Zur Ermordung Patrice Lumumbas vor 53 Jahren

Posted on 17. Januar 2014 von

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lu„Seit Lumumba tot ist, hört er auf, eine Person zu sein. Er wird zu ganz Afrika.“

– Jean-Paul Sartre (1905 – 1980)

Heute vor 53 Jahren wurde der erste Ministerpräsident Kongos, Patrice Lumumba (2.7.1925 – 17.1.1961) von westlichen Geheimdienste verschleppt und ermordet. Lumumba war eine der herausragenden Symbolfiguren des antikolonialen und antiimperialistischen Kampfes in Afrika und der ganzen Welt. Aus diesem Anlass dokumentieren wir die Rede von Patrice Lumumba am Tag der Unabhängigkeit vom belgischen Joch am 30. Juni 1960. Nach seiner Ermordung installierte Belgien mit der Hilfe Großbritanniens und der Vereinigten Staaten eine Militärdiktatur unter Oberst Joseph Mobutu, die bis 1997 andauerte.

Männer und Frauen des Kongo,

liebe KämpferInnen für die Unabhängigkeit, heute siegreich, ich begrüße Euch im Namen der kongolesischen Regierung. Ihr alle, meine FreundInnen, die Ihr unermüdlich an unserer Seite gekämpft habt, ich bitte Euch diesen 30. Juni 1960 zu einem illustren Datum zu machen, die Ihr unauslöschlich in Eurem Herzen eingraviert bewahrt, ein Datum dessen Bedeutung Ihr Euren Kindern lehrt, so dass sie wiederum ihren Kindern und Enkeln die glorreiche Geschichte unseres Kampfes für Freiheit bekannt geben.

Für diese Unabhängigkeit des Kongo, wie sie heute zusammen mit Belgien gefeiert wird, ein befreundetes Land mit dem wir von gleich zu gleich handeln, wird kein Kongolese der diesen Namen verdient vergessen dass wir sie im Kampf gewannen (Applaus). Ein Kampf von Tag zu Tag, ein glühender und idealistischer Kampf, in dem wir von keiner Entbehrung, keinem Leiden verschont blieben und für den wir unsere Kraft und unser Blut gaben.

Wir sind stolz auf diesen Kampf, die Tränen, das Feuer und das Blut, bis in die Tiefen unseres Seins, denn es war ein nobler und gerechter Kampf, und unentbehrlich um der erniedrigenden Sklaverei das uns mit Gewalt aufgedrückt wurde ein Ende zu bereiten.

Dies war unser Schicksal während acht Jahren des kolonialen Regimes; unsere Wunden sind zu frisch und noch immer zu schmerzhaft um sie aus unserer Erinnerung zu vertreiben. Wir haben zermürbende Arbeit kennen gelernt, mussten sie für einen Lohn erbringen, der es uns nicht ermöglichte, den Hunger zu vertreiben, uns angemessen zu kleiden oder in anständigen Verhältnissen zu wohnen oder unsere Kinder als geliebte Wesen groß zu ziehen.

Wir haben Spott, Beleidigungen und Schläge kennen gelernt, die wir morgens, mittags und abends ertragen mussten, weil wir Schwarze sind. Wer wird vergessen, dass zu einem Schwarzen „Du“ gesagt wurde, bestimmt nicht als ein Freund, sondern weil das ehrenwertere „Sie“ allein für die Weißen reserviert war?

Wir haben gesehen, wie unser Land im Namen von angeblich rechtmäßigen Gesetzen aufgeteilt wurde, die tatsächlich nur das Recht des Stärkeren anerkannten.

Wir haben gesehen dass das Gesetz für Schwarze und Weiße nicht gleich ist, bequem für Erstere, grausam und unmenschlich für Letztere.

Wir haben entsetzliches Leiden erlebt von denjenigen die für ihre politische oder religiöse Gesinnung verurteilt wurden; in ihrem eigenen Land im Exil, ihr Schicksal wahrlich schlimmer las der Tod selbst.

Wir haben gesehen, dass es in den Städten herrliche Häuser für die Weißen gab und baufällige Hütten für die Schwarzen, dass Schwarze weder in die Kinos gelassen wurden, noch in die Restaurants, noch in die Geschäfte der EuropäerInnen; dass Schwarze im Rumpf der Schiffe reisten, zu Füßen der Weißen in ihren Luxuskabinen.
Wer wird je die Massaker vergessen, in denen so viele unserer Geschwister umgekommen sind, die Zellen, in die jene geworfen wurden, die sich weigerten, sich einem Regime der Unterdrückung und Ausbeutung zu unterwerfen? (Applaus)

All dies, meine Brüder, haben wir erlitten.

Wir jedoch, die wir durch die Stimmen der von Euch gewählten VertreterInnen das Recht erhalten haben, unser geschätztes Land zu leiten, wir die wir in unserem Körper und Herzen durch koloniale Unterdrückung gelitten haben, wir sagen ganz laut, all dies hat nun ein Ende.
Die Republik von Kongo ist ausgerufen worden, und unser Land ist nun in der Hand der eigenen Kinder.

Zusammen, meine Brüder, meine Schwestern, werden wir einen neuen Kampf beginnen, ein erhabener Kampf, das unser Land zu Frieden, Wohlstand und Größe führen wird.

Zusammen werden wir soziale Gerechtigkeit aufbauen und sicherstellen, daß alle eine gerechte Entlohnung für ihre Arbeit erhalten. (Applaus)

Wir werden der Welt zeigen was Schwarze tun können wenn sie in Frieden arbeiten, und wir werden Kongo zum Zentrum des strahlenden Glanzes der Sonne für ganz Afrika machen.

Wir werden die Ländereien unseres Landes im Auge behalten um sicherzustellen dass wirklich dessen Kinder davon profitieren. Wir werden traditionelle Gesetze wieder einführen und neue erlassen die gerecht und nobel sind.

Wir werden der Unterdrückung freier Meinungsäußerung ein Ende setzen und dafür sorgen dass alle BürgerInnen vollends die Grundrechte genießen die in der Menschenrechtserklärung vorgesehen sind (Applaus).

Wir werden nicht mit dem Frieden der Gewehre und Bayonette regieren sondern mit einem Frieden des Herzens und des Wollens. (Applaus).

Und für all dies, liebe Landsleute, könnt Ihr sicher sein, dass wir nicht nur auf unsere riesige Kraft und immensen Reichtümer zählen werden sondern auch auf die Unterstützung durch zahlreiche fremde Länder deren Zusammenarbeit wir annehmen werden wenn sie aus freien Stücken gewährt wird und ohne Versuch uns eine andere Kultur welcher Natur auch immer aufdrücken will (Applaus).

Eurer Majestät, Exzellenzen, meine Damen und Herren, meine Mitbürger und Brüder im Kampf, meine Brüder der Rasse, das wollte ich euch sagen.

Es lebe die Unabhängigkeit und die afrikanische Einheit. Es lebe der unabhängige Kongo!

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