Hans-Günter Szalkiewicz

Posted on 29. August 2017 von


Hans-Günter Szalkiewicz
3.1.1932 – 4.5.2017

Am 4. Mai 2017 ist unser Genosse Hans-Günter Szalkiewicz, Mitherausgber von Theorie & Praxis verstorben. Wir bringen nachfolgend die leicht gekürzte Traueransprache für Hans-Günter Szalkiewicz, die Genossin Renate Schönfeld am 30. Juni 2017 in Berlin gehalten hat.

Hans-Günter Szalkiewicz

von Renate Schönfeld

Liebe Bruni, liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freunde, geehrte Anwesende,

uns allen, die wir hier sind, ist es ein Bedürfnis, Hans-Günter Szalkiewicz, unseren Genossen und Verbündeten, den Freund und den Gartennachbarn zu ehren und zu würdigen. Er war ein aktiver Mensch, der bis zuletzt Pläne hatte und nach vorn blickte. Das, was notwendig war, setzte er, soweit es möglich war, konsequent in die Tat um. Und nicht zuletzt war er gern gesellig. Jetzt trauern wir, weil es ihn nicht mehr gibt, und es fällt uns schwer diese Endgültigkeit zu akzeptieren.

Am meisten merkst Du das, liebe Bruni. Wir möchten Dir nochmals unsere Anteilnahme aussprechen und unsere Bewunderung für Deine Kraft, die Du auch und besonders in den vergangenen Monaten hattest. Es war für Dich selbstverständlich, für Günter, der Dein Lebenspartner und Kampfgefährte war, während seiner kurzen schweren Krankheit da zu sein.

Hans-Günter zu ehren, heißt, dass wir uns daran erinnern, wer er war und für welche Ziele er gelebt hat. Er war Kommunist und ein unermüdlicher Kämpfer für den Sozialismus, für die Erhaltung des Friedens und den gesellschaftlichen Fortschritt. Er hatte am gleichen Tag mit Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Geburtstag. Darauf war er stolz. Am 3. Januar hatte er das 85. Lebensjahr vollendet.

Seine Kindheit war überschattet von Krieg und Faschismus. Halt und Orientierung fand er aber bei seiner Mutter. Sie war Arbeiterin und hatte, wie er sagte, einen politischen, proletarischen Instinkt. Von ihr sprach er immer mit Hochachtung.

Nach der Befreiung vom Faschismus absolvierte er die Lehre an der Wirtschaftsschule in Senftenberg. Die anschließende Hochschulreife erwarb er an der Arbeiter- und Bauernfakultät – der einmaligen und hervorragenden Bildungseinrichtung der DDR, die es jungen Menschen nach dem Krieg ermöglichte, sich auch auf diesem Bildungsweg nach ihren Fähigkeiten zu entwickeln. Sein Schwerpunkt wurde die Ökonomie mit Studium, Aspirantur, Promotion und Dozentur an der Hochschule für Ökonomie in Berlin. Er übernahm leitende Funktionen, z. B. im Ministerium für Außenhandel und war schließlich in der Staatlichen Plankommission mit der Analyse des Kapitalismus beschäftigt.

Die antifaschistische und sozialistische DDR wurde sein Land. Er hatte sie an seinem Platz mit aufgebaut und gestaltet und war bereit, die beste Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung als Zugführer in den Kampfgruppen zu verteidigen. Die zeitweilige Niederlage des Sozialismus, entwurzelte ihn zunächst wie viele andere. Er wurde arbeitslos und eine ungelernte ABM-Kraft.

Trotz dieser schweren Erschütterung für die Welt, blieb Hans-Günter sich und der Sache treu, denn er wusste, dass 1989 eine Konterrevolution stattgefunden hatte. Zunächst blieb er in der Partei, die sehr bald PDS hieß und in der sich die opportunistischen Kräfte durchgesetzt hatten. Als Kommunist zog er 1995 die Konsequenz und entschloss sich, Genosse in der damals in Berlin noch jungen DKP zu werden.

Viele Jahre gehörte er zur Gruppe Nordost, die bereits damals revisionistische Gefahren in der Partei erkannte. Als langjähriger Vorsitzender der Berliner Grundorganisation hatte er das Ziel, das vorhandene Potential zur Stärkung der Partei zu nutzen: Das waren einerseits die in der DDR erworbenen fundierten Kenntnisse des Marxismus-Leninismus und andererseits die politische Praxis der Genossen in der Bundesrepublik und in Westberlin. Dazu war die Zeit aber nicht reif. Es entwickelte sich ein starker revisionistischer Flügel. Erst der 20. Parteitag setzte die Schwerpunkte anders. Daran hatte er als Redaktionsmitglied von T&P und in der Geschichtskommission der DKP einen wesentlichen Anteil. Er mischte sich immer dort ein, wo es ihm wichtig und richtig erschien. Da war er nicht immer bequem. In diesen Zusammenhang gehörte auch sein erfolgreicher Einsatz, den Berliner Anstoß zu erhalten, dessen zuverlässiger Autor er war.

Seit mehr als 20 Jahren war Hans-Günter auch außerhalb der DKP als standhafter und streitbarer Genosse organisiert und ein „Begriff“. Die GRH war für ihn sehr wichtig, weil sie mit denen solidarisch ist, die dafür bestraft wurden, die DDR von Anfang an und an führender Stelle mit aufgebaut, geleitet und verteidigt hatten. Dafür standen sie vor Gericht. Ich nenne nur zwei von ihnen, die Genossen Erich Honecker und den kürzlich verstorbenen Heinz Keßler. Verfolgt und diskriminiert wurden auch viele andere, vorrangig die Angehörigen des MfS. In diesen Zusammenhang gehört auch die Kritik am Umgang mit der Geschichte der DDR durch die, die sich als „Sieger“ verstanden.

Um das Bewahren des DDR-Erbes geht es dem Rotfuchs, der vielen Menschen eine politische Heimat geworden ist. Ein ganz ähnliches Anliegen hat auch das DDR-Kabinett in Bochum, das mit dem Museum eine Arbeit leistet, die auf dem früheren Gebiet der DDR bisher fehlt. Und die jungen Leute vom Unentdeckten Land mit ihrem großen Transparent waren für ihn eine Hoffnung und Freude.

Als Kommunist war es für ihn selbstverständlich, Mitglied im Freundeskreis Ernst Thälmann zu sein. Nicht nur einmal beteiligte er sich daran, das Thälmanndenkmal in Berlin, das ständig beschmiert wird, zu reinigen. Die Freidenker wurden für ihn wichtig, weil sie sich eindeutig und oft vor anderen zu den politischen Entwicklungen öffentlich äußern.

Es muss ebenfalls genannt werden, dass er als Mitglied des Deutsch-Chinesischen Freundschaftsvereins darum bemüht war, der Meinung entgegenzuwirken, dass die Volksrepublik China kein sozialistisches Land ist. Die Broschüre dazu hat er noch im März dieses Jahres fertiggestellt. Seine Reise nach China vor wenigen Jahren war für ihn ein besonderes Erlebnis. Als Internationalist war Hans-Günter im Jahr 2002 Brigadist im Che Guevara Projekt der DKP in Cardenas, wofür er auch eine Urkunde erhielt.
Der Kontakt zur 1989 in der DDR gegründeten KPD zu pflegen, gehörte für ihn zur Bündnispolitik.

Schließlich muss auch erwähnt werden, dass er die Hans-Heinz-Holz-Gesellschaft aktiv unterstützt hat. Der kurze Überblick seiner Aktivitäten zeigt, wo er künftig fehlen wird.
Am 4. Mai starb Hans-Günter. Er hätte noch gern gelebt, gekämpft – seinen Garten auch mit Dir, Bruni, genossen und sich um die Katzen gekümmert, die ihm zugelaufen waren. Und wir hätten es auch sehr gern gehabt, wenn er auf seine Weise noch weiter hätte wirken und kämpfen können. Er hinterlässt eine Lücke, die wir sicher noch oft wahrnehmen werden.
Wir verneigen uns in großer Achtung vor ihm – dem streitbaren, standfesten und kritischen Kämpfer, dem Unentbehrlichen und sagen: Danke.

 

 

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