Der 8. Mai 1945 als geschichtliche Zäsur

Posted on 7. Mai 2015 von


von Prof. Dr. Anton Latzo, Mitglied des Landesvorstandes der DKP Brandenburg

Referat auf der Konferenz des DKP-Parteivorstandes in Berlin am 2. 5.2015 unter dem Motto „8. Mai 2015: Tag der Befreiung vom Faschismus – Der Kampf geht weiter! Rolle und Aufgaben der Kommunistischen Partei im antifaschistischen Kampf gestern und heute“.

anton-latzo-2-mai-2015Liebe Gäste, liebe Freunde,
liebe Genossinnen und Genossen

Die Erfolge der Roten Armee zerschlugen im Mai 1945 die Ketten materieller, politischer und geistiger Not, die die Völker Europas und das deutsche Volk in faschistischer Nacht gehalten hatten. Die Zerschlagung des Faschismus durch die Antihitlerkoalition, in deren Rahmen die Sowjetunion den entscheidenden militärischen und politischen Anteil hatte und die größten menschlichen und materiellen Opfer brachte, schuf Bedingungen, die eine Tür für nachfolgende demokratische und friedliche Entwicklungen in Europa und in Deutschland öffneten.

Neben anderen Teilkapitulationen nahm im Morgengrauen des 2. Mai 1945 der Befehlshaber der 8. sowjetischen Garde-Armee, Generaloberst W. I. Tschuikow, die Kapitulation des Befehlshabers des Verteidigungsbereiches Berlin der faschistischen Truppen entgegen. Es hat einen großen symbolischen Wert, dass die faschistischen Truppen ihre Niederlage im Stab der 8. Garde-Armee besiegeln mussten. Es war jene Armee, die im Herbst 1942 in den letzten Häuserblocks von Stalingrad den Angriffen der zahlenmäßig weit überlegenen deutschen Truppen standgehalten hatte. Sie hat so die Wende des zweiten Weltkrieges mit vorbereitet und dann den opferreichen und beschwerlichen Vormarsch von den Ufern der Wolga bis zu den Ufern der Spree gemeinsam mit den anderen Einheiten der Sowjetarmee angetreten. Auf diesem Weg besiegte die Rote Armee die Faschisten, befreite sie Völker und gewann sie Verbündete und Freunde.

Dabei haben auch rund 27 Millionen Menschen, Bürger der Sowjetunion, ihr Leben verloren! Ihnen und allen anderen Opfern wollen wir gedenken. Dass ist für manchen zunächst nur eine Zahl. Aber vergegenwärtigen wir uns doch, dass dies mehr Menschen sind als die heutige Bevölkerung von Norwegen, Schweden, Finnland, Litauen, Lettland und Estland zusammen ausmacht. Die Sowjetunion verlor unzählige Städte und Dörfer mit ihren Menschen – Alte und Kinder. Zerstört wurden Natur, Schulen und Krankenhäuser, Industrieanlagen und landwirtschaftliche Einrichtungen. Die Menschen mussten unermesslichen physischen und psychischen Terror erleiden.

In den späten Abendstunden des 8. Mai 1945 setzten die Vertreter des Oberkommandos der faschistischen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst im Stab der siegreichen Sowjetarmee ihre Unterschrift unter die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation. Damit besiegelten sie ihre Niederlage vor den vier Hauptmächten der Anti-Hitler-Koalition. Die gesellschaftliche und politische Entwicklung in den Ländern des Kapitals sowie der ideologische Kampf machen es notwendig, erneut in Erinnerung zu rufen, dass die Sowjetunion den entscheidenden Anteil erbrachte. Die Entscheidung fiel 1942/43 in der Stalingrader Schlacht und nicht in Westeuropa. Ohne die Rote Armee, ohne die sozialistische Sowjetunion, ohne die Hingabe ihrer Abermillionen Bürger, die vom sozialistischen Patriotismus und Internationalismus geprägt waren, wäre der Faschismus nicht gestoppt und nicht vernichtet worden. Dieser Sieg und die Befreiung der europäischen Völker vom Faschismus wird die wichtigste historische Zäsur des Jahrhunderts bleiben!

Heute ist man aber schon wieder dabei, die historische Bedeutung dieses Sieges über den deutschen Faschismus, aber auch die Ursachen des Zweiten Weltkrieges und die mit diesem Vernichtungskrieg von den Faschisten verfolgten Ziele zu verschleiern. Für die Diener des Kapitals ist Geschichtsrevisionismus angesagt! Ich glaube, es lohnt, sich die Frage zu beantworten, warum dies getan wird, warum sowohl die offizielle Politik und ihre Auftraggeber als auch gedruckte sowie elektronische Medien immer wieder durch tendenziöse Auswahl und Kommentierung versuchen, ein falsches und einseitiges Geschichtsbild zu propagieren. Sie wollen den wahren Charakter der politischen Entscheidungen und Maßnahmen der im Auftrag des Kapitals heute Regierenden verschleiern. Das Vorgehen dient zugleich als Steilvorlage für das Auftreten neofaschistischer und anderer reaktionärer Kräfte. Die Politik der sozialen und politischen Revanche des Imperialismus treibt sonderbare und um so gefährlichere Blüten! Diese Situation ist aber Bestandteil der generellen reaktionären Entwicklung der Gesellschaft in der Gegenwart!

Vor 1989 hätte man nicht für möglich gehalten, dass der russische Präsident nicht zu einer solchen Veranstaltung eingeladen wird, wie die Veranstaltung anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz durch die Rote Armee. Die Bundesregierung und politische Parteien lehnen es ab, eigene Aktivitäten zum 70. Jahrestag der Befreiung Deutschlands und Europas vom Faschismus zu organisieren und durchzuführen. Unverantwortliche Politiker Polens erklären, dass nicht russische (also sowjetische), sondern ukrainische Kräfte Polen befreit hätten. Jazeniuk erklärt, eine Befreiung der Ukraine durch die Rote Armee habe nie stattgefunden und bezeichnete den opferreichen Kampf der Sowjetarme als „sowjetische Invasion in die Ukraine und nach Deutschland“. Die Bundeskanzlerin lehnt es ab, an den offiziellen Feierlichkeiten in Moskau teilzunehmen. Das sind nicht nur Provokationen an die Adresse Russlands, sondern auch eine Verhöhnung der Opfer des antifaschistischen Kampfes.

Liebe Freunde, liebe Genossinnen und Genossen
Der 8. Mai 1945 war von schicksalhafter Bedeutung für Deutschland, für Europa und die Welt. Es wurde verhindert, dass der deutsche Imperialismus seine wahnwitzigen Pläne der „Neuordnung Europas“ und der Eroberung der Weltherrschaft durch einen Rückfall in die Sklaverei verwirklichen konnte, Pläne, die verbunden waren mit dem Genozid vieler Völker. Der Tag der Erlösung der Völker Europas wurde auch zum Tag der Befreiung des deutschen Volkes von der Herrschaft des Faschismus. Mit ihm endete das dunkelste Kapitel in unserer Geschichte.

Er war nicht nur Ende eines schrecklichen Krieges. Er rettete zugleich die Menschheit vor dem Absturz in die Barbarei. Er war Voraussetzung, dass die in Jahrtausenden entstandene menschliche Zivilisation weiter bestehen konnte. Die Menschheit behielt die Chance auf eine künftige progressive Entwicklung.

Die Tatsache, dass sich unter den alliierten Siegermächten ein starker sozialistischer Staat befand, war dafür sowie für das deutsche Volk und die befreiten Völker Europas von großer Bedeutung. Die Nachkriegsverhältnisse konnten nicht mehr nur vom Willen der Regierungen der imperialistischen Staaten diktiert werden. Unter Ablehnung eines imperialistischen Diktats (wie nach dem ersten Weltkrieg) über eine „Zerstückelung“ (wie sie noch auf der amerikanisch-englischen Konferenz in Quebec im September 1944 beschlossen worden war) wurde dem deutschen Volk im Potsdamer Abkommen die nationale Einheit garantiert und die Hilfe – auch der Westmächte – bei der „endgültigen Umgestaltung des politischen Lebens auf demokratischer Grundlage“ zugesichert. Dabei wurden die Ausrottung des Faschismus und Militarismus, verbunden mit der Vernichtung der Machtkonzentration des Monopolkapitals als die unbedingt notwendigen Voraussetzungen erkannt und gefordert.
Das deutsche Volk konnte darauf bauen, dass die Sowjetunion die Vernichtung Deutschlands als selbständigen Staat nicht zulassen würde. Sie erstrebte einen demokratischen Staat, dessen Politik auf die Herstellung eines dauerhaften Friedens, auf die Schaffung von Voraussetzungen ausgerichtet war, damit von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen kann.

Oft wird „Befreiung“ undifferenziert interpretiert. Es handelt sich um die nationale und nicht um die soziale Befreiung. Mit der Befreiung vom Faschismus wurden Bedingungen geschaffen, ein demokratisches Staatswesen aufzubauen, das Fortschritt in der Gesellschaft und Politik ermöglicht und Bedingungen schafft, die es verhindern, dass von deutschem Boden je wieder ein Krieg ausgehen kann. Es war eine Befreiung vom Deutschland der Faschisten und Militaristen. Aber auch von dem der Monopole? Offensichtlich nicht. Die soziale Befreiung musste erst erkämpft werden – und das in dem politischen, wirtschaftlichen und geistigen Chaos, das nach dem Kriege herrschte. Aber trotz der drückenden Last aus Vergangenheit und Krieg, die es zu bewältigen galt, eröffneten sich vor dem deutschen Volk ein Weg zurück in die Gemeinschaft gleichberechtigter Völker und eine antifaschistische und demokratische Perspektive.

Es ist das große Verdienst der KPD, gestützt auf die Erfahrungen der kommunistischen Internationale und des Kampfes der anderen kommunistischen Parteien in der Vorkriegszeit und während des Krieges, mit dem Aufruf vom 11. Juni 1945 einen Weg aus der Katastrophe gewiesen zu haben, der den Interessen des deutschen Volkes und den Erfordernissen einer friedlichen Zukunft für alle Völker entsprochen hat. Dieser Aufruf an das deutsche Volk war das Aktionsprogramm der Partei und zugleich der Vorschlag für eine gemeinsame Plattform aller antifaschistisch-demokratischen Parteien für eine antifaschistisch-demokratische Ordnung! Die historische Chance war gegeben, den längst ausgereiften Widerspruch zwischen den antinationalen Interessen des deutschen Imperialismus und Militarismus und den nationalen Interessen der friedliebenden Teile des Volkes im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts zu lösen.

Der Kampf um die Befreiung vom Faschismus führte in ganz Europa zu einer breiten demokratischen und antiimperialistischen Bewegung, die sich tiefgreifende Reformen jenes politischen und wirtschaftlichen Systems als Ziel setzte, das die Ausbreitung des Faschismus und den Weltkrieg nicht verhindern konnte. Diese Bestrebungen fanden ihren Ausdruck im Kampf um die Errichtung volksdemokratischer Verhältnisse in den Ländern und zu friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Staaten.

Auch angesichts der heutigen Probleme sei auf folgende Faktoren hingewiesen, die die demokratischen und progressiven Kräfte befähigt haben, eine erfolgreich Politik zu erarbeiten. Die Kommunistischen Parteien hatten erstens ein klares gemeinsames Konzept, das sie in die Lage versetzte, die im Zusammenhang mit dem Sieg über den Faschismus entstandenen nationalen und internationalen Bedingungen und die daraus resultierenden Erfordernisse und Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und ihren Kampf auf dieser Grundlage auszurichten – sie entsprechend den jeweiligen nationalen und internationalen Bedingungen anzuwenden. Ein zweiter wesentlicher Faktor für die Erarbeitung der weit in die Zukunft reichenden Orientierungen waren der hohe Grad der Aneignung des Marxismus-Leninismus durch die kommunistischen Parteien und die daraus und auf dieser Grundlage entspringende Einmütigkeit innerhalb der kommunistischen Bewegung. Und drittens konnte sich die kommunistische und Arbeiterbewegung darauf stützen, dass wie nie zuvor in der Arbeiterklasse und darüber hinaus auch in anderen Klassen und Schichten der Wille vorhanden war, die Wurzeln des Faschismus zu beseitigen und die Kriegsgefahr zu bannen. Diese Bereitschaft war in ihrer Konsequenz zwar sehr differenziert, aber sie wurde zu einem zusammenführenden Faktor, der in seiner sozialen und politischen Breite weit über die Arbeiterklasse hinaus wirkte. Es war also nicht allein der Krieg, der zum Nährboden wurde, sondern vor allem die Erfahrung und die daraus resultierende Einsicht, nie wieder einen Krieg zuzulassen. Die Probleme waren zwar kompliziert, aber die marxistisch-leninistische Reife und der internationalistische Zusammenhalt der Parteien versetzte sie in die Lage, in ihren Ländern im Wesen und Ziel übereinstimmende realistische Wege für die Schaffung demokratischer Verhältnisse zu konzipieren und zu beschreiten.

Liebe Freunde,
Der Sieg der Anti-Hitler-Koalition leitete eine neue Etappe auch in den internationalen Beziehungen ein. Die auf seiner Grundlage eingeleiteten wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Veränderungen führten zu einer tiefgreifenden Neugestaltung auch der internationalen Kräfteverhältnisse und der Beziehungen zwischen den Staaten.

Es wurden die bis 1945 regierenden reaktionärsten und aggressivsten Kräfte des Imperialismus beseitigt.

Die Sowjetunion war trotz großer Verluste und schwerer Kriegsschäden politisch gestärkt aus dem Kriege hervorgegangen. Ihr internationaler Einfluss war beträchtlich gewachsen.

Das Ausbrechen von mehr als einem Dutzend Staaten in Europa und Asien aus dem kapitalistischen System, das Anwachsen der revolutionären Bewegung in den kapitalistischen Ländern, der beginnende Zerfall des Kolonialsystems und die Schwächung einer Reihe imperialistischer Mächte führte zu beträchtlichen Verschiebungen in der internationalen Kräftekonstellation.

Im Ergebnis des Sieges der Antihitlerkoalition über die faschistischen Anwärter auf die Weltherrschaft, die keine international verbindlichen Rechts- und Moralnormen mehr kannten, entstanden Grundzüge für ein neues Völkerrecht. Zum Leitprinzip wurde die Gleichberechtigung aller Staaten und ihre Pflicht, zu einem stabilen Frieden beizutragen. Es sollte ein Völkerrecht entstehen, das „Verbrechen gegen den Frieden“ ebenso ahndet, wie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie es im Statut des internationalen Militärgerichtshofes vom 8. August 1945 hieß. Es sollte ein Völkerrecht entstehen, das friedliche internationale Zusammenarbeit unter Gleichen und auf der Grundlage des gegenseitigen Vorteils fördert.

Zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit sowie zur Entwicklung der friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Staaten wurde 1945 die UNO gegründet. Sie bekannte sich dazu, dass sowohl die Anwendung als auch die Androhung militärischer Gewalt im Widerspruch zu den Normen des internationalen Beziehungen und des Rechts stehen. Das war ein wichtiger Schritt, um den Krieg als Mittel der Politik, wie er bis dahin über Jahrhunderte gegolten hatte, auszuschließen. Dies widerspiegelt sich später auch in den Dokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (1975). Leider erwies sich das neue Völkerrecht zunehmend brüchig. Besonders nach der Auflösung der Warschauer Vertragsorganisation konnten neue Aggressionskriege nicht verhindert werden.

Zu den Veränderungen nach dem zweiten Weltkrieg gehörten auch die widersprüchlichen Vorgänge innerhalb der Welt des Kapitalismus. Vor dem 2. Weltkrieg nahmen sechs imperialistische Mächte die beherrschende Stellung in der Welt ein. Diese Großmächte verkörperten die Hauptkraft des Imperialismus. Es waren die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan und Italien. Drei von diesen Mächten wurden im zweiten Weltkrieg besiegt und zwei andere in militärischer, ökonomischer und politischer Hinsicht geschwächt. Allein die USA wurden gestärkt – aber verbunden mit einer Zunahme der reaktionären Entwicklung im Inneren und zunehmender aggressiven Außenpolitik. Wie die folgenden Jahre zeigten, sollte dies großen Einfluss auf die gesamte Nachkriegsperiode haben. Sie wurde bestimmt durch die dem Kapitalismus innewohnende ungleichmäßige Entwicklung. Der wirtschaftliche und dann auch der politische und militärische Schwerpunkt des Imperialismus hat sich aus Europa nach den USA verlagert! Der USA-Imperialismus stärkte sich auf Kosten der anderen imperialistischen Staaten und seine Stärkung bildete die Grundlage für neue Widersprüche innerhalb der kapitalistischen Welt! Gleichzeitig versuchte die Monopolbourgeoisie der USA, die Rolle des „Retters“ des Kapitalismus in anderen Ländern zu übernehmen, um sein ökonomisches, politisches und militärisches Eindringen in diese Staaten zu decken. Gestützt auf sein ökonomisches Potenzial und auf sein Kernwaffenpotenzial wurden durch die USA die politischen und militärischen Blöcke (NATO, SEATO, CENTO) geschaffen und zum gleichzeitigen Kampf gegen die UdSSR und die anderen sich herausbildenden sozialistischen Staaten, gegen die revolutionäre Bewegung in den kapitalistischen Ländern und gegen die nationale Befreiungsbewegung mobilisiert. Wir sollten aber auch die Tatsache registrieren, dass die Außenexpansion der USA nicht die Potenzen hervorbringen konnte, um die Nachkriegswirtschaft und die Gesellschaft der USA von den Hauptleiden des Kapitalismus zu befreien, seinen „Wandel“ bzw. seine Transformation herbeizuführen. Die dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche haben sich weiter verschärft und haben den Expansionsdrang und die Aggressivität weiter erhöht. Dieser Prozess wurde sogar zum kennzeichnenden Charakterzug der Entwicklung in den USA und in den anderen kapitalistischen Staaten – bis in die unmittelbare Gegenwart hinein. Den Ausweg aus dieser Situation suchte der amerikanische Imperialismus, wie es übrigens auch der deutsche Imperialismus in den 1930er Jahren getan hatte, in der Militarisierung der Wirtschaft, indem die Produktion mit Hilfe von Rüstungsaufträgen immer wieder angekurbelt wurde und das Wettrüsten für die aggressiven und reaktionären Ziele der amerikanischen Außenpolitik immer mehr verstärkt wurde. Das sind die Wurzeln des Militärisch-Industriellen Komplexes, den heutzutage so mancher Kapitalismus Gläubige in der Versenkung verschwinden lassen möchte!

Die USA begannen bald nach Kriegsende die „Politik der Stärke“ zu betreiben, die das Bestreben der aggressivsten Kräfte der kapitalistischen Gesellschaft zum Ausdruck bringt. Präsident Truman machte kurz nach der Übernahme der Präsidentschaft das Ziel dieser Politik deutlich als er erklärte, dass „der Sieg dem amerikanischen Volk die ständige Verantwortung für die Führung in der Welt übertragen hat“ (Public Papers of the President of the United States, Washington 1961, S. 549)

Ihre Ziele dabei waren und sind:

· die kapitalistische Gesellschaft zu erhalten, um Profit zu produzieren, und den gesellschaftlichen Fortschritt , die sozialistische Entwicklung zu verhindern;
· die nationale und internationale revolutionäre Arbeiterbewegung, die demokratische und nationale Befreiungsbewegung zu unterdrücken,
· die Weltherrschaft zu sichern.

Mit der Entfachung des sogenannten Kalten Krieges gegen den Sozialismus und gegen die fortschrittlichen Kräfte im jeweils eigenen Land verließen die ehemaligen Verbündeten der Sowjetunion offen die letzten Positionen der Antihitlerkoalition. Damit leiteten sie eine Entwicklung ein, die letztlich dazu führte, dass die Völker infolge der Konfrontationspolitik der USA und der NATO heute erneut vor einer tödlichen Bedrohung stehen.

1945 bleibt eine historische Zäsur. Die Lehren sind geblieben. Sie müssen in der Gegenwart sogar noch mehr beherzigt werden als jemals zuvor. Der Anspruch reaktionärer und aggressiver Kräfte auf ihre Hegemonie in einer Welt, die mehr denn je durch die Widersprüche des Kapitalismus gezeichnet ist, muss in der Praxis zurückgewiesen werden, um die heutigen Herausforderungen in den Griff zu bekommen und Frieden zu sichern.

 

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