Renate Münder – ein Nachruf

Posted on 1. November 2015 von


renatevon Johannes Magel

Renate Münder 1942 – 2015

Am 8. August 2015 ist unsere Genossin Renate Münder gestorben. Renate wurde 73 Jahre alt. Zusammen mit Hans Heinz Holz gehörte sie zu den Initiatoren und Gründern von Theorie & Praxis. Über lange Jahre war sie verantwortliche Redakteurin und für viele das Gesicht unseres Blattes.

Zu den Konstanten in Renates politischem Lebensweg gehörte die Einsicht, dass die Arbeiterklasse ohne eine revolutionäre Partei nicht in der Lage ist, die herrschende Klasse der Bourgeoisie zu besiegen. Dazu bedarf es einer Partei, die sich von den Fesseln des Opportunismus befreit. Diese Erkenntnis führte Renate zunächst in den Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD. Nach der Konterrevolution in der Sowjetunion und in den sozialistischen Staaten Europas standen scheinbar alle revolutionären Einsichten zur Disposition. Renate gehörte zu denen, die sich vom Geschrei der Sieger nicht irre machen ließen. Sie gehörte zu denen, die überzeugt waren, dass der Sieg der Konterrevolution nicht das Ende der Geschichte bedeutete. Die Auseinandersetzung mit dem Erbe des Roten Oktober führte bei ihr zu der Einsicht, dass die DKP in Deutschland zu den wenigen Organisationen gehörte, die das revolutionäre Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse nicht aufgaben. Renate bewies Konsequenz und Mut: 1997 trat sie in die DKP ein. Und Renate legte sich ins Zeug. Sie war – wie man sagt – ein politischer Kopf, aber sie scheute nicht die Mühen der konkreten Parteiarbeit. In der DKP übernahm sie Funktionen von der Gruppenebene bis zum Parteivorstand und verschaffte sich durch ihren Einsatz in wenigen Jahren Respekt und Anerkennung in ihrer „neuen“ Organisation.

Renate war gleichzeitig ein kritischer Kopf. Es ging ihr um reale Schritte, um aus der DKP wieder in eine handlungsfähige, marxistisch-leninistische Partei zu machen. Sie warf Fragen auf, die manchem ungewohnt und unbequem waren und erkannte früh, dass auch innerhalb der DKP revisionistische Positionen als scheinbar neue, moderne Antworten auf die Herausforderungen der Periode nach 1989 auftauchten. Renate war streitbar und traute sich, diese Fragen in der Partei aufzuwerfen. Streitbar war sie auch in der konkreten Redaktionsarbeit. Pfusch, halbe Sachen und faule Kompromisse waren nicht ihre Sache. Ihr Handeln war jedoch von einer solidarischen Grundhaltung geprägt: Nie verlor sie das gemeinsame Ziel aus den Augen, nie ließ sie Genossinnen und Genossen im Stich. Es war ein Gewinn, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Renate war eine vorbildliche Genossin, kein kommunistisches Über-Ich; von ihr konnte man sich etwas abgucken, von ihr konnte man etwas lernen, ohne von oben herab belehrt zu werden. Dabei kannte sie sich in der marxistischen Theorie aus: Sie war in der Lage, politische Realität mit den Mitteln marxistischer Theorie zu analysieren und die Resultate ihres Nachdenkens verständlich zu machen. Wort und Tat stimmten bei ihr überein. Theoretisches Erkennen und praktische politische Arbeit stellten eine Einheit dar. Dafür stand sie; das verschaffte ihr Respekt.

Renates Tod reißt eine große Lücke in die Reihen der Redaktion von T&P. Renates Persönlichkeit können wir nicht ersetzen, aber wir werden versuchen, T&P in unserem gemeinsamen Sinn als streitbares marxistisch-leninistisches Blatt fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

 

 

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