30 Stunden sind genug – auf uns kommt es an!

Posted on 20. Dezember 2013 von

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cover-avzvon Rainer Wolf

5. Teil der Serie für eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich

Das Kapital in seiner Jagd nach Profit, Extraprofit und Monopolstellung muss und will uns ausbeuten, am liebsten grenzenlos. Niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten prägten und prägen unser Leben. Arbeitszeiten, oft höher als tariflich vereinbart oder vom Arbeitszeitgesetz erlaubt, sind üblich. Unbezahlte Überstunden, gestrichene Gleitzeitstunden tägliche Praxis. Der 8-Stunden-Tag steht häufig nur noch auf dem Papier. Die Geschichte des Kapitalismus ist auch eine Geschichte des Kampfes zur Verkürzung des Arbeitstages. Beschränkung der Ausbeutungszeit, also Verkürzung der Arbeitszeit ist ein Schritt zur Humanisierung der Arbeit. Die Arbeitszeitverkürzung ist notwendiger denn je.

Im Jahr 2012 arbeiteten 37 Millionen Menschen 48,8 Milliarden Stunden. Bei sechs Wochen Urlaub für jeden entspricht das knapp 29 Arbeitsstunden. Schon dieser einfache Fakt zeigt, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit möglich ist. (1) Auch die Finanzierbarkeit einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist gegeben. 160 Milliarden Euro würde das kosten, bei Unternehmergewinnen von 644 Milliarden wahrlich finanzierbar. (2)

Die Entwicklungsabteilungen der Konzerne arbeiten an der „smarten Fabrik“. Die Ziele sind eine doppelte Produktivität und eine Halbierung der Ressourcen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt anlässlich der letzten Hannover Messe, „in der hochmodernen Fertigungsstätte hält eine völlig neue Produktionslogik Einzug, die menschliche Arbeit weitgehend auf Planung und Überwachung reduziert.“ (3) Gesellschaftlich notwendige Arbeit und damit Arbeitszeit verkürzt sich weiter. Washington SyCip, amerikanischer Unternehmer philippinischen Ursprungs, erklärte vor Jahren: „Ein Fünftel aller Arbeitsuchenden werde genügen, um Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne.“ (4) Denkt man dann noch daran, welcher Unsinn im Kapitalismus produziert wird und dass Kapitalisten auf die Produktion von Gütern aus Profitgründen verzichten, lässt sich eine Verkürzung der Arbeitszeit unter 30 Stunden pro Woche leicht errechnen. So kann z.B. die Lebensdauer von Glühlampen auf ein Menschenalter ausgedehnt werden. Dies ist schon seit langem bekannt. Teilweise werden diese Herstellungsverfahren bei schlagfesten Glühlampen angewendet, die in industriellen Bereichen zum Einsatz kommen, die besonders starken Schwingungen ausgesetzt sind. Und die Energie- und Umweltbilanz der schlagfesten Glühlampen ist wesentlich besser als die der quecksilberhaltigen Energiesparlampen, die nach Ende ihrer Lebensdauer zu Sondermüll werden. Glas kann durch langsames Abkühlen schlagfest gemacht werden. Und eine Fahrzeugkarosserie aus rostfreiem Blech (Nirosta) hält mindestens 200 Jahre!

Seit Anfang des Monats arbeiten 3.500 Porsche-Arbeiter eine Stunde weniger, 34 Stunden in der Woche, und das bei vollem Lohnausgleich. „Durch die Produktivitätssteigerung in der Produktion in Zuffenhausen nimmt der Stress meiner Kolleginnen und Kollegen zu. Dafür brauchen wir ein Ventil. Das haben wir mit der Arbeitszeitverkürzung in Zuffenhausen erreicht“, erklärt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hück. Klingt gut, hat jedoch Haken. Von Personalausgleich ist in der Vereinbarung nicht die Rede, und bei den Porsche-Ingenieuren wird gar eine Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden möglich. Solche Vereinbarungen sind Ergebnis sozialpartnerschaftlichen Denkens und Vereinzelung der Belegschaften und ihrer Betriebsräte. Was wir brauchen, ist die Macht und Kraft unserer gewerkschaftlichen Organisation, um den Profitinteressen des Kapitals unsere Lebensinteressen entgegenzusetzen.

Das geht nicht ohne Kampf. Die kapitalistischen Verhältnisse haben schon immer unseren Kampf um ein erträglicheres, besseres Leben erfordert. Geschenkt gibt es nichts. Zu Beginn der kapitalistischen Produktionsorganisation war Kinderarbeit üblich, Sonntagsarbeit bei siebzehnstündigen Arbeitstagen normal. Logisch, dass die Kapitalisten und ihre Regierungsvertreter gegen die beginnenden Kämpfe um kürzere Arbeitszeit wetterten, denn kürzere Arbeitszeit „würde die notwendige Folge haben, die inländischen Fabrikate mehr oder weniger zu verteuern, mithin die jetzt ohnehin schon schwer zu ertragende Konkurrenz des Auslandes, wo ähnliche Maßregeln nicht stattfinden, noch mehr zu begünstigen“, wetterte der preußische Innenminister in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. (5) Ex-Kanzler Kohl bezeichnete 1991 die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung als „dumm und töricht“. Doch dumm und töricht sind nur Argumente gegen die Arbeitszeitverkürzung, heute wie vor fast 200 Jahren.

Weder die Kampagne des DGB zur Durchsetzung der 5-Tage-Woche („Samstags gehört Vati mir“) in den 50er Jahren noch die Einführung der 35-Stunden-Woche in der Metall- und Druckindustrie führte zum Niedergang der deutschen Wirtschaft. Stattdessen erzielen die deutschen Kapitalisten heute einen Handelsbilanzüberschuss, der andere Völker fürchten lässt. Nicht zuletzt deshalb, weil unsere Arbeitskraft so billig ist. Es wird also höchste Zeit, durch Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich den Preis unserer Arbeitskraft zu erhöhen. Was soll uns aufhalten, wenn nicht wir selbst. Auf uns kommt es an!

(1) siehe Auf Draht vom 11. Juni 2013

(2) siehe Auf Draht vom 29. Oktober 2013

(3) siehe Auf Draht vom 11. Juni 2013

(4) Hans-Peter Martin und Harald Schuman, „Die Globalisierungsfalle“, rororo Sachbuch

(5) Nach Michael Schneider, „Der Kampf um die Arbeitszeitverkürzung von der Industrialisierung bis zur Gegenwart.“

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