Sieg der Solidarität

Posted on 21. Dezember 2013 von

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fpvon Gretl Aden

Als die Flüchtlinge ihren Protestmarsch durch Bayern am 3.9.2013 im Münchner DGB-Haus beendeten, stießen scheinbar zwei Welten aufeinander: die Schutzsuchenden und -fordernden, geprägt von einem Leben mit Kriegen, Verfolgung, Hunger und Flucht von der Erfahrung auch hier rechtlos und diskriminiert zu sein und in Elend leben zu müssen; bedroht von der Abschiebung in jene Länder, die man doch nicht aus Vergnügen, sondern des nackten Überlebens willen verlassen hat

Auf der anderen Seite ein wohl geordnetes Gewerkschaftshaus in einem der reichsten Länder dieser Welt. In einem imperialistischen Staat, dessen herrschende Klasse ihren immensen Reichtum nicht nur aus der Ausbeutung der Arbeiterklasse im Land, sondern auch aus der Ausbeutung der Völker jener Länder zieht aus denen die Flüchtlinge kommen. Einer Klasse, die mit Hilfe ihres Staates diese Länder mit Waren und Kapital von sich abhängig macht jede eigenständige Entwicklung verhindert Kriege und Unruhen schürt um den eigenen Einfluss zu verteidigen. In einem Land, in dem der Kampf der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften noch in wohl geordnete Bahnen gelenkt wer-

den kann. Wo die Wettbewerbsfähigkeit der Kapitalisten die Hirne so mancher Gewerkschaftsführer mehr beschäftigt als die Lage der Arbeiter, und internationale Solidarität zum Lippenbekenntnis verkommt Wo so – statt Dämme gegen den herrschenden Meinungsmist aufzubauen – Einfallstore für Rassismus und Nationalismus unter den Arbeitern zustande kommen.

Von daher war durchaus nicht klar, was nun passiert nach diesem 3. September. Da waren diejenigen, die ihre gewohnte Ordnung in Unordnung geraten sahen oder gar diejenigen, die drohten, ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft aufzukündigen, wenn die Flüchtlinge bleiben dürfen. Die Faschisten von Pro Deutschland meinten, sie könnten dies ausnutzen und kündigten eine Protestveranstaltung vor dem Münchner Gewerkschaftshaus an mit der bodenlos dreisten Behauptung, sich mit dem DGB „gegen die Scheinasylanten solidarisch“ zeigen zu wollen.

Doch da waren auch all die haupt-und ehrenamtlichen Gewerkschafter, die sich sofort daran machten, die Flüchtlinge zu unterstützen. Die begannen Spenden zu sammeln, die Verpflegung zu organisieren und mit im Gewerkschaftshaus zu übernachten. Die dafür trommelten, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und jeden Abend Veranstaltungen im DGB-Haus organisierten, um mit den Flüchtlingen die Gewerkschafter hier über deren Situation zu informieren. Um zu zeigen, dass diese Menschen Kolleginnen und Kollegen sind, die wie wir ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um leben zu können. Und dass es nur uns allen nutzt wenn wir ihre Forderungen unterstützen, um unsere Spaltung zu überwinden.

So war es ein Sieg des unerschrockenen Kampfes der Flüchtlinge und der Solidarität dass sie zwölf Tage im Münchner Gewerkschaftshaus Zuflucht fanden; ein kleiner Sieg der Erkenntnis, dass nicht zwischen den Flüchtlingen und den Arbeitern zwei Welten bestehen, sondern der Riss in dieser Welt woanders verläuft

Aus: Kommunistische Arbeiterzeitung Nr. 345

Wir danken für die Genehmigung zum Abdruck.

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