Sieg über den Faschismus ist eine Tat der Befreiung (Teil 1)

Posted on 27. Januar 2015 von


Betrachtungen zu Ursachen des 2. Weltkrieges

Rotarmisten_Unter_den_Lindenvon Prof. Dr. Anton Latzo

 

Die Geschichte der unmittelbaren und weiter entfernteren
Vergangenheit ist schmerzlich, aber voller Lehren.

Seitdem der Kapitalismus in die Phase der Entwicklung zum Imperialismus eingetreten ist, drängen seine Kriege nach größter Ausweitung, sie werden zu Weltkriegen.

Gerade angesichts von Entwicklungen in der Gegenwart müssen wir uns immer wieder bewusst machen: In allen großen Kriegen seit 1871 in Europa waren es deutsche Soldaten und Offiziere, die auf Befehl ihrer Vorgesetzten in fremde Länder eindrangen, unmessbares Leid über die Völker brachten und sich zu zahllosen Verbrechen missbrauchen ließen.

Das Wissen über die Ursachen, den Verlauf und die Ergebnisse des 2. Weltkrieges erleichtert das Verständnis für eine Reihe wichtiger Fragen und Probleme des antiimperialistischen Kampfes in der Gegenwart.

 

Der zweite Weltkrieg erwächst aus den Widersprüchen des Kapitalismus

Der zweite Weltkrieg entstand aus der weiteren Vertiefung der allgemeinen Krise des Kapitalismus, der Verschärfung seiner Widersprüche und aus dem verschärften Kampf der imperialistischen Mächte um Rohstoffquellen, Absatzmärkte und Kolonien sowie um die Neuaufteilung der politischen Vor- bzw. Weltherrschaft nach dem ersten Weltbrand.

In diesem Kampf entstanden zwei imperialistische Blöcke. Der eine Block bestehend aus England, Frankreich und den USA und der andere bestehend aus den faschistischen Staaten Deutschland, Italien und das militaristische Japan. Ihr Kampf um Märkte und Rohstoffgebiete mündete in einen neuen imperialistischen Weltkrieg.

Hauptkraft war dabei der deutsche Imperialismus und Militarismus, der ohne Rücksicht auf Zivilisation und Völkerrecht zur Führung eines Krieges entschlossen war, in ihm die nationale Souveränität der fremden Staaten mit den Füßen trat und ganze Völker ausrotten wollte.

Der deutsche Imperialismus kämpfte dabei nicht nur um Teilhabe an der Beherrschung der Völker und Reichtümer der Welt, sondern um die völlige Beherrschung und Ausbeutung, um die alleinige, um die absolute Weltherrschaft. Mit seiner Aggression gegen die UdSSR verfolgte das deutsche Monopolkapital imperialistische Raub- und Klassenziele. Ihre Erreichung sollte der wichtigste Schritt auf dem Wege zur Weltherrschaft sein.

Gleichzeitig wollte es damit die internationale Arbeiterbewegung und die nationalen Befreiungsbewegungen empfindlich treffen.

 

Deutscher Imperialismus – Hauptkraft der Reaktion

Deutschland hat keinen Präventivkrieg geführt, wie es manche Historiker behaupten.

Schon 1917 hatte der Eroberungskrieg gegen Russland/Sowjetunion eine vorrangige Rolle in den Weltherrschaftsplänen des deutschen Imperialismus gespielt. Sofort nach dem 1. Weltkrieg begann er mit der Vorbereitung der Revanche und leitete die Wiederaufrüstung ein. Dabei erhielt er aktive Unterstützung von den Westmächten, die das gleiche Vorgehen nach 1945 wiederholten. Getrieben vom Antikommunismus begünstigten diese den Aggressor und versuchten, ihn gegen das sozialistische Land zu treiben. Somit war der Überfall des faschistischen Deutschland auf die Sowjetunion zugleich der Versuch des Weltimperialismus, den Gang der Geschichte zurückzudrehen und seine ungeteilte Herrschaft auf der ganzen Erde wiederherzustellen.

In der Zwischenzeit sind 70 Jahre seit der Befreiung vom Faschismus vergangen, aber auch heute muss – angesichts der internationalen Entwicklung und der Entwicklung besonders in den imperialistischen Staaten – über die Ursachen des zweiten Weltkrieges nachgedacht werden. Vor allem gilt es, die Frage in den Mittelpunkt zu stellen, welche sozialen Kräfte den Aggressor gezüchtet und seine todbringende Aktivität entfesselt haben.

Nach dem ersten Weltkrieg blieb der Imperialismus und damit die ökonomische Grundlage der Kriege, die er erzeugte, bestehen.

Es wäre unzulänglich, die Ursachen des zweiten Weltkrieges nur auf den einen oder anderen ökonomischen oder politischen Faktor zurückzuführen. Sie wurzeln in einer Realität, die einem bestimmten Entwicklungsstadium des kapitalistischen Systems immanent ist und die diese ökonomischen und politischen Faktoren hervorbringt.

 

Imperialismus und Krieg

Nach dem ersten Weltkrieg blieb der Imperialismus und damit auch die ökonomische Grundlage der Kriege bestehen. Seine weitere Entwicklung bestätigt die wissenschaftliche Erkenntnis des Marxismus-Leninismus, dass durch die ungleichmäßige ökonomische und politische Entwicklung des Kapitalismus das Bestreben nach einer Neuverteilung der Anfang des 20. Jahrhunderts unter den Großmächten bereits verteilten Welt gemäß dem neuen Kräfteverhältnis wachgerufen bzw. verstärkt wurde. Es bestätigt sich die Erkenntnis, dass das Kapital und seine Verwalter, die stets nach mehr Profit und Herrschaft streben, keine andere Grundlage für die Verteilung der Welt und ihrer Reichtümer als Kapital und Macht (Vormacht und Herrschaft) kennen.

Das staatsmonopolistische Stadium des Kapitalismus bedingt die Verschärfung des Kampfes um die Neuverteilung aller Quellen des Profits und damit die Verschärfung des Konkurrenzkampfes, der die Beseitigung des Konkurrenten oder zumindest seiner Konkurrenzfähigkeit zum Ziel hat. „Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflusssphären, der Kolonien usw. keine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar.“ (W.I. Lenin, Werke, Bd. 22. S.300) Die Entfesselung des zweiten Weltkrieges bestätigt, dass friedliche Bündnisse zwischen den imperialistischen Mächten, ihren Koalitionen „… notwendigerweise nur ‚Atempausen‘ zwischen Kriegen – gleichviel, in welcher Form diese Bündnisse geschlossen werden, ob in der Form einer imperialistischen Koalition gegen eine andere imperialistische Koalition oder in der Form eines allgemeinen Bündnisses aller imperialistischen Mächte (sind). Friedliche Bündnisse bereiten Kriege vor und wachsen ihrerseits aus Kriegen hervor, bedingen sich gegenseitig, erzeugen einen Wechsel der Formen friedlichen und nicht friedlichen Kampfes auf ein und demselben Boden imperialistischer Zusammenhänge und Wechselbeziehungen der Weltwirtschaft und Weltpolitik.“ (Ebenda, S.301)
Kriegsideologie greift um sich und verdrängt Aufklärung und Humanismus

Die Geschichte der Außenpolitik des deutschen Imperialismus liefert für diese

Erkenntnisse ausreichend Beweise. Eine der zentralen Thesen, in denen das Bestreben des deutschen Monopolkapitals zum Ausdruck kommt, ist die Forderung nach der „Neuordnung Europas“, die stets sowohl wiederkehrender Vorwand als auch konstante Zielsetzung deutscher Expansionspolitik war und es geblieben ist!

Schon die Gründung des Deutschen Reiches (1870/1871) erfolgte im Sinne der „Neuordnung“. Sie erfolgte im Gefolge eines Eroberungskrieges!

Eines der schlimmsten Ergebnisse, die die undemokratische Einigung Deutschlands schon damals mit sich brachte, war die Stärkung des preußisch-deutschen Militarismus. Die Armee wurde zu einer zentralen Institution der Gesellschaft und des Staates. Die militaristische Kriegsideologie wurde entwickelt und nahm zunehmend eine zentrale Stelle im geistigen Leben der Gesellschaft ein.

Der damals einflussreiche Adolf Lasson erklärte in seiner Schrift „Das Culturideal und der Krieg“ (1868) den Krieg für ein „Fundamentalinstitut des Staates“ (S. 18) und den Nationalhass als „sittliche Notwendigkeit“ (S. 42) und postulierte: „in dieser Welt der Realitäten ist kein Raum für ewigen Frieden“(S.68), um dann 1871 in seiner Schrift „Princip und Zukunft des Völkerrechts“ ausdrücklich den juristischen und verbindlichen Charakter des Völkerrechts zu leugnen.

Solche Gedankengänge entwickelte auch Heinrich von Treitschke und erklärte: Ist „diese Zeit von Eisen, so bleibt es auch eine Notwendigkeit für die Gesittung der Welt, daß eine Nation bestehe, die neben dem Idealismus der Wissenschaft zugleich den Idealismus des Krieges behüte… Und dies ist Deutschlands herrlicher Beruf.“ (Preußische Jahrbücher, 26. Band, 1870, S. 243) In diesem Geiste wurde die Einheit Deutschlands schon damals herbeigeführt.

Dieses Denken sollte geistiges Substrat bei der Züchtung des Militarismus in Deutschland und bei der Vorbereitung und Entfesselung von Kriegen, darunter der zwei verheerenden Weltkriege, werden. Es ist Ausdruck des Verfalls des bürgerlichen Denkens in die Apologetik, mit all den negativen Konsequenzen. Es ist das Denken einer alt gewordenen Zeit, der Epoche des Imperialismus. Der politische Zerfall wird vom ideologischen Verfall begleitet. Sowohl in der Sphäre der Ideologie des Reformismus wie der Ideologie des liberalen Bürgertums machen sich ideologische Konstruktionen breit, die das wahre Wesen der vom Imperialismus geprägten Wirklichkeit verkleistern.

Durch die Schaffung des dazugehörigen Instruments in Gestalt des einheitlichen kapitalistischen Staates und einer den Zielen entsprechenden ideologisch-politischen Atmosphäre wurde eine Grundlage geschaffen, die es erlaubte, dass mit dem beginnenden imperialistischen Zeitalter die deutschen Monopolkapitalisten und Junker den Kampf um einen „Platz an der Sonne“, den Kampf um Absatzmärkte und Rohstoffe gegen ihre imperialistischen Konkurrenten aufnahmen, bis zum ersten Weltkrieg treiben konnten und damit in den zweiten Weltkrieg gingen.

Mit der Entwicklung des zu spät gekommenen deutschen Imperialismus wurde auch das politische Denken, das geistige Leben der Gesellschaft zum Abbild einer alternden und alt gewordenen Zeit. Es entwickelt sich als Gegenstück zum Friedensdenken (Kant), zu jenem bürgerlichen Denken, das noch gesellschaftliche Entwicklung und Verantwortung sowie menschliche Solidarität aufgedeckt und begründet hat.

Vorherrschend und bestimmend für das geistige Leben wurden diejenigen reaktionären ideologischen Positionen, die für die Begründung der Stabilisierung und Ausweitung der bestehenden Macht und besonders aggressiven Politik des Kapitals einsetzbar waren.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             In diesem Sinne forderte die damalige Politik durch Bernhard von Bülow, Staatssekretär im Auswärtigen Amt und von 1900 bis 1909 Reichskanzler, in einer Reichstagsdebatte (6. Dezember 1897): „…wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen unseren Platz an der Sonne“.

Damit charakterisierte er die Expansionsbestrebungen des deutschen Imperialismus, den auf der Grundlage der ungleichmäßigen Entwicklung der kapitalistischen Länder sich immer stärker entfaltenden Drang der herrschenden Kreise Deutschlands, gewaltsam eine Neuaufteilung der Welt zu erzwingen.

Diese Positionierung der Regierung zeigt, dass der zu spät gekommene deutsche Imperialismus bereits frühzeitig, gestützt auf staatliche Macht und mit staatlichem Instrumentarium seine Expansion in den verschiedenen Formen, mit „friedlichen“ wie auch militärischen Mitteln forcierte. Diese Entwicklung führte gleichzeitig zur Verschärfung der Gegensätze zwischen Deutschland und den anderen imperialistischen Mächten, häufte Zündstoff an, der sich dann im ersten Weltkrieg entlud.

 

Streben nach „Neuordnung“ erwächst aus den Interessen des deutschen Kapitals und richtet sich besonders gegen Russland

Bereits im Jahre 1893 wurde in einer Publikation zur strategischen Fragen der Außenpolitik als „die nächste Aufgabe unserer Diplomatie“ genannt, „alle Staaten West- und Mitteleuropas zu einem gemeinsamen Unternehmen gegen Russland zu vereinigen“.(Carl Jentsch, Weder Kommunismus noch Kapitalismus, Leipzig 1893, S. 412)

Friedrich Ratzel entwickelte zu gleicher Zeit den Begriff vom Lebensraum, dessen Schaffung er als permanenten Kampf definierte. Der Kompass der Germanen zeige nach Osten!

Die Forderung bedeutete von Anfang an Gebietsanspruch. Sie diente als Argument zur Rechtfertigung der territorialen Expansionsbestrebungen. Noch vor dem ersten Weltkrieg mündete sie in der Forderung nach Lebensraum im Osten!

Das Interesse des deutschen Monopolkapitals und seiner Regierungen an einer „Zerlegung“ von Staaten in Ost- und Südosteuropa, die die deutsche Vorherrschaft garantieren sollte und soll, hat also eine lange Tradition und wird in Vorbereitung des zweiten Weltkrieges und auch nach 1990 erneut in die Praxis umgesetzt (Russland, Sowjetunion, Jugoslawien, Russland, Ukraine …).

Der Versuch des deutschen Imperialismus, mit militärischen Mitteln im ersten Weltkrieg die Herrschaft in Europa zu erlangen, scheiterte.

Die Monopolvertreter veränderten daher in der Zeit der Weimarer Republik die Formen der Verwirklichung ihrer Expansionsbestrebungen, jedoch nicht die grundsätzliche Zielstellung. Das eigene Herrschaftsgebiet soll ökonomisch zum „Großraum“ und politisch zu „Europa“ erweitert werden. „Ergänzungsräume“ sind Afrika und Asien.

Hjalmar Schacht, Reichsbankpräsident, Wirtschaftsminister und Wegbereiter des Faschismus in Deutschland, in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher angeklagt, aber freigesprochen, der bis zu seinem Tode 1970 in der Bundesrepublik lebte, stellte am 7. Dezember 1930 die einfache Forderung auf: „Gebt dem deutschen Volk wieder Lebensraum in der Welt“. Und Reichskanzler Heinrich Brüning sprach am 8. Juli 1930 bei der Formulierung der Antwort auf den Europaplan des französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand davon, dass Deutschland ausreichend Lebensraum brauche: „Seine Voraussetzungen für eine gerechte und dauerhafte Ordnung Europas, in dem Deutschland seinen ausreichenden natürlichen Lebensraum haben müsse, seien klarzulegen.“ (Zitiert nach: de.wikipedia.org/wiki/Lebensraum)

Bei so viel Übereinstimmung zwischen Wirtschaft/Banken und Politik bedurfte es nur noch eines Ausführenden.

 

Faschisten als Vollstrecker der Ziele des deutschen Imperialismus

Mitte der 1920er Jahre entwickelte Hitler in seinem „Mein Kampf“ in einem besonderen Kapitel über Ostorientierung oder Ostpolitik ausführlich seine Lebensraumpläne und bot sich als Vollstrecker der Pläne des deutschen Monopolkapitalismus an. Er rief dazu auf, dem deutschen Volk den „ihm gebührenden Grund und Boden auf dieser Erde zu sichern“. Weiter hieß es: „Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrzehnten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Russland und die ihm untertanen Randstaaten denken.“ Man wollte eine „Neuordnung“ Europas auf der Grundlage angeblicher Gesetzmäßigkeiten von „Rasse“, „Boden“ und „Raum“.

In einer in Rosenbergs Russland-Akte enthaltenen Denkschrift vom 2. April 1941 über die Ziele und Methoden der deutschen Besetzung weiter Teile der Sowjetunion wird die Frage erörtert, ob die Besetzung der UdSSR von rein militärischen bzw. wirtschaftlichen Notwendigkeiten bestimmt werden oder ob für die Ausdehnung der Besetzung auch schon politische Gründe für eine künftige Gestaltung der Gebiete mitbestimmend sind. Ausgehend von „der Bevölkerungskarte Russlands“ wurden „folgende nationale oder geographische Einheiten“ vorgesehen:

a) Großrussland mit Moskau als Zentrum,
b) Weißrussland mit Minsk bzw. Smolensk als Hauptstadt,
c) Estland, Lettland und Litauen,
d) Ukraine und die Krim mit Kiew als Zentrum,
e) das Dongebiet mit Rostow als Hauptstadt,
f) das Kaukasusgebiet,
g) Russisch-Mittel-Asien oder Russisch-Turkestan.n (Der Nürnberger Prozeß, Bd. II, Berlin 1960, S. 257)

 

Verdummung der Bevölkerung durch geistige Manipulierung

Weite Teile der deutschen Bevölkerung ließen sich in diese Zielsetzung einbinden. Der um sich greifende Nationalismus, Rassismus, Chauvinismus, Antikommunismus, Antisemitismus trugen gleichzeitig dazu bei, die sozialen Forderungen so zu neutralisieren, dass das Aufbrechen der inneren Widersprüche weitgehend vermieden werden konnte.

Um möglichst viele skeptische Deutsche in das Expansionsprogramm zu integrieren, wurde die „Neuordnung Europas“ als besondere deutsche Verpflichtung dargestellt. Ziel sei die Befreiung der in Europa unterdrückten Völker sowie die Verbreitung wirtschaftlichen und politischen Fortschritts. Die „Neuordnung Europas“ diene nur und ausschließlich dem Frieden, hieß die immer wieder aufgelegte Melodie.

Intern sprachen die Faschisten offen davon, die eingeborene Bevölkerung in den annektierten Gebieten zu „entfernen“, um „den dadurch freigewordenen Grund und Boden“ an die arische Bevölkerung übergeben zu können. Der Rassismus wurde von Etappe zu Etappe stärker. Die angeblichen Gesetzmäßigkeiten von „Rasse“, „Boden“ und „Raum“ erfaßten immer größere Teile der deutschen Bevölkerung.

Das Vorgehen bei der Umsetzung der besonderen Aggressivität des deutschen Imperialismus und der lügenhafte Charakter der dazu gehörigen Propaganda geht sehr deutlich aus den Ausführungen Hitlers während einer Beratung mit Rosenberg, Lammers, Keitel, Göring am 16.07.1941 zum Thema „Der Krieg im Osten“ hervor, die im Protokoll festgehalten wurden. „Wesentlich sei es nun, dass wir unsere Zielsetzung nicht vor der Ganzen Welt bekanntgäben“. „Wir werden also wieder betonen, dass wir gezwungen waren, ein Gebiet zu besetzen, zu ordnen und zu sichern; im Interesse der Landeseinwohner müßten wir für Ruhe, Ernährung, Verkehr usw. usw. sorgen; deshalb unsere Regelung. Es soll also nicht erkennbar sein, daß sich damit eine endgültige Regelung anbahnt! Alle notwendigen Maßnahmen – Erschießen, Aussiedeln etc. – tun wir trotzdem und können wir trotzdem tun.

Wir wollen uns aber nicht irgendwelche Leute vorzeitig und unnötig zu Feinden machen. Wir tun also lediglich so, als ob wir ein Mandat ausüben wollten. U n s muß aber dabei klar sein, dass wir aus diesen Gebieten nie wieder herauskommen.

Demgemäß handelt es sich darum:

  1. Nichts für die endgültige Regelung zu verbauen, sondern diese unter der Hand vorzubereiten;
  2. wir betonen, dass wir die Bringer der Freiheit wären . …“

„… Grundsätzlich kommt es also darauf an, den riesenhaften Kuchen handgerecht zu zerlegen, damit wir ihn erstens beherrschen, zweitens verwalten und drittens ausbeuten können.“ (Der Nürnberger Prozeß, 4. Auflage, Berlin 1960, Bd. II, S. 101)

Weiter führte er aus: „Grundsätzliches: Die Bildung einer militärischen Macht westlich des Urals darf nie wieder in Frage kommen und wenn wir hundert Jahre darüber Krieg führen müßten. Alle Nachfolger des Führers müssen wissen: die Sicherheit des Reiches ist nur dann gegeben, wenn westlich des Ural kein fremdes Militär existiere; den Schutz dieses Raumes vor allen eventuellen Gefahren übernimmt Deutschland. …

Auch wenn wir einzelne Gebietsteile jetzt schon abteilen, immer müssen wir als Schützer des Rechts und der Bevölkerung vorgehen. Demgemäß seien die jetzt notwendigen Formulierungen zu wählen; wir sprechen nicht von einem neuen Reichsgebiet, sondern von einer durch den Krieg notwendigen Aufgabe … .“ (Ebenda, S. 102)

In diesem Sinne wurde eine systematische geistige Manipulierung der Bevölkerung durchgeführt, um ihr Denken in das monopolkapitalistische Herrschaftssystem zu integrieren. Und sie im Sinne der aggressiven Politik des deutschen Imperialismus auszurichten. Ideologischer Hauptinhalt war der Antikommunismus, der Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit.

 

Konzentration und Zentralisation der Mittel zur geistigen Manipulierung

Die materielle Grundlage der geistigen Manipulierung war damals schon die zunehmende Konzentration und Zentralisation der Massenkommunikationsmittel und von Institutionen, die das geistige Leben unter der Anleitung und Kontrolle der aggressivsten Teile des Monopolkapitals beeinflusst haben. Diese Einrichtungen haben damals schon, genau so wie die Bildungsinstitutionen usw. das Ziel verfolgt, das Denk- und Urteilsvermögen von Millionen Menschen systematisch in die Bahnen politischer Vorstellungen der reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals zu lenken und einzuzwängen, Menschen zu formen, die die Pseudoideale (Werte) des wirtschaftlichen und politischen Systems des imperialistischen Systems als die ihrigen ansehen und sich für die imperialistische Politik missbrauchen lassen. Dabei soll sowohl die geistige Manipulierung als auch die daraus erwachsende Handlungsweise des Einzelnen als frei getroffene Entscheidung erscheinen – bis hin zur Bereitschaft, das eigene Leben im Krieg für die Ziele des reaktionären Monopolkapitals einzusetzen. Dieses Vorgehen ist nicht an bestimmte Phasen der Entwicklung und Politik des Imperialismus gebunden, es erweist sich als ein charakteristisches Merkmal des Systems!

Zu diesem Zweck wurden die Medien und die Bildungs- und anderen Einrichtungen zur Massenbeeinflussung systematisch zu Dienstleistungsunternehmen der Monopolbourgeoisie entwickelt und als solche gefördert. Charakteristisch dabei: sie wurden nicht nur zur Abwehr der Gefahren für das kapitalistische System und für den Faschismus, sondern zunehmend zur offensiven Errichtung und Sicherung der Diktatur des Finanzkapitals und seiner Politik unterhalten.

Auf dieser Grundlage konnte durch die Herrschenden auch der Massenterror als ein Hauptelement des Faschismus entwickelt und praktiziert. Massendemagogie rechtfertigte Massenterror und bildeten eine Einheit.

 

Antisowjetismus und Antikommunismus der Westmächte

Das faschistische Deutschland konnte seine Innen- und Außenpolitik verfolgen, weil sie von den anderen imperialistischen Großmächte in der Hoffnung geduldet und sogar gefördert wurde, sie in antikommunistischem Sinne gegen die Sowjetunion einsetzen zu können.

Zwischen den kapitalistischen Staaten bildete sich schon in den zwanziger und dreißiger Jahren ein neues ökonomisches, politisches und militärisches Kräfteverhältnis heraus, das mit der von den imperialistischen Siegermächten 1918 vorgenommenen Aufteilung der Welt nicht mehr übereinstimmte. Der Kampf zwischen ihnen nahm infolge der ungleichmäßigen ökonomischen und politischen Entwicklung der kapitalistischen Länder und der die inneren und internationalen Widersprüche des Kapitalismus verschärfenden allgemeinen Krise des Systems nach dem ersten Weltkrieg immer heftigere Formen an.

Obwohl sich die konkreten Pläne der Regierungen der verschiedenen imperialistischen Mächte, die sich immer stärker in zwei Gruppierungen spalteten, voneinander unterschieden, bildeten diese Regierungen ein Lager, das Lager der imperialistischen Reaktion und der Aggression, des Kampfes gegen die Sowjetunion und gegen den gesellschaftlichen Fortschritt.

Eine besonders aktive Kriegspolitik betrieben die faschistischen Staaten unter der Führung der reaktionärsten Kreise des Monopolkapitals. Zu ihnen zählten außer Deutschland vor allem Japan und Italien, die 1918/19 bei der Neuaufteilung der Kolonien und der Absatz- und Rohstoffmärkte benachteiligt worden waren.

Die Imperialisten der USA, Großbritanniens und Frankreichs, die nach dem ersten Weltkrieg ihren Machtbereich erweitert und zahlreiche Länder ihrem ökonomischen und politischen Einfluss unterworfen hatten, strebten aber nicht nur danach, ihre Besitzungen vor den faschistischen Konkurrenten zu sichern, sondern auch nach der Vergrößerung ihrer eigenen Macht- und Einflussgebiete.

Die Situation in der kapitalistischen Welt wurde äußerst schwierig, als Ende der 1920er Jahre die Weltwirtschaftskrise einsetzte, die in ihrer Tiefenwirkung und zerstörenden Kraft dazu beitrug, dass sich alle Widersprüche des Kapitalismus jäh verschärften. Sie beschleunigte den Zerfall des Systems von Versailles und Washington und den Ausbruch eines neuen Weltkrieges.

Zwischen den beiden imperialistischen Mächtegruppen begann ein neuer Kampf um die Aufteilung der Welt. Der Imperialismus als gesellschaftliches System war der Humus für die Schaffung der Bedingungen, die zum zweiten Weltkrieg führten!

 

Faschistische Deutschland nutzt die Bedingungen

Das faschistische Deutschland hat von Anfang an kein Geheimnis aus seinen Plänen gemacht. Hitler formulierte in seinem Buch „Mein Kampf“ ganz unverblümt: „Wollte man in Europa Grund und Boden, dann konnte dies im großen und ganzen nur auf Kosten Russlands geschehen, dann musste sich das neue Reich wieder auf die Straße der einstigen Ordensritter in Marsch setzen“. (A. Hitler, Mein Kampf, München 1942, S. 154)

Er entwickelte und verwirklichte seine Vorstellungen vom Lebensraum in Anlehnung an Friedrich Ratzel und gestützt auf die deutsche Industrie und Banken. Vom Alldeutschen Verband, der schon bei seiner Gründung (1891) erklärte, „der alte Drang nach Osten soll wiederbelebt werden“, übernahm er die Forderung nach Expansion nach Osten und nach Eroberung neuen Lebensraumes. Hjalmar Schacht, Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister sowie wichtiger Wegbereiter des Faschismus in Deutschland gab den Faschisten schon 1930 auf den Weg: „Gebt dem deutschen Volk wieder Lebensraum in der Welt“.

Den Ausweg aus der politischen und ökonomischen Krise erblickte das Monopolkapital in der beschleunigten Aufrüstung, in der Militarisierung der Politik und des gesamten gesellschaftlichen Lebens und in der Entfachung eines neuen Krieges in Europa.

Die Hauptgefahr ging dabei vom faschistischen Deutschland und vom aggressiven faschistischen Block aus, die zielgerichtet auf einen Krieg um die Weltherrschaft und die Schaffung der räuberischen „neuen Ordnung“ hinarbeiteten.

In diesem Rahmen führten sie von 1931 bis 1939 eine Kette „lokaler“ Kriege. In ihnen sollten:

  • die demokratische Bewegung in einzelnen Ländern abgewürgt
  • kleine Länder unterjocht,
  • günstige Bedingungen für den Kampf zwischen den imperialistischen Blöcken und
  • vor allem für die baldige Aggression der imperialistischen Staaten gegen die Sowjetunion geschaffen werden.

Diese Kette beginnt 1931 mit dem Einbruch Japans in Nordostchina. Sie wird durch den japanisch – chinesischen Krieg fortgesetzt. Eines ihrer Glieder ist der italienische Überfall auf Abessinien von 1933. Besonders hervorzuheben sind die Ereignisse des Jahres 1936, als italienische und deutsche Faschisten in Spanien einfielen.

Auf die Verwirklichung der genannten Ziele hinweisend muss auch hervorgehoben werden, dass die von den Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs betriebene Politik der „Nichteinmischung“ und der „Neutralität“ im Grunde nur die Aggression förderten, indem sie die Kräfte förderten, die bewusst Kurs auf einen neuen großen Krieg nahmen.

Die herrschenden Kreise der Westmächte, insbesondere die USA-Monopolisten, begünstigten und unterstützten das Wiedererstarken des deutschen Imperialismus und versuchten, seinen Expansionsdrang nach dem Osten, gegen die Sowjetunion zu lenken.

Das war der Sinn der berüchtigten Befriedungspolitik, die von den Westmächten gegenüber Deutschland, Italien und Japan betrieben wurde.

Deshalb duldeten sie die Aggressionspolitik Deutschlands und auch die der japanischen und italienischen Imperialisten und lieferten den Faschisten mehrere Länder aus.

Andererseits versuchten die britische und die französische Regierung durch die Einleitung von politischen und militärischen Verhandlungen mit der Sowjetunion im Frühjahr und Sommer 1939 ihre Völker zu beschwichtigen und die UdSSR politisch und diplomatisch zu isolieren.

Gleichzeitig wollten sie damit einen Druck auf das faschistische Deutschland ausüben. Sie wollten die Sowjetunion einseitig binden und sie in einen Krieg mit Deutschland schieben. An dem verräterischen Doppelspiel scheiterten schließlich die Verhandlungen.

 

Schwierige Lage für die Sowjetunion

Die Gefahr einer vollständigen Isolation wurde für die Sowjetunion durch die japanischen Kriegsprovokationen im Fernen Osten verstärkt.

Angesichts der sich im Sommer 1939 besonders drastisch zeigenden feindseligen Haltung der Westmächte und der erhöhten Kriegsgefahr im Fernen Osten sah sich die Sowjetunion gezwungen, am 23.8.1939 den von Deutschland vorgeschlagenen Nichtangriffspakt anzunehmen.

In einer Unterredung mit dem französischen Botschafter am 23. August 1939 betonte der sowjetische Außenminister, dass die sowjetische Regierung die Berliner Vorschläge erst dann angenommen habe, als sie sich davon überzeugt hatte, dass bei den englisch-französisch-sowjetischen Verhandlungen nichts Positives zu erreichen war. Die sowjetische Regierung durchschaute das englisch-französische Doppelspiel und durchkreuzte mit dem Abschluss dieses Vertrages die Intrigen der Westmächte,

  • eine antisowjetische Einheitsfront zu schaffen,
  • verhinderte die völlige außenpolitische Isolierung der Sowjetunion und
  • gab ihr noch knapp zwei Jahre Verschnaufpause, die für den weiteren Aufbau der Volkswirtschaft und der Stärkung der Streitkräfte genutzt werden konnten.

(Vergleiche: Geschichte der Außenpolitik der Sowjetunion 1917-1945, 1. Teil, S, 425, Berlin 1969)

Die Sowjetunion befand sich in einer außerordentlich komplizierten Lage, die militärstrategische, ökonomische und politische Ursachen hatte: Auch die zeitweiligen politischen und militärisch–strategischen Fehleinschätzungen J.W. Stalins, der während des Krieges Hervorragendes bei der Führung des Verteidigungskampfes der Sowjetunion, bei der Zerschlagung des Faschismus und in der Antihitlerkoalition geleistet hat, verstärkten die Schwierigkeiten der Sowjetunion. Trotz deutlicher Anzeichen und trotz verschiedener Warnungen schlossen J.W. Stalin und seine nächsten Mitarbeiter die Möglichkeit einer faschistischen Aggression im Sommer 1941 aus. I. W. Stalin glaubte offensichtlich daran, dass es ihm gelingen würde, den Beginn des Krieges Hitlerdeutschlands gegen die UdSSR mit politischen und diplomatischen Mitteln zu torpedieren. Das führte zu unrichtigen Entscheidungen – nicht nur auf dem Gebiet der Landesverteidigung.

Angesichts der faschistischen Aggression mobilisierte die KPdSU(B) das ganze Sowjetvolk und führte es unter den Losungen „Alles für die Front, alles für den Sieg!“ und „Alle Kräfte für die Zerschlagung des Feindes!“ in den Vaterländischen Krieg.

Die Sowjetunion verfolgte konsequent eine Politik, die sich davon leiten ließ:

  • Befreiung der Sowjetunion, des ersten sozialistischen Staate der Welt, vom Faschismus,
  • Unterstützung der Völker Europas in ihrem Kampf von der faschistischen Versklavung,
  • vollständige und endgültige Vernichtung des deutschen Faschismus und Militarismus, der Hauptkraft der Weltreaktion,
  • Schaffung von Voraussetzungen für die friedliche, freie und fortschrittliche Entwicklung der Völker.

Diese Ziele stimmten vollkommen mit den Interessen aller Völker, darunter auch den Lebensinteressen des deutschen Volkes überein.

Nach harten und verlustreichen Kämpfen ist die Sowjetarmee nach anfänglichen Niederlagen zur Gegenoffensive übergegangen. Ihr Sieg bei Stalingrad leitete den grundlegenden Umschwung im zweiten Weltkrieg ein. Er zeugte davon, dass sich das militärische und wirtschaftliche Kräfteverhältnis zugunsten der von der UdSSR geführten Antihitlerkoalition geändert hatte. Bis Herbst 1942 war eine gut funktionierende und starke Kriegswirtschaft geschaffen worden.

Die Völker der Sowjetunion folgten dem Aufruf der Kommunistischen Partei. Ihr opferreicher Kampf warf alle Pläne und Berechnungen der faschistischen Eroberer und ihrer Inspiratoren über den Haufen.

Der zweite Weltkrieg wurde zum großen Kampf der Völker gegen die Hauptstoßkräfte der imperialistischen Reaktion. Seine Geschichte ist deshalb nicht nur die Geschichte der einzelnen militärischen Operationen. Die Völker führten an der Seite der Sowjetunion, die die Hauptlast im Kampf um die Zerschlagung des Faschismus trug, den gewaltigsten Befreiungskrieg der Weltgeschichte.

 

 

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