Rosa & Karl – Die Gemeuchelten sind nicht tot

Posted on 31. Dezember 2014 von


Terminhinweis: Demonstration im Rahmen der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung am 11. Januar 2015
um 10.00 Uhr vom U-Bhf. Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde

rosa-und-karlvon Anton Latzo

Das schrieb Clara Zetkin im Februar 1919 über Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. „Ihr Herz schlägt in der Geschichte fort, und ihr Geist leuchtet weit über diese düsteren  und doch nicht hoffnungslosen Tage hinaus. Das Proletariat wird das reiche Erbe antreten, das ihm Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Wort und Tat, in Lebenswerk und Beispiel hinterlassen. Die Gemeuchelten leben, sie werden die Sieger der Zukunft sein.“ (Clara Zetkin, Ausgewählte Reden und Schriften , Bd. II, Berlin 1960, S. 92)

Die fast hundertjährige Geschichte der Würdigung dieser Revolutionäre war stets auch Prozess des Erinnerns an ihre Erfahrungen, an ihre Erfolge  und ihre Niederlagen. Jeder, der sich mit diesen Persönlichkeiten, diesen Gewaltigen der marxistischen Erkenntnis und revolutionären Tatkraft, diesen Meistern des Wortes und der Feder (Hermann Duncker) beschäftigte und beschäftigt, muss, ob er will oder nicht, im Klassenkampf, im Kampf zwischen marxistisch-leninistischer und bürgerlicher Ideologie, Partei ergreifen. Mit seinen Schlussfolgerungen und seiner Haltung entscheidet er so über seinen eigenen Platz in den Kämpfen der Zeit, über seine Stellung im revolutionären Prozess des Kampfes für die Durchsetzung des gesellschaftlichen Fortschritts, in der Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus.

Rosa und Karl zu ehren, bedeutet, das in ihren Reden, Schriften und revolutionären Handlungen hinterlassene revolutionäre Erbgut aufzugreifen, es sich anzueignen und für das konkrete Handeln in unserer Zeit aufzuarbeiten. Dieses Erbgut widerspiegelt nicht nur die historischen Voraussetzungen und Begleitumstände ihrer Zeit. Es vermittelt grundlegende Erkenntnisse für alle Kommunisten, Sozialisten, Marxisten im Prozess und in den verschiedenen Phasen des Klassenkampfes, so auch in jenen, in denen die Arbeiterklasse noch keine eigene Revolution konkret in Angriff nehmen kann.

So ergibt sich für die  kommunistische, marxistische Partei in dieser Phase der Entwicklung des kapitalistischen Staates und des Klassenkampfes die Aufgabe, das Recht auf Revolution zu verteidigen und sich mit den notwendigen Fähigkeiten für die Revolution zu rüsten, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Die Bedingungen für den Kampf werden dabei nicht einfacher.

Die Bourgeoisie hat 1918 mit Hilfe der rechten Führer der Sozialdemokratie dem Volke in feierlichsten Erklärungen die „Sozialisierung“ versprochen. Als aber das revolutionäre Proletariat gefordert hat, die Versprechungen einzulösen, wurde es seiner Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg beraubt und dann etappenweise niedergeschlagen.

Schon 1848 hatte man in Preußen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht  versprochen. Durch den Staatsstreich vom 5. Dezember 1848 wurde aber dem Volk  das schmachvolle Dreiklassenwahlrecht aufgezwungen. Die Vorkämpfer des Proletariats wurden 1849 unter Anklage des Hochverrats vor Gericht gestellt. Im Unterschied zu 1918 wurden sie von bürgerlichen Gerichten noch freigesprochen. Das änderte sich jedoch mit dem Aufkommen des deutschen Imperialismus. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden meuchlings ermordet! Ernst Thälmann  musste das gleiche Schicksal erleiden. Seit 1918 stehen ununterbrochen Kommunisten vor Gericht  und werden niemals freigesprochen. Das war auch so, als Mitte der 1950er Jahre die KPD und die Jugendorganisation FDJ auf Betreiben der Bundesregierung verboten wurden und wurde auch nach 1989, nach der Einverleibung der DDR, praktiziert.

Einen wichtigen Beitrag leisteten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg im Kampf gegen den sich ausbreitenden Revisionismus. Das geschah vor allem im Sinne eines Rückgreifens auf den unverfälschten Marxismus und auf Auswertung der internationalen Erfahrungen. Das stand am Anfang des Weges zu einer starken kommunistischen Partei!

Es erfolgte zweitens in der theoretischen Erschließung der neuen ökonomischen, politischen und ideologischen Probleme, die die Etappe des Imperialismus und der ersten proletarischen Revolution aufwarfen.

Zu Beginn vollzog sich der Kampf gegen den Reformismus noch im Schoße der alten Sozialdemokratie. Man hoffte eben  noch, die alte Sozialdemokratische Partei vor dem reformistischen Ansturm retten zu können. Hinzu kam auch, dass das ganze Ungeheuer des künftigen politisch ausgewachsenen Reformismus nicht in der Breite im voraus klar zu erkennen war. Man empfand die Versuche von Bernstein & Co eben doch als „Versuche“ , die Partei umzugestalten, den Marxismus zu revidieren bzw. auszuschalten. Man übersah in der Sozialdemokratie auch, dass die Steigerung der Quantität der opportunistischen „Entgleisungen“ in revisionistische Qualität umschlagen. Und so war man in dem Entscheidungsjahr 1914 an dem Punkt angekommen, an dem aus der einst revolutionären Sozialdemokratie eine kleinbürgerlich-demokratische  Reformpartei übriggeblieben war.

Im Kampf von Karl Liebknecht und besonders von Rosa Luxemburg gegen die reformistische Theorie und Praxis, der zum Ausgangspunkt für die Herausarbeitung der Grundlagen der Kommunistischen Partei in Deutschland wurde, ist

besonders Rosa Luxemburgs „Sozialreform oder Revolution“ herauszuheben. Dieses „Dokument der Auferstehung des Kommunismus in Deutschland“ (Hermann Duncker) legt das Wesen des Reformismus bloß und liefert notwendige Argumente für den aktuellen Kampf gegen ihn und für die organische Verknüpfung des praktischen Tageskampfes mit dem Endziel.

Überschauen wir das Wirken von Karl und Rosa so ragt als weiterer Schwerpunkt ihre unbändige Gegnerschaft zum Krieg hervor, die sich aber niemals auf Pazifismus beschränken lässt. Angesichts der in Waffen starrenden Welt und der sich in in imperialistischen Militärpakten zusammenschließenden europäischen Großmächte war  für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg der antimilitaristische Kampf  zu einer Aufgabe ersten Ranges geworden. Sie leiteten diese Aufgabe nicht nur aus dem Zustand der Gesellschaft und der Politik der Herrschenden ab, sondern auch aus dem Zustand in der Partei, in der sich Revisionismus, Reformismus und Zentrismus immer mehr ausbreiteten.

Im Militarismus sah Karl Liebknecht dasjenige Instrument der Gesellschaft, dessen „Zweck und Wesen die Gewalt ist“, wie er in seiner Schlussrede im Prozess vom 10. Oktober 1907 erklärte, der gegen ihn wegen seiner Broschüre „Militarismus und Antimilitarismus“ geführt wurde. Der Militarismus stellt die höchste  Konzentration der brutalen Gewalt des Kapitalismus dar. Militarismus ist aber nicht nur die Armee in ihren verschiedenen Gestalten. Er greift weit aus in die bürgerliche Welt, unser ganzes öffentliches Leben umklammernd und bis in seine feinsten Fasern  durchdringend, stellte Karl Liebknecht fest.

Rosa Luxemburg bezeichnete den Militarismus  als den Todfeind  aller Kultur. Militarismus, Marinismus, die Jagd nach Kolonien und die Reaktion sind internationale Erscheinungen und bringen eine permanente internationale Kriegsgefahr mit sich,darum sollte der Alliance der internationalen Reaktion  das Proletariat  eine internationale Protestbewegung entgegensetzen. (Internationaler Sozialisten-Kongreß zu Paris, 25. bis 27 September 1900 Berlin 1900, S. 27)

Das wesentliche Ziel der antiimperialistischen Propaganda, schlussfolgerte Karl Liebknecht auf der I. Internationalen Konferenz der sozialistischen Jugendorganisationen in Stuttgart, 26. Mai 1907, „ist die Zermürbung und Zersetzung  des militaristischen Geistes  zur Beschleunigung der organischen Zersetzung des Militarismus. Aufklärung des Proletariats über das Wesen des Kapitalismus, des Militarismus und seiner besonderen Funktionen innerhalb des Kapitalismus, das ist die Grundlage, das breite Fundament eines jeden möglichen Antimilitarismus, ein Fundament, an das weder Polizei noch Justiz ernstlich herankommen“. Daraus folgt, dass Friedenskundgebungen, ganz gleich welcher Art, nicht zu einer Abart der Speakers‘ Corner werden dürfen.

In tiefer Erkenntnis der Rolle der Massen im Kampf um das Recht der Völker erklärte Karl Liebknecht im Prozess, der 1907 vor dem Reichsgericht gegen ihn stattfand: „Ich verfolge den Zweck, die Entscheidung  über Krieg und Frieden aus dem Dunkel der Kabinette und Diplomatenschleichwege herauszuholen und an das Licht der Öffentlichkeit zu ziehen“. Auch das ist eine Lehre!

(geschrieben im Dezember 2014 für den „Berliner Anstoss“)

 

 

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