75 Jahre nach den November-Pogromen – Rassismus in Deutschland

Posted on 21. Dezember 2013 von

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npAm 18.Februar 2013 empfing Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin Hinterbliebene von Opfern der Mordserie des NSU. Die Schwester des 2001 in Hamburg ermordeten Süleyman Tasköprü, Aysen Tasköprü, sagte Gauck in einem Brief ab:

„Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck,

(…) Da Sie ja aber so daran interessiert sind, wie es uns geht, werde ich Ihnen gerne schildern, wie es uns geht Im Sommer 2001 töteten die Neonazis meinen Bruder. Im Spätsommer 2011 – zehn Jahre später – klingelte die Kripo bei mir. Sie brachten mir die persönlichen Gegenstände meines Bruders. Ich fragte die Beamtin, warum jetzt die Sachen kämen; ob es etwas Neues gibt Sie sagte nur, man habe nur vergessen, mir die Sachen zurückzugeben. Dann ging sie wieder. Ich habe stundenlang vor den Sachen meines toten Bruders gesessen; ich habe tagelang gebraucht um mich zu überwinden, meinen Eltern davon zu erzählen, dass seine Sachen wieder da sind. Ich war völlig am Ende. (…)

Ich wurde 1974 in der Türkei geboren; seit 1979 lebe ich in Deutschland. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe meine Ausbildung gemacht und gearbeitet Mein Sohn wurde hier geboren, und ich fühlte mich als Deutsche mit türkischen Wurzeln. Noch im März 2011 konnte ich darüber lachen, als eine Sachbearbeiterin im Rathaus zu meinem Sohn sagte, er sei kein Deutscher. Der Kleine war ganz erstaunt und erklärte ihr sehr ernsthaft, dass er sehr wohl Deutscher sei, er habe schließlich einen deutschen Pass. Wie gesagt, ich lachte und sagte meinem Sohn, ich würde ihm das zu Hause erklären. Heute kann ich darüber gar nicht mehr lachen. Ich hatte mal ein Leben und eine Heimat Ich habe kein Leben mehr. Ich bin nur noch eine leere Hülle, die versucht, so gut wie möglich zu funktionieren. Ich bin nur noch unendlich traurig und fühle mich wie betäubt. Ich habe auch keine Heimat mehr, denn Heimat bedeutet Sicherheit Seitdem wir wissen, dass mein Bruder ermordet wurde, nur weil er Türke war, haben wir Angst Was ist das für eine Heimat in der du erschossen wirst weil deine Wurzeln woanders waren? (…)

Alles was ich noch möchte, sind Antworten. Wer sind die Leute hinter dem NSU? Warum ausgerechnet mein Bruder? Was hatte der deutsche Staat damit zu tun? Wer hat die Akten vernichtet und warum? (…) Und auch Ihnen, Herr Bundespräsident Gauck, ist mein Bruder doch nur wichtig, weil der NSU ein politisches Thema in Deutschland ist. Was wollen Sie an unserem Leid ändern? Glauben Sie, es hilft mir, wenn Sie betroffen sind? (…)“ [1]

Der staatliche Rassismus steht nicht auf der Anklagebank im NSU-Prozess, sosehr die Rechtsanwälte der Nebenklage sich auch bemühen. Dafür sorgt die Klassenjustiz. Der Verfassungsschutz darf weiter die Mörder unterstützen, er soll sogar gestärkt und zentralisiert werden, d. h. aus den Verfassungsschutzbehörden der Länder soll ein zentraler Verfassungsschutz für die gesamte Republik entstehen. Um umso besser die Gegner des staatlichen Rassismus, die Antifaschisten und Kommunisten in diesem Land, beobachten und verfolgen zu können.

Quellen und Anmerkungen:

[1] jW 18.2.2013

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