#44 Strategiedebatte

Posted on 5. Januar 2018 von


Nur eine Partei, die ihre Arbeit auf der Grundlage von Marx, Engels und Lenin entfaltet, verdient den Namen Kommunistisch.

von Johannes Magel

EDITORIAL

Die Bundestagswahlen und ihre Konsequenzen stehen seit Sommer im Zentrum des politischen Interesses in unserem Land. Das Ergebnis der Bundestagswahlen interessiert uns in doppelter Hinsicht, zum einen wegen der Veränderungen in der Parteienlandschaft und des Wählerverhaltens, und zum anderen, weil die DKP zum ersten Mal seit dem „Anschluss” der DDR wieder zur Bundestagswahl angetreten ist. Das Referat zur Auswertung der Bundestagswahl von Männe Grüß auf der letzten PV-Tagung möchten wir der T&P-Leserschaft gerne insgesamt zur erhellenden Lektüre empfehlen. Aus Platzgründen können wir hier nur einen kleinen Auszug dokumentieren, der den Wahlerfolg der AfD nicht als Ausdruck eines zunehmenden Rassismus in der Arbeiterklasse, sondern vielmehr als Indiz ihrer Gegenwehr gegen den Klassenkampf von oben interpretiert. Unmittelbar nach der Bundestagswahl hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron eine für die imperialistische EU wegweisende Rede gehalten, deren strategische Bedeutung mit Blick auf den deutschen Imperialismus Stephan Müller für uns analysiert.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe befasst sich mit der gegenwärtigen Strategiedebatte in der DKP. Johannes Magel würdigt diesbezüglich zunächst den Leitantrag des Parteivorstands zum kommenden Parteitag. Er hebt insbesondere hervor, dass der Leitantrag nach vorne weist, indem er versucht, die Einheit der Partei und ihre ideologische Entwicklung mit der bewussten Orientierung auf die antimonopolistische Strategie auf eine neue Stufe zu stellen: „Antiimperialistischer und antimonopolistischer Kampf sind die entscheidende Form des antikapitalistischen Kampfes auch im hochentwickelten imperialistischen Deutschland“.

Pablo Graubner setzt sich in zwei zusammenhängenden Beiträgen kritisch mit der Verkürzung des Klassenkampfbegriffs in der allgemeinen Diskussion auseinander, um im Ergebnis das Verhältnis der Kommunisten zur Nation zu reparieren.

Jürgen Lloyd unternimmt den inspirierenden Versuch, in der gegenwärtigen Debatte die Grundlagen antimonopolistischer Strategie gegen ein falsches Verständnis sowohl ihrer Befürworter als auch ihrer Kritiker zu verteidigen. Er insistiert mit Lenin zunächst darauf, dass die Kommunistinnen und Kommunisten bestrebt sein müssen, die historisch-konkreten Formen der Auseinandersetzung um Klasseninteressen zu erkennen, um dem Anspruch zu genügen, das eigene gesellschaftliche Handeln mit Bewusstsein und planvoll vollziehen zu können. Dazu gehört die Fähigkeit, nicht nur das sozialistische Ziel zu formulieren, sondern ebenso die Fähigkeit, die jeweils historisch-konkrete Form kapitalistischer Klassenherrschaft zu erfassen. Lloyd konstatiert hierbei die Notwendigkeit, die Klassenherrschaft im Monopolkapitalismus als umfassendes Herrschaftsverhältnis zu begreifen. Seine Kernthese ist, dass eine revolutionäre Strategie, die sich von dialektisch-materialistischer Weltanschauung leiten lässt, den historischen Fortschritt im Kampf der Widersprüche des bestehenden Systems sucht. Bei einer Strategie, die den Widersprüchen lediglich ihre Spitzen nimmt, sieht er dagegen die Gefahr von opportunistischen Fehlern.

Die Kritiker der antimonopolistischen Strategie lassen wir exemplarisch im Rahmen einer Dokumentation authentisch zu Wort kommen. Wir dokumentieren hier je eine Stellungnahme der DKP Gießen und von Heiko Humburg, der erläutert, warum die antimonopolistische Strategie seiner Ansicht nach in den Sumpf führt.

Im Debattenteil dieser Ausgabe schließlich bringen wir anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution Passagen aus einem Text des T&P-Mitbegründers Hans Heinz Holz, in denen er die historische Bedeutung der Oktoberrevolution aufzeigt. Für einen Marxisten angemessen besteht diese historische Bedeutung für Holz in ihrer Kraft, die Zukunft der Menschheit zu beleuchten. Der abschließende Beitrag von Richard Corell hingegen geht zum sozialistischen Charakter der VR China und führt so mit einiger Verzögerung eine Debatte fort, die wir in T&P vor geraumer Zeit begonnen, aber in letzter Zeit nicht mit dem nötigen Gewicht weiterverfolgt haben.

 

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