug das Arbeitnehmerentgelt, 644 Milliarden das Unternehmereinkommen. Unterstellt man eine mit der maximalen Arbeitszeitverkürzung von 40 auf 30 Stunden einher gehende 25prozentige (!) Lohnerhöhung (da weniger Stunden für´s gleiche Geld), würde dies letztlich nur die so dringliche Verteilung von den Unternehmereinkommen in unsere Geldbeutel in Höhe von 344,32 Milliarden bedeuten. Eine Berechnung von Attac geht von 160 Milliarden Euro aus. Diese Berechnung ist sehr wirklichkeitsnah, da ja nicht alle Betriebe und Branchen jetzt 40 Stunden arbeiten. Die Produktionsarbeiter von Porsche z. B. arbeiten bereits jetzt 34 Stunden. Wir sehen: Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist finanzierbar!

Jetzt kommt es auf uns an.

Dazu mehr in der nächsten Auf Draht, Betriebszeitung der DKP München und Gruppe KAZ, die am 10. Dezember erscheint.

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