Zum 120. Geburtstag von Mao Zedong

Posted on 26. Dezember 2013 von

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Mao Zedong (26.12.1893 - 9.9.1976)

Mao Zedong (26.12.1893 – 9.9.1976)

Vor 120 Jahren wurde der chinesische Revolutionär Mao Zedong in Shaoshan geboren. Aus diesem Anlass dokumentieren wir „Die KPD und die chinesische Revolution“ aus Rolf Bertholds Buch „Chinas Weg – 60 Jahre Volksrepublik China“.

Die vom proletarischen Internationalismus geprägte solidarische Unterstützung der chinesischen Revolution hat in der Politik der KPD stets eine große Rolle gespielt. Die KPD hat der chinesischen Revolution eine besonders wichtige Bedeutung für die gesamte internationale revolutionäre Entwicklung beigemessen.

Die wichtigsten Elemente der Beziehungen zwischen der KPD und der KP Chinas waren die direkten Aktionen der KPD, die enge Zusammenarbeit mit und Unterstützung der relativ großen Gruppe chinesischer Revolutionäre in Deutschland und die Arbeit deutscher Kommunisten in der Kommunistischen Internationale.

Als sich das chinesische Volk im Jahre 1900 gegen die imperialistische Aggressions- und Unterdrückungspolitik der europäischen Großmächte erhob, übernahm der deutsche Imperialismus bei der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes eine maßgebliche Rolle.

Bei der Verabschiedung der deutschen Strafexpedition nach China am 27. Juli 1900 in Bremerhaven hielt Wilhelm II. seine berüchtigte »Hunnenrede«, in der er erklärte: »Kommt Ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen ! Pardon wird nicht gegeben ! Gefangene werden nicht gemacht ! Wer Euch in die Hände fällt, sei Euch verfallen ! Wie vor 1 000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferungen und Märchen gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutscher in China auf 1 000 Jahre durch Euch in einer Weise bestätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.« Die deutschen Truppen unter General Waldersee handelten nach diesem Befehl und verübten in China ungeheuerliche Grausamkeiten. In so genannten »Hunnenbriefen«, die in der deutschen Presse veröffentlicht wurden, rühmten sich deutsche Soldaten ihrer Verbrechen.

Es gehört zu den Verdiensten der deutschen Sozialdemokraten in dieser Zeit, den preußisch-deutschen Imperialismus entlarvt zu haben. August Bebel brandmarkte im Reichstag die imperialistische Gewaltpolitik gegen China und die Gräueltaten der deutschen Soldateska in China. Er bezeichnete diese Politik als »verhängnisvoll, … verderblich«, sie müsse »aufs alleräußerste« bekämpft werden und die deutschen Sozialdemokraten werden für sie keinen Mann und keinen Groschen bewilligen. Franz Mehring schrieb: Solche Raubkriege, wie sie der deutsche Imperialismus gegenwärtig in China führt, »züchten vor allen Dingen den einheimischen Despotismus, und jeder Arbeiter, der an dem Joche schmieden hülfe, das den Chinesen auf den Nacken gelegt werden soll, würde nur seine eigenen Ketten fester schmieden«.

Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte des Mainzer Parteitages der deutschen Sozialdemokratie im September 1900 war die Stellungnahme zur »Weltpolitik«, die in der imperialistischen Aggression gegen China handgreiflich Gestalt angenommen hatte. Der Parteitag nahm eine Resolution an, in der die Aggression gegen China prinzipiell verurteilt und die nationale Unabhängigkeit Chinas verteidigt wurde.

Karl Liebknecht erklärte am 12. 11. 1900: »Es ist eine gewaltsame Verdrehung der Tatsachen, wenn die Chinapolitik damit begründet wird, China der Kultur erschließen zu wollen. Die Chinesen besitzen eine Jahrtausende alte Kultur…«

Der Sturz der Kaiserdynastie in China durch die Revolution 1911 und die Gründung der Republik 1912 wurde von den progressiven Kräften in Deutschland begrüßt.

Aber die rechten Reichstagsabgeordneten der Sozialdemokratie, wie Gustav Scheidemann, stimmten 1912 für eine Regierungsanforderung von 650 000 Reichsmark zur Unterstützung imperialistischer Interessen in China, angeblich zum Schutze deutscher Staatsbürger.

Für die Entwicklung der chinesischen Revolution war die Bewegung des 4. Mai 1919 von besonderer Bedeutung. Der Versailler Vertrag beinhaltete die Übergabe der deutschen Rechte und Besitzungen in der Provinz Shandong an Japan, nicht an China. Die Studenten in Beijing demonstrierten dagegen und leiteten so eine neue Etappe der chinesischen Revolution, die Neudemokratische Revolution, ein.

Über erste Kontakte der an der Jahreswende 1918 / 1919 gegründeten KPD und der am 1. Juli 1921 gegründeten KP Chinas sind dem Autor keine Dokumente bekannt. Die in den Folgejahren sich stürmisch entwickelnde chinesische Revolution fand bei den deutschen Kommunisten starken Widerhall.

1924 kam es zur ersten Einheitsfront zwischen der Guomindang unter Führung von Sun Yatsen und der KP Chinas. Zum Tode von Sun Yatsen ( 12. 3. 1925 ) sandte das ZK der KPD am 17. 3. 1925 eine Kondolenzadresse an die Guomindang, in der es heißt: »Die Befreiung der Welt von der Zwangsherrschaft des Großkapitals ist nur möglich durch den solidarischen Kampf der Werktätigen des Ostens und des Westens, Asiens und Europas. Es wird für alle Zeiten das entscheidende Verdienst Dr. Sun Yatsens bleiben, dass er die Notwendigkeit dieser internationalen Solidarität erkannte. Die deutsche Arbeiterschaft wird auch weiterhin alles tun, um den Befreiungskampf der chinesischen Werktätigen zu fördern.«

Die revolutionären Ereignisse in China 1925 erregten bei den klassenbewussten deutschen Arbeitern starke Aufmerksamkeit. Als am 30. Mai 1925 Arbeiter und Studenten in Shanghai gegen Repressalien protestierten, die gegen streikende Arbeiter japanischer Textilfabriken ergriffen wurden und antiimperialistische Kundgebungen durchführten, eröffneten britische Polizisten das Feuer gegen die Demonstranten. Die Kommunistische Partei Chinas rief das Volk auf, das brutale Vorgehen der Imperialisten zu beantworten. Am 1. Juni begann in Shanghai ein Generalstreik, der auch in anderen Städten, insbesondere in Guangzhou ( Kanton ), Unterstützung fand. Nachdem in Deutschland die Nachrichten von der »Bewegung des 30. Mai« eingetroffen waren, fanden auf Initiative der KPD, des Roten Frontkämpferbundes, der Internationalen Arbeiterhilfe und der Roten Hilfe Deutschlands Versammlungen und Kundgebungen statt, auf denen die chinesische Revolution unter der Losung »Hände weg von China! China den Chinesen!« der Solidarität der deutschen Arbeiterklasse versichert wurde. Die »Internationale Arbeiterhilfe« organisierte Sammlungen für die hungernden und kämpfenden chinesischen Arbeiter. Am 24. Juni 1925 führte die Bezirksorganisation Berlin der KPD gemeinsam mit dem Roten Frontkämpferbund ( RFB ) eine Großkundgebung durch, an der auch über 100 in Berlin lebende Chinesen teilnahmen und auf der ein chinesischer Vertreter sprach. Ernst Thälmann bekräftigte die Solidarität mit der chinesischen Arbeiterklasse und verdeutlichte die Gemeinsamkeit des Kampfes in beiden Ländern. Der X. Parteitag der KPD 1925 übermittelte in einer Resolution brüderliche Grüße an die Klassengenossen in China. Der Vertreter der KP Chinas hielt auf dem Parteitag eine Grußansprache.

1927 brach Tschiang Kaischek die Einheitsfront zwischen der Guomindang und der KP Chinas und eröffnete den weißen Terror gegen die Kommunisten. Auf ihrem 3. Reichstreffen von 80 000 Mitgliedern des Roten Frontkämpferbundes schworen die Teilnehmer, dem Militarismus unversöhnlich entgegen zu treten und die Sowjetunion und die chinesische Revolution standhaft zu verteidigen.

In diesen Monaten erreichte in der deutschen Arbeiterbewegung die Welle der Sympathie für die chinesische Volksrevolution einen Höhepunkt. Unter der Losung »Hände weg von China« fanden in den Großstädten und anderen Orten Versammlungen und Kundgebungen statt, auf denen die Teilnehmer den Verrat des von Tschiang Kaischek geführten reaktionären Flügels der Guomindang an den Interessen des chinesischen Volkes verurteilten und gegen die militärische Intervention US-amerikanischer und britischer Truppen in China protestierten.

Eine der vielen Solidaritätsveranstaltungen, auf der Wilhelm Pieck und Ernst Thälmann zu 20 000 Teilnehmern sprachen, fand im April 1927 im Berliner Sportpalast statt. Dort sprach auch der Vertreter der chinesischen Kommunisten, Hsieh Yun San ( nach heutiger Transkription wahrscheinlich Xie Yunshan ). Sein Sohn, Han Sen, schreibt darüber in seinem autobiographischen Buch folgendes: »1925 trat mein Vater in den Kommunistischen Jugendverband ein, 1926 wurde er Mitglied der chinesischen kommunistischen Partei – dies war auch in Deutschland möglich, da hier viele revolutionär gesinnte junge Chinesen lebten. Von ihr bekam er die Aufgabe, im Ausland die chinesische revolutionäre Bewegung zu propagieren und die Verbindung der chinesischen kommunistischen Partei mit den kommunistischen Parteien Europas zu fördern. Auf einem der wenigen Bilder, die aus dieser Zeit erhalten geblieben sind, ist er zusammen mit Ernst Thälmann zu sehen. Es ist das Jahr 1927, im Berliner Sportpalast findet eine kommunistische Massenkundgebung mit zehntausend Teilnehmern statt zur Unterstützung der chinesischen Revolution und gegen den imperialistischen Massenmord in China. Nach seiner Rede überreichte mein Vater Ernst Thälmann eine Fahne des allchinesischen Gewerkschaftsverbandes – ein Geschenk des Kantoner Streikkomitees – und eine Fahne des chinesischen Bauernverbandes.«

Am 13. April 1927 erschien im Zentralorgan des ZK der KPD »Die Rote Fahne« der bedeutende Artikel von Ernst Thälmann »Die chinesische Revolution und die Aufgaben der Arbeiterschaft«. Es seien aus diesem Artikel einige Stellen von prinzipieller Bedeutung, auch unter heutigen Aspekten, zitiert:

»Kaum zehn Jahre nach der russischen Revolution ist das Weltproletariat wiederum Zeuge einer Umwälzung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Die Augen der ganzen Menschheit sind auf China gerichtet, wo das älteste und größte Kulturvolk der Erde die imperialistischen Fesseln sprengt, in die es ein Jahrhundert lang geschlagen war. …

Diese ungeheuere Gefahr haben die Imperialisten erkannt. Sie wissen, dass die Einigung Chinas den Anfang vom Ende der Imperialistenherrschaft über die Kolonialvölker bedeutet. Sie wissen, dass der Sieg der chinesischen Revolution das Ende der relativen Stabilisierung in den kapitalistischen Ländern bedeuten wird. Sie wissen, dass er die europäische Revolution überaus beschleunigen muss. …

Nur das Proletariat der Sowjetunion und die kommunistische Vorhut der Arbeiterklasse in der Welt erkennen richtig und rechtzeitig die Bedeutung der Ereignisse in China. Deshalb holt der Imperialismus unter britischer Führung zu einem entscheidenden Stoß aus, der die chinesische und die russische Revolution vereinzelt schlagen soll.«

Zu der großen Gruppe chinesischer Kommunisten und fortschrittlicher Intellektueller in Deutschland gehörten vor allem Zhou Enlai, Leiter der Parteizelle der KP Chinas in Westeuropa und Zhu De, für den Zhou Enlai die Bürgschaft bei der Parteiaufnahme übernahm. Zhu De wurde mehrfach von der deutschen Polizei verhaftet und 1925 ausgewiesen. Seine Tochter, Zhu Ming, die in einem sowjetischen Kinderheim lebte, wurde beim Überfall der deutschen Faschisten auf die Sowjetunion gefangen genommen und im KZ Königsberg eingekerkert, aber nicht als Tochter von Zhu De erkannt.

Über den Aufenthalt chinesischer Revolutionäre in Deutschland gibt es noch keine vollständige Darstellung. Während des Besuches von Erich Honecker in China im Oktober 1986, bei dem er auch mit Zhu Ming zusammentraf, erinnerte Deng Xiaoping daran, dass auch er 1923 kurze Zeit in Berlin weilte. Auch die Ehefrau von Sun Yatsen, die spätere Ehrenvorsitzende der VR China, Song Qingling, hielt sich Anfang 1928 bis zum Frühsommer 1929 illegal in Berlin auf. 1930 weilte sie erneut mehrere Wochen in Berlin.

In der KPD existierte eine »chinesischsprachige Gruppe« in der zahlreiche chinesische Kommunisten organisiert waren. Sie war der Delegation der KP Chinas bei der Kommunistischen Internationale in Moskau und dem ZK der KPD zugeordnet. Ab 1932 wurde diese Gruppe von Wang Bingnan geleitet. Er war später Mitarbeiter von Mao Zedong, zuletzt Stellvertretender Außenminister und dann Präsident der Gesellschaft des chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland. Ein Artikel über seine Begegnung mit Ernst Thälmann im Jahre 1932 wurde 1986 veröffentlicht.

Besondere solidarische Unterstützung durch die KPD erfuhr die Kantoner Kommune im Dezember 1927. Scharfer Protest folgte der brutalen Niederschlagung dieses Aufstandes. Am 29. Dezember 1927 fand in den Sälen am Märchenbrunnen in Berlin Friedrichshain eine Kundgebung gegen imperialistischen Massenmord in Kanton statt – unter der Losung »Ehrt die Tausenden ermordeten Kommunarden Kantons«. Der chinesische Vertreter erklärte: »Wenn die bürgerliche und sozialdemokratische Presse behauptet, die chinesische Revolution sei tot, so sagen die Kämpfenden der ganzen Welt, dass die chinesische Revolution mehr denn je lebt und die Kämpfer geloben, das von Lenin, Liebknecht und Luxemburg begonnene Werk der Befreiung der Unterdrückten in China zum Siege zu führen«.

1931/32 entstand im Jinggang Shan das erste Sowjetgebiet Chinas, das auch die Unterstützung der KPD erfuhr. Die KPD veröffentlichte eine von Ernst Schneller verfasste Broschüre »Kochendes Wasser«, in der die Unterdrückung des chinesischen Volkes und sein Befreiungskampf geschildert wurden.

»Die Rote Fahne« veröffentlichte am 14.11.1931 die Grußadresse »An den ersten Sowjetkongress Chinas !«. Dort heißt es: «Im Namen der Arbeiterklasse Deutschlands entbietet das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands dem ersten Sowjetkongress der Sowjetrepubliken Chinas revolutionäre brüderliche Kampfesgrüße. Die Kommunistische Partei erblickt in der chinesischen Sowjetregierung die einzig rechtmäßige Regierung des chinesischen Volkes…

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands ruft die Arbeiterklasse und alle Werktätigen Deutschlands auf zum Kampf für die Verteidigung der chinesischen Revolution.«

Die Presse der KPD entlarvte die deutschen Waffen- und Munitionstransporte für die chinesische Konterrevolution. Die Losung »Hände weg von China« wurde ergänzt durch die Forderung: »Keine Waffen nach China«.

Der deutsche Militarismus beginnt zudem mit der Entsendung von Militärinstrukteuren für die Guomindang Tschiang Kaischeks. Siebzig deutsche Generalstabsoffiziere unterstützten Tschiang Kaischek gegen die Kommunistische Partei Chinas. Im November 1930 richtete das ZK der KP Chinas einen Aufruf an die Werktätigen Deutschlands zum Kampf gegen die Unterstützung von Tschiang Kaischek durch deutsche Offiziere.

Im November 1931 richtete das ZK der KPD ein Grußschreiben an den ersten Sowjetkongress in China. Es rief die Arbeiterklasse und alle Werktätigen Deutschlands zur Verteidigung der chinesischen Revolution auf.

Die Ausweitung der japanischen Aggression gegen China 1931/32 stieß auf die schärfsten Proteste der KPD. Die Reichstagsfraktion der KPD forderte eine Behandlung der Aggression im Reichstag. Die Hamburger Hafenarbeiter entlarvten die Kriegstransporte nach China. Der Appell von Song Qingling, internationale antiimperialistische Aktionen gegen die bewaffnete japanische Invasion durchzuführen, erfuhr breiten Widerhall. Der Appell wurde von Friedrich Wolf, Ludwig Renn, Lion Feuchtwanger, Wieland Hertzfelde, inhaftierten Arbeitern und zahlreichen Organisationen unterstützt.

Arbeiterkorrespondenten entlarvten die Lieferung von Sprengstoffen und Giftgas der IG Farben an die japanischen Invasoren. Die Lieferung von Kriegsflugzeugen von Junkers an die Japaner und die Guomindang-Regierung wurde aufgedeckt. In einer flammenden Rede auf der Tagung des ZK der KPD am 19.2.1932 rief Ernst Thälmann die deutschen Arbeiter auf, Kriegsproduktion und die Kriegstransporte für die japanischen Invasoren in China zu verhindern.

Walter Ulbricht erklärte in seiner Rede im Reichstag am 23.2.1932: »Aber so wenig es den Mördern der chinesischen Revolution möglich war, die Errichtung weiterer Sowjetgebiete in China zu verhindern, ebenso wenig wird es den imperialistischen Mächten gelingen, die chinesische Revolution niederzuschlagen«. In der Broschüre der KPD »Krieg in China« heißt es: »Die werktätigen Massen Deutschlands wählen nicht Hindenburg, den Generalfeldmarschall des letzten Weltkrieges, den Kandidaten der deutschen Verbündeten des japanischen Imperialismus, den Kandidaten der Kriegsaktionäre und Waffenlieferanten, sie wählen den Kandidaten der roten Einheitsfront, den Kandidaten der Bundesgenossen der revolutionären Massen Chinas, den Arbeiter Ernst Thälmann.« Der Wahlkampf in Deutschland war eng mit der Unterstützung des chinesischen Volkes verbunden.

Das Zentrale Exekutivkomitees der Chinesischen Sowjetrepublik, richtete am 6. 9. 1933 einen von Mao Zedong, dem Vorsitzenden des Zentralen Exekutivkomitees unterzeichneten Appell an die Arbeiter, Bauern, Intellektuellen der USA, Englands, Japans, Frankreichs und Deutschlands. Darin heißt es: »Die deutsche faschistische Regierung entsandte 70 Militärspezialisten mit von Seeckt an der Spitze nach Nanjing, die von Tschiang Kaischek zu einer besonderen Sektion beim Generalstab in Nanchang zur Leitung der Kriegsoperationen gegen die Rote Armee organisiert wurden. Von Seeckt hat mit Hilfe der deutschen Generale Wetzell und Kriebel den ganzen Plan des sechsten Feldzuges Tschiang Kaischeks ausgearbeitet«. Im Appell wird zur machtvollen Unterstützung des Kampfes des chinesischen Volkes aufgerufen.

Die Chinesische Liga für Menschenrechte, geleitet von Frau Song Qingling, protestierte im Juni 1933 in einer Erklärung scharf gegen den faschistischen Terror in Deutschland: »Im Namen des menschlichen, sozialen und kulturellen Fortschritts und im Bemühen, die sozialen und kulturellen Errungenschaften der Menschheit zu erhalten, protestiert die Liga für Menschenrechte Chinas aufs Energischste gegen die Gräuel in Deutschland. Wir protestieren gegen diesen schreckensvollen Terror gegen die deutsche Arbeiterklasse und gegen fortschrittliche Denker, gegen einen Terror, der das soziale, intellektuelle und kulturelle Leben Deutschlands verkrüppelt.«

Als während des Langen Marsches im Januar 1935 Truppen der Roten Armee Chinas wiederholt von feindlichen Einheiten umzingelt waren, wurde dort eine Ehrung für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durchgeführt, auf der Marschall Zhu De sprach.

Auf dem 13. Parteitag der KPD im Oktober 1935 sprach auch ein Vertreter des Zentralkomitees der KP Chinas, der Parteitag entsandte ein Grußschreiben an das ZK der KP Chinas.

Zahlreiche Genossen der KPD spielten bei der Unterstützung der chinesischen Revolution eine besondere Rolle, zum Teil waren sie auch in Auseinandersetzungen über die Strategie und Taktik des revolutionären Kampfes verwickelt.

Heinz Neumann, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der KPD, enger Kampfgefährte Ernst Thälmanns, war 1927 bis Ende Januar 1928 Vertreter der Kommunistischen Internationale in China.

1927 hatte Tschiang Kaischek die erste Einheitsfront mit der KP China gebrochen und den weißen Terror gegen die KP China entfesselt. Die Kommunistische Internationale orientierte auf die Bildung von Sowjets und bewaffnete Aufstände in China. Heinz Neumann hat an der Erarbeitung und Realisierung dieser Orientierung mitgewirkt. Er war in den Aufstand vom 1. 7. 1927 in Nanchang (dieser Aufstand wurde zur Geburtsstunde der Chinesischen Volksbefreiungsarmee) und in den Aufstand von Shanghai 1927 einbezogen und er war maßgeblich an dem Aufstand von Guangzhou, der Kantoner Kommune (11. – 14. 12. 1927), beteiligt.

Die Analyse der Ursachen der Niederlage dieser Aktionen ergab, dass Fehler bei der Einschätzung des Charakters der damaligen Etappe der chinesischen Revolution, hinsichtlich des Tempos des Hinüberwachsens der bürgerlich-demokratischen in die sozialistische Revolution und bei der Einschätzung der Klassensituation, der Möglichkeiten der Arbeiter zu Aktionen und der Rolle der Landbevölkerung zugelassen wurden.

Nach der Niederlage der Kantoner Kommune, die mit großen Opfern verbunden war, wurde Heinz Neumann nach Moskau zurückberufen und arbeitete in der Kommunistischen Internationale im Bereich China.

Richard Stahlmann ( Artur Illner ) leistete 1927 – 1928 illegale Arbeit für das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale in China. In dem Buch: »Aus dem Leben eines Berufsrevolutionärs – Erinnerungen an Richard Stahlmann« ( Offizin Andersen Nexö Leipzig 1986 ), heißt es:

»Im Frühjahr reiste Richard nach Shanghai und Kanton. Die Lage in China war aufs Äußerste gespannt. Nach dem Tode Sun Yatsens hatten in der Guomindang und in der nationalrevolutionären Armee die rechten Kräfte zunehmend an Einfluss gewonnen und einen blutigen Terrorfeldzug gegen die revolutionären Arbeiter eröffnet. Kurz bevor Richard in Shanghai eintraf, hatte Tschiang Kaischek erfolgreich gegen die nationalrevolutionäre Regierung geputscht, eine Militärdiktatur errichtet und den Widerstand der Arbeiterklasse im Blut erstickt. Chinesische Konterrevolutionäre und russische Weißgardisten beherrschten die Straßen. Sie entfesselten eine wüste antisowjetische Hetze und verübten Terroranschläge gegen sowjetische Einrichtungen in China.

Auch Richards Anlaufstelle, das Haus der sowjetischen Schifffahrt in Shanghai, stand bei seinem Eintreffen in der Stadt in Flammen. Nach diesem Anschlag versuchte der konterrevolutionäre Mob auch zur sowjetischen Botschaft vorzudringen. Die Genossen der Botschaft ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass sie notfalls gewillt waren, sich im Falle eines Sturms auf die Botschaft mit Maschinengewehren zur Wehr zu setzen.«

Über sein Eintreffen und seine Tätigkeit in China berichtete Richard:
»Über die Beschimpfung und Bedrohung unserer sowjetischen Genossen war ich zutiefst empört. Ich konnte meine Empörung kaum niederringen. Planlos lief ich durch die Straßen Shanghais. Wie sollte ich nun meinen Verbindungsmann finden ? In die Botschaft konnte ich aus den genannten Gründen nicht gehen. Ich war verzweifelt. Aber wie so oft in der illegalen Arbeit spielte der Zufall eine Rolle. Es ist kaum zu glauben, aber ich traf in dieser großen Stadt auf der Straße plötzlich einen Genossen, den ich von der Arbeit in der Komintern kannte und der sogar mit der sowjetischen Botschaft Kontakt hatte. Er erzählte mir, dass sich die Genossen der Botschaft schon Gedanken gemacht hätten, wo der Genosse umherirrt, der im Haus der sowjetischen Schifffahrt anlaufen sollte. Nun wurde endlich durch diesen Zufall alles in Ordnung gebracht. Mit sowjetischen Freunden fuhr ich nach Kanton und führte in Vorbereitung und während des Kantoner Aufstandes Teilaufträge durch. Besonders schmerzlich war der Mangel an Waffen. Unter den revolutionären Truppen herrschte zwar große Begeisterung, aber sie waren ungenügend bewaffnet. Da ich in der Herstellung von Waffen mit einfachsten Mitteln ausgebildet war, half ich, wo ich konnte. So zeigte ich unseren chinesischen Freunden, wie man Rohre oder auch Aluminiumflaschen mit Sprengstoff füllt und wie man die Zünder anlegt. Ich schickte gut bewaffnete Kämpfer in die Kasernen, um die Soldaten für die Teilnahme an den revolutionären Kämpfen zu gewinnen. Viele Soldaten gingen samt Waffen und Munition auf unsere Seite über und reihten sich in unsere Front ein.

Trotz des heldenhaften Kampfes endete der Kantoner Aufstand mit einer Niederlage. In Kanton wütete der weiße Terror. Ich musste mit ansehen, wie viele unserer chinesischen Genossen zusammen getrieben und massenweise erschossen wurden, nachdem sie sich ihr Grab selbst ausgehoben hatten.«

In dieser komplizierten Situation erhielt Richard durch das Exekutivkomitee der Komintern den Auftrag, führende Genossen der KP Chinas, die sich in dem von den reaktionären Truppen abgeriegelten »chinesischen Viertel« verborgen hielten, sicher zum VI. Weltkongress der Komintern nach Moskau zu bringen, der vom 17. Juli bis 1. September 1928 tagte.

Wie aber sollte er in das »Chinesische Viertel« gelangen, das von den konterrevolutionären Truppen umzingelt war ? Wie sollte er eine Verbindung zu den chinesischen Genossen herstellen und ihnen den Auftrag der Komintern zur Teilnahme am Kongress überbringen ? Und wie sollte er die Genossen aus dem »Chinesischen Viertel« herausbringen? Wie in so vielen anderen Fällen so fand Richard auch hier eine Lösung. Chinesische Genossen verkleideten ihn als ambulanten Händler. Sie setzten ihm einen großen, flachen und breiten Hut auf, gaben ihm entsprechende Kleidung und einen Bauchladen mit Waren und schminkten ihn so, dass er von einem echten Chinesen kaum zu unterscheiden war. So gerüstet, gelangte er in das »Chinesische Viertel« und überbrachte Zhou Enlai die Nachricht aus Moskau. Anschließend verkleidete sich Richard als reicher Ausländer und lies sich in einer Rikscha von Zhou Enlai und den anderen chinesischen Genossen aus der Stadt fahren. Dann geleitete er die chinesischen Genossen nach Moskau und sorgte dafür, dass sie rechtzeitig und sicher am Konferenzort eintrafen.

Hier sei noch ergänzt:
Nach der Teilnahme an der Genfer Indochinakonferenz 1954 besuchte Zhou Enlai die Deutsche Demokratische Republik. Die Berliner Humboldt-Universität verlieh ihm den Titel Doktor h. c. Auf dem Empfang, den Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl zu Ehren von Zhou Enlai gaben, erkannte dieser seinen lebensrettenden »Rikschagast« aus Kanton wieder. Richard Stahlmann war einer der führenden Mitarbeiter des gerade gebildeten Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Zhou Enlai umarmte Richard mit großer Herzlichkeit und verkündete, auch zum Erstaunen der Anwesenden: »Dieser Genosse hat mir das Leben gerettet.«

Von 1931 bis Anfang 1934 war Manfred Stern als Militäraufklärer und Vertreter der Komintern mehrmals in China, zunächst im Nordosten Chinas ( im Zusammenhang mit der japanischen Invasion ) und später als Hauptmilitärberater beim illegalen Büro des ZK der KP Chinas in Shanghai. Ruth Werner erwähnt in ihren Erinnerungen ein Treffen in Shanghai im Jahre 1933, bei dem neben Manfred Stern auch Richard Sorge und Otto Braun anwesend waren. Das Fernostbüro des EKKI stand zu jener Zeit unter Leitung des deutschen Kommunisten Arthur Ewert.

Otto Braun ( 1900 – 1974 ), seit Gründung Mitglied der KPD, war 1932 bis 1939 Militärberater der Komintern beim ZK der KP Chinas ( in China bekannt unter dem Namen Li De ). Otto Braun arbeitete zunächst in Shanghai, später im ersten Zentralen Sowjetgebiet im Jinggang Shan, war dann Teilnehmer des Langen Marsches ( er war der einzige ausländische Teilnehmer des Langen Marsches ) und lebte bis zu seiner Rückkehr nach Moskau 1939 im Stützpunkt des ZK der KP Chinas Yanan.

Otto Braun war stärker als alle anderen nach China entsandten Vertreter der Komintern in die Auseinandersetzungen um die Strategie der KP Chinas im revolutionären Kampf eingebunden.

1930 und 1931 führte Tschiang Kaischek mehrere militärische Aktionen gegen die Basen der Revolution, die von den Truppen der KP Chinas unter Leitung von Mao Zedong und Zhu De zurückgeschlagen wurden. Infolge eines weiteren Angriffes von Tschiang Kaischek mit über 500 000 Soldaten und durch Auseinandersetzungen in der Parteiführung der KP Chinas über das weitere Vorgehen musste im Oktober 1934 das Sowjetgebiet im Jinggang Shan aufgegeben werden. Es begann der Lange Marsch. Auf der Zunyi-Konferenz der Führung der KP Chinas im Januar 1935 fiel eine Entscheidung in den Auseinandersetzungen in der Parteiführung, die die von Otto Braun vertretene Linie der Komintern korrigierte und die von Mao Zedong vertretene Orientierung für den erzwungenen Langen Marsch bestätigte. Otto Braun verblieb in China, hatte jedoch keinen Einfluss mehr auf die Entscheidungen der chinesischen Partei- und Armeeführung.

Eine besondere Rolle spielte Hans Grzyb ( auch: Hans Shippe ), geb. 1897 in Krakow, Mitglied der KPD seit 1919. Er war im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen mit Fischer / Maslow aus der KPD ausgeschlossen worden. Er arbeitete als Journalist, kam 1925 nach Guangzhou, die Zentrale der Zusammenarbeit zwischen der KP Chinas und der Guomindang, trat in die gemeinsamen Streitkräfte der Einheitsfront ein und arbeitete in ihrem Übersetzerbüro. Während seiner mehrfachen, längeren Aufenthalte in China hatte er enge Beziehungen zur Kommunistischen Partei und ihren führenden Vertretern. Er schrieb zahlreiche Artikel und mehrere Bücher über China und die chinesische Revolution, insbesondere über die Lage auf dem chinesischen Dorf. Oft benutzte er das Pseudonym »Asiatikus«. 1941 hielt er sich in dem revolutionären Stützpunkt des antijapanischen Widerstandskrieges in der Provinz Shandong auf, er schrieb Artikel über den Widerstandskampf und griff gegen angreifende japanische Truppen selbst zur Waffe. Hans Grzyb fiel am 30. 11. 1941 in Shandong. Auf dem Heldenfriedhof Lin Yi in Shandong ist er bestattet, ein Denkmal und eine Ausstellung wurden ihm zu Ehren errichtet.

Hans Grzyb ist meines Wissens der einzige deutsche Kommunist, der im bewaffneten revolutionären Kampf des chinesischen Volkes ums Leben kam.

Noch ein Zusatz aus dem Beginn der Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik China:
Zum 70. Geburtstag Stalins weilte auch Wilhelm Pieck im Dezember 1949 in Moskau. Er traf dort mit Mao Zedong zusammen, sie waren auch Tischnachbarn bei einem offiziellen Essen. Im Gespräch erkundigte sich Wilhelm Pieck nach der Versorgung in China. Mao Zedong gab ausführlich Auskunft und bemerkte dabei, dass es mit der Zuckerversorgung große Probleme gebe, weil der Anbau von Zuckerrohr im Süden des Landes für die große Bevölkerung nicht ausreiche. Wilhelm Pieck sprach sofort über die Zuckerrüben, die in der DDR angebaut werden. Daraus entwickelte sich das wahrscheinlich erste große Projekt der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder. Heute ist der Anbau von Zuckerrüben im Norden Chinas weit verbreitet.

Quelle: secarts.org